Freitagabend Konstanzer OB mit Nachtwanderern in der Seestraße

Hunderte Jugendliche beim Come-Together am See – Stadt sucht Dialog und denkt über Glasverbot nach

Konstanz. Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank war am Freitagabend zusammen mit Nachtwanderern in der Seestraße unterwegs. Der Abend begann friedlich. Der OB suchte das Gespräch mit vielen jungen Konstanzern.

Oberbürgermeister spricht mit Beteiligten

Vermutlich mehrere Hundert Jugendliche hielten sich schon zwischen 21 und 22 Uhr in der Seestraße auf, während im Herosépark zu diesem Zeitpunkt nur einzelne Grüppchen friedlich am nächtlichen Ufer saßen. Für Oberbürgermeister Horst Frank scheint klar zu sein: Konstanz setzt auf den Dialog mit den Jugendlichen. Mit seinem nächtlichen Spaziergang setzte Frank ein Zeichen. Ob die Gespräche zur Befriedung beigetragen haben und eine Verständigung zwischen sich gestört fühlenden Anwohnern und Seestraßennutzern möglich ist, vermochte am Freitagabend aber niemand zu sagen.

Jugendliche erstaunt über grünen OB

Der OB hatte sich erst im Laufe des Freitags spontan entschlossen, die Nachtwanderer an den Brennpunkt Seestraße zu begleiten. Die Jugendlichen reagierten überwiegend positiv auf den OB. Einige zückten ihr Handykameras und schossen Erinnerungsfotos von der unerwarteten Begegnung. Manche waren überrascht, dass Konstanz einen grünen OB hat.

Kampagne Null Bock auf Scherben

Die Nachtwanderer hatten zuvor Papiertüten verteilt und gelbe Aufkleber im DINA-4 Format an die Platanen in der Seestraße gepappt. „Null Bock auf Scherben“, stand in schwarzen Lettern auf den Aufklebern und den Tüten. Zu lesen war: „Wenn du deine leeren Flaschen hier entsorgst, trägst du dazu bei, dass nicht mehr so viele kaputte Flaschen herumliegen und die Scherben Mensch und Tier nicht gefährden“.

Glasverbote für Brennpunkte geplant

„Die Stadt setzt klar auf Prävention, Information und Dialog“, so Pressesprecher Walter Rügert am Freitagnachmittag. Es könnte aber auch ein Flaschenverbot geben. „Wenn alles andere nicht hilft, sind Alkohol- und Glasverbote durchaus denkbare Instrumente“, so der städtische Pressesprecher weiter. Geplant sei, dem Gemeinderat eine Sitzungsvorlage mit einer Änderung der Umweltschutz- und Polizeiverordnung zur Entscheidung vorzulegen. „Die Änderung soll für die Seestraße und das Herosé-Gelände künftig von März bis Oktober ein Glasverbot vorsehen“, so Rügert. Flaschen wären dann nicht mehr erlaubt.

OB will mit Seestraße-Anwohnern sprechen

Zuletzt hatten Anwohner der Seestraße einen Brief an das Bürgeramt und den OB geschrieben. Vor Ostern bekamen sie einen Zwischenbescheid des Bürgeramtes mit der Information, dass der Fall noch mit OB Frank erörtert werde. Der OB sagte den betroffenen Anwohnern zu, sich mit ihnen zu einem gemeinsamen Gespräch zu treffen. Solche Gespräche hätten in der Vergangenheit auch schon mehrfach mit Anwohnern des Bereichs Herosé stattgefunden. Dort sorgt weiterhin eine private Security dafür, dass die Situation nicht eskaliert. Die meisten Parknutzer sind aber – so wie auch am Freitagabend – friedlich und absolut unauffällig.

