Friedrichshafener und Überlinger gründen smartes Stadtwerk am See

Doppledeutiger Slogan „Natürlich für mich“ – Mit Ökologie, Bürgerbeteiligung und Regionalität Wettbewerber abhängen

Friedrichshafen/Überlingen. Sie sind das smarte Stadtwerk am See. Nah bei den Menschen am Bodensee wollen sie sein. Ihre zentralen Themen sind die Nähe zu den Kunden, Bürgerbeteiligung an erneuerbaren Energien sowie attraktive Preise und hohe Servicequalität. Das Stadtwerk am See hat sich noch nicht einmal ganz auf dem Markt positioniert und ist schon ein großer Player. „Für manche hat Strom eine Farbe, bei uns hat Strom ein Gesicht“, sagte Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand bei einer Medienkonferenz in Überlingen. Die Städte Friedrichshafen und Überlingen sind Gesellschafter des neuen kommunalen Stadtwerks am Bodensee, das die Kundenstämme der TWF und der Swü übernommen hat. Andere Gemeinden des Bodenseekreises, sind ausdrücklich eingeladen, sich anzuschließen.

Aufbruch in die Zukunft

Der Job war erledigt und die Stimmung im Überlinger Rathaussaal war entspannt, als Oberbürgermeister Andreas Brand und seine Überlinger Kollegin Sabine Becker zusammen mit den beide Geschäftsführern Alfred Müllner aus Friedrichshafen und Klaus Eder aus Überlingen anlässlich der Stadtwerksgründung vor die Medien traten. Seit dem 1. Oktober sind die TWF und Swü Geschichte. Die beiden Oberbürgermeister, die auch Aufsichtsratsvorsitzende sind, sind mit ihren Töchtern aufgebrochen in die Zukunft.

Beachtlicher Schritt

Dass, das neue Stadtwerk in der ökologisch sensiblen Bodenseelandschaft zu Hause und ganz nah bei den Menschen in der Region sein möchte, macht schon der Imagefilm klar. Wer sich beteiligen möchte ist eingeladen – das gilt für andere Kommunen genauso wie für Bürger und Kunden, die den Anbieter wechseln wollen. Obermeister Brand sagte: „Es ist ungewöhnlich in Baden-Württemberg, dass sich zwei Stadtwerke zusammengetan haben.“ Friedrichshafen und Überlingen geben ein gutes Beispiel für andere Stadtwerke ab. Anscheinend gibt es nur Gewinner: Die rund 300 Mitarbeiter seien mit viel Power und Begeisterung mitgegangen. Kein einziger Arbeitsplatz ging verloren.

Gut für die Region und die Energiewende

OB Brand sieht vor allem zwei Ziele. Marktmacht durch Größe und bezahlbaren Strom und Energie für die Region. Der Friedrichshafener ist stolz auf das, was die Städte und die Stadtwerke mit ihren Geschäftsführern aufs Gleis gesetzt haben. Selbstbewusst solle es klingen, aber nicht überheblich, sagte Brand. Oberbürgermeisterin Sabine Becker sprach von der „guten Stimmung“ und „mutigen Beschlüssen“. Die Leitfragen lauteten: „Was ist gut für die Region?“ und „Was ist gut für die Energiewende?“. Das Stadtwerk am See sei der Beitrag des Bodenseekreises zu 60 Jahre Baden-Württemberg.

Stadtwerk der Region

Geschäftsführer Alfred Müllner erklärte: „Wir wollen das Stadtwerk der Region sein.“ Die erste Revolution, die die Welt der Stadtwerke verändert habe, sei die Liberalisierung der Märkte gewesen. Die zweite Revolution sei die Abkehr von der zentralen Energieerzeugung. Die Regionen müssten Verantwortung übernehmen. Das neue Unternehmen werde ausstrahlen. Das kleinere Regionalwerk und das Stadtwerk am See seien maßgeschneidert für den Bodenseekreis.

Impuls ging von Stadtspitzen aus

Weiter erklärte Müllner, die Erfolgsgeschichte habe einen Vater und eine Mutter. „Der Impuls ging von den Oberbürgermeistern aus“, so Müllner. Die Unternehmen hätten sich niemals getraut, soweit zu denken. Die Stadt Friedrichshafen hält 68 Prozent der Anteile. 22 Prozent besitzt die Stadt Überlingen. Zehn Prozent haben die Gründer freigehalten und für eine Beteiligungsgesellschaft reserviert. Hier können sich weitere Kommunen einbringen.

Auf Vergleichsportalen bestehen

Aus Sicht der Kunden hat die Zusammenarbeit nur Vorteile: Die vier Kundenzentren sind nah an den Menschen. Durch die Einsparung von Systemkosten könne das Stadtwerk am See wirtschaftlich gute Preise anbieten, so Klaus Eder. OB Brand erklärte, heute schauten sich sich Kunden die Tarife auf Vergleichsportalen an. Im Vergleich mit vergleichbaren Angeboten müsse sich das Stadtwerk behaupten können. Das gelte aber nicht für Billiganbieter mit Vorauskasse.

Nah bei den Bürgern

Das Stadtwerk will nicht nur den Kontakt zu den Kunden und die Bodenhaftung nicht verlieren, sondern Bürger an Investitionen zum Beispiel in Windkraftanlagen beteiligen. „Wenn Wind Sinn machte, dann machen wir das“, erklärte Müllner. Nicht Investoren von außen, sondern das Stadtwerk am See solle Windkraftanlagen bauen und betreiben. Auch ein Kundenbeirat werde beim neuen Stadtwerk eingerichtet werden. Müllner sagte aber auch, dass nicht nur Ökologie das Thema sein könne. Das Stadtwerk am See müsse den Industrieunternehmen auch wettbewerbsfähige Preise anbieten können.

Attraktiver Arbeitgeber

Im Wettbewerb steht das Stadtwerk am See aber nicht nur, wenn es um Kunden geht. Für ein kleineres Unternehmen wie die Swü sei es auch immer schwieriger geworden, gute Leute zu finden, so die Obermeisterin von Überlingen. Der Fachkräftemangel habe sich bereits bemerkbar gemacht. Das neue Stadtwerk am See sei ein attraktiverer Arbeitgeber.

Geschäftsfelder Stadtwerk am See

Die Geschäftsfelder des Stadtwerks am See sind Strom, Gas, Wasser, Wärme und Dienstleistungen wie Nahwärme. Ein weiteres Feld ist die Telekommunikation mit der erfolgreichen Teledata, die mit der Telekom auf Augenhöhe sei, so OB Brand. Die Teledata machte zuletzt 500.000 Euro Gewinn. Das Who is Who im Bodenseekreis, darunter die ZF Kommunikation, nutze das Dienstleistungsangebot. Die Verluste des Stadtverkehrs Friedrichshafen, der Bodensee-Oberschwaben-Bahn, des Katamaran sowie die Parkhäuser und der Flughafen belasten das neue Unternehmen nicht.

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