Frank-Walter Steinmeier über Christoph Schlingensiefs Außenpolitik

Frank-Walter Steinmeier und Christoph Nix eröffnen Theaterspielzeit in Konstanz

Konstanz. „Schön Frank, dass Du da bist“, sagt Theaterintendant Christoph Nix. Nicht zufällig hat Nix den Ex-Außenminister zur Spielzeiteröffnung geladen. Frank-Walter Steinmeier spricht über eine Außenpolitik, die die Welt ein bisschen verändern könnte. Die Welt werde gerade neu vermessen, sagt Steinmeier. Europa werde nicht mehr der Nabel der Welt sein. „Wenn wir wollen, das unsere Philosophie, unsere Vorstellung von Demokratie überzeugen soll, müssen wir Überzeugungsarbeit in der Welt leisten. Steinmeier meint den kulturellen Dialog. Theaterpartnerschaften sind ein Teil davon. Das Theater Konstanz beteiligt sich.

Warum Afrika in Konstanz?

Warum Afrika? Als der Theatermacher Christoph Schlingensief im Januar 2010 in der Nähe von Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, mit dem Bau eines Operndorfs Afrika begonnen hat, einem Dorf mit einer Schule mit Film- und Musikklassen, Werkstätten und Lager, Wohn- und Gästehäusern, Kantine, Büros, Café, Siedlungen, Fußballplatz, Agrarflächen, Restaurant, Krankenstation, einer Theaterbühne mit einem Festsaal und Proberäumen, hat Schlingensief auch Politik gemacht. Am 21. August 2010 ist der Theatermann mit nur 49 Jahren in Berlin gestorben.

Außenpolitik ist auch Kulturpolitik

Diese Woche erhielt Steinmeier von Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz die Nachricht, dass in dieser Woche die Schule im Operndorf begonnen hat. Anfangs sei er skeptisch gewesen, sagt Steinmeier. Dann habe er begriffen, dass es nicht um den Bau eines Plüschsalons ging. Schlingensiefs ging es darum, den Afrikanern beizubringen stolz auf ihre eigenen Kultur zu sein. Frank-Walter Steinmeier hatte verstanden. Als der SPD-Politiker noch Außenminister war, nahm er auf Auslandsreisen neben Vertretern der Wirtschaft und Medien auch Kulturarbeiter mit.

Reise nach Afrika

Christoph Nix,  der ein persönlicher Freund von Steinmeier ist, arbeitet am selben am selben Projekt mit den Mitteln eines Stadttheaters. In Konstanz, wo die Theaterspielzeit nicht zufällig unter dem Motto „Afrika – in weiter Ferne so nah“ steht, wagt Nix im sechsten Jahr seiner Intendanz ein Experiment. Steinmeier sprach von einer „ganz und gar ungewöhnlichen Theatersaison“. Als Außenminister sei er in der privilegierten Situation gewesen, Erfahrungen selbst sammeln zu können – auch in Afrika. Das Konstanzer Theaterpublikum könne in dieser Spielzeit eine große Reise im Theater antreten. Shakespeares Othello wird in Konstanz ein Schauspieler aus Malawi spielen. „Die Welt ist immer noch auf der Suche nach einer neuen Ordnung“, sagt Steinmeier. Das Konstanzer Theater ist auf der Suche nach einem Theater, das sich abhebt.

Theaterfest rund um den Münsterplatz

Heute lädt das Theater zum großen Kennenlernen zum Theaterfest auf dem Münsterplatz ein. Um 15 Uhr diskutieren Frank-Walter Steinmeier und der Autor Henning Mankell im Stadttheater dann über „Kultur! Macht! Außenpolitik!“. Und auch Theater gibt es: Um 20 Uhr steht in der Spiegelhalle die Uraufführung und Premiere von „Herz der Finsternis“ auf dem Spielplan. Im großen Haus lädt das Konstanzer Ensemble zeitgleich zur B-Premiere von „Die Rote Antilope“ ein. Mit dabei ist der Autor Henning Mankell. Am Freitagabend fand bereits die Premiere im restlos ausverkauften Theater statt. Eine Rezension angekündigt hat das Portal Nachtkritik.

Hier geht es zum Theaterfest-Flyer TKN_RZ_Theaterfest Flyer weiß (1)

Fotos: wak/Theater Konstanz Ilja Mess

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