Treffpunkt hat sich verlagert

Anscheinend spitzt sich in diesem Sommer aber der Konflikt zwischen Jugendlichen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, und  Anwohnern in der Seestraße zu. In den vergangenen Wochen kam es vermehrt zu Klagen. Nach Auskunft der Stadt haben einzelne Betroffene aus dem Bereich Seestraße, die sich in ihrer Nachtruhe gestört oder von einzelnen alkoholisierten, aggressiven Jugendlichen sogar bedroht fühlen, Anzeige erstattet. „Das Bürgeramt als Ordnungsbehörde wird von der Polizei informiert“, so Pressesprecher Walter Rügert. „Teilweise gibt es keine konkreten Täter, so dass keine Maßnahmen ergriffen werden können“, sagte der Sprecher der Stadt weiter.

Alkoholverbote rechtlich problematisch

Die Möglichkeit, Alkoholverbote auszusprechen, sind seit einem Verwaltungsgerichtsurteil stark eingeschränkt. Die Verwaltungsrichter hatten ein Alkoholverbot in Freiburg gekippt. Viele Kommunen – so auch Konstanz – fordern deshalb schon länger eine Novelle des Polizeigesetzes mit dem Ziel, dass Alkoholverbote wieder möglich wären. Die Stadt Konstanz werde auch bei der neuen grün-roten Regierung einen entsprechenden Vorstoß unternehmen, so Walter Rügert. Anders ist die Lage, wenn es um eine Glasverbot geht. „Ein Glasverbot ist rechtlich möglich, mitentscheidend ist die jeweilige örtliche Situation“, so der städtische Pressesprecher.

Neue Grillstelle auf Klein-Venedig

Entspannen könnten die Situation in der Seestraße auch eine neue Grillstelle und Feuerstelle auf dem Gelände Klein-Venedig. Der neue Grillplatz, der als Ersatz für eine Grillstelle am Seerhein gebaut worden ist, soll in der kommenden Woche in Betrieb gehen. Den genauen Termin werde die Stadt noch bekannt gegeben, sagte Rügert. Ob wenigstens ein Teil der Jugendlichen den Platz annimmt, lässt sich vorab noch nicht sagen. Für Samstag und Sonntag ist aber erst einmal Regen angesagt. Solange dürfte es für Anwohner, Jugendliche und Stadt eine Atempause geben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: wak

2 Kommentare to “Freitagabend Konstanzer OB mit Nachtwanderern in der Seestraße”

  1. Petra Meich
    14. Mai 2011 at 10:57 #

    Die Grillstelle wird natürlich alles entschärfen *lach

  2. Unglaublich!
    14. Mai 2011 at 11:28 #

    Habe zufällig mit einem Mitarbeiter der Stadt gesprochen, der frühmorgens brav die Bänke wieder angeschraubt hat. Für ihn reinste Routine. Klang aber resigniert. Jeden Morgen rückt auch ein Räumkommando an und fegt alles sauber. Wie daheim, wenn die Mutti immer hinterherräumt! Hat jemand mal ausgerechnet, was das den Steuerzahler kostet? Irgendwann ist mal Schluss mit Toleranz, runden Tischen, Verständnis und Kuschelpädagogik. Hat ja alles nichts gebracht. Durchgreifen, bis die kleinen Paschas gelernt haben, sich zu benehmen. Wurde von denen mal einer dazu verdonnert, die Seestraße zu kehren oder die Bänke mal sauber zumachen? ich glaube nicht. Ist ja anscheinend nicht zumutbar! Und bitte kommt jetzt nicht mit „das sind ja nicht alle“. Natürlich sind das nicht alle und diejenigen, die sich benehmen, interessieren ja auch nicht. Anscheinend gibt es aber genug, von denen, denen ein paar Ohrfeigen gut tun würden. Denn sonst würde es an der Seestraße, am Schänzle, am Hörnle oder im Herosepark nicht jeden Morgen wie auf einem Schlachtfeld aussehen.

    Vorschlag an die Stadt: Einfach mal drei Wochen nicht sauber machen, den Party-und Randalepöbel in ihrem eigenen Dreck hocken lassen und dann auf die Reaktion der Bürger warten.

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