Fünf Thermen am Bodensee wie Perlen einer Kette

Thermalbäder in Überlingen, Meersburg und Konstanz planen für die Zukunft – Pläne für Thermen in Friedrichshafen und Lindau

Bodensee. Im Thermen-Land Bodensee reihen sich in Zukunft vielleicht sogar fünf Thermen wie die Perlen einer Kette entlang der B 33 und der B 31 aneinander. In Überlingen, Meersburg und Konstanz sprudelt das Thermalwasser längst. Weitere Thermalbäder könnten in Friedrichshafen und Lindau entstehen. „Der See hat etwas Trennendes“, sagt Dr. Georg Geiger, Geschäftsführung Bädergesellschaft Konstanz. Die Konstanzer brauchen sich mit ihrer Bodensee-Therme, die über eine sehr große Wasserfläche verfügt, nicht verstecken. Die Dichte der Wasserparks am See ist aber hoch. Das Trennende und die Tatsache, dass Konstanz nicht an der B 31 liegt, ist für die Konstanzer nicht von Nachteil.

Saunen sind Profit-Center

Der Wettbewerb zwingt die Thermen dazu, sich immer wieder zu häuten und Gästen neue, zusätzliche Wasserattraktionen zu bieten. Besucher räkeln sich vor Massagedüsen, stellen sich unter Wasserfälle, lassen sich durch Strömungskanäle treiben, relaxen auf Sprudelliegen und erwarten immer wieder neue Attraktionen. Der Profit-Center der drei bereits bestehenden Thermalbäder ist die Sauna. Auch die beiden Geschäftsführer der Konstanzer Bädergesellschaft, Georg Geiger und Konrad Frommer, hatten es so schön geplant: Sie wollten ihre Sauna vergrößern und einen neuen Saunaturm, dessen Architektur an einen Sprungturm im Bodensee erinnern sollte, direkt am Ufer vor der Konstanzer Bodensee-Therme im Flachwasserbereich  errichten. Ein Steg sollte vom Panoramadeck der Sauna zum Turm und weiter in den See hinein führen. Die Konstanzer Saunagäste hätten dann den direkten Zugang zum See gehabt.

Geplatzte Träume in Konstanz

„Die Geschäftsführung hat sie Pläne aufgegeben“, sagte Georg Geiger. Schnell hatte sich in Konstanz politischer Widerstand gegen die Saunaerweiterung formiert. „Wir sehen die Möglichkeit, dass wir die Pläne und Vorschläge realisieren können, maximal bei 50 : 50“, so der Geschäftsführer ernüchtert „Das Risiko war uns zu groß.“ Der Bebauungsplan müsste geändert werden, weil die neue Sauna der Bodensee-Therme jenseits des Seeuferwegs hätte entstehen sollen. Das Verfahren wäre aufwändig – und der Ausgang ungewiss. Die Bädergesellschaft hätte die Kosten tragen müssen. Natur- und Landschaftsschutz fordern ihren Tribut. Trotzdem planen auch die Konstanzer weiter. „Wir bleiben am Ball“, sagt Geiger aber. Er redet von einem „dynamischen Markt“ und weiß, dass Stillstand in der Branche Rückschritt bedeuten würde. Nur der See bleibt endgültig tabu.

Überfällige Sauna-Erweiterung in Überlingen

In Überlingen, wo die Aquapark Management GmbH die Therme betreibt, sind die Pläne hingegen sehr konkret. Die Saunalandschaft am Überlinger See mit Außensauna, idyllischem Saunagarten, direktem Seezugang und Aufgussritualen in der Innen- und in der Seesauna, ist beliebt. An manchen Tagen schrammt die Überlinger Bodensee-Therme an der Kapazitätsgrenze. Ein neues Saunahaus und die Erweiterung des Saunagartens sind lange überfällig. Der Saunabereich soll größer werden, heißt es aus der Stadtverwaltung. Noch sind die Pläne nicht öffentlich. Noch zwei bis drei Sitzungen seien nötig – die Kommunalpolitik wird noch ein paar Runden drehen. Klar ist aber schon jetzt, der Saunagarten dehnt sich in Richtung Stadtgarten am See entlang aus. Auch ein neues Saunahaus dürfte entstehen.

Meersburg-Therme hat drei Außensaunen

Eine dritte Sauna im Außenbereich gebaut haben – anders als die Überlinger – längst die Meersburger. Im weitläufigen Saunagarten der Meersburg-Therme stehen heute drei Pfahlbausaunen. Die „Seesauna“ bietet Platz für 55 Personen. Wer mag, kann sich nach einem Aufguss direkt im größten Tauchbecken Süddeutschlands, dem Bodensee, abkühlen. Meersburg hat wie Überlingen einen direkten Seezugang vom Saunabereich aus. Neu eingerichtet ist in Meersburg, die von Anfang an die kleine feine Therme sein wollte, die Sauna-Lounge. Nach dem Betreiberwechsel in Meersburg, neuer Betreiber ist die g1-Bäder-Gruppe, gibt es momentan zwar keine konkreten Pläne für einen Weiterbau. Dass eine Therme nie fertig gebaut ist, haben aber auch die Meersburger verstanden.

Versprechungen in Friedrichshafen

Friedrichshafen hingegen wartet seit Jahren vergeblich auf eine Therme. Die Stadt ist an einen mit dem Schweizer Investor Kurt Eicher geschlossenen Vertrag gebunden. Das Fischbacher Frei- und Seebad  hat in diesem Sommer mutmaßlich zum letzten Mal zum Abbaden eingeladen. In den vergangenen zehn Jahren sanierte die Stadt das Bad schon fast nicht mehr. Im Januar will Eicher angeblich endlich mit dem Bau der Therme beginnen. Einen Finanzierungsnachweis hat er der Stadt aber noch immer nicht vorgelegt. Angekündigt hatte er ihn für Ende Mai, dann für Ende August. Beide Termine sind verstrichen. Bis 2013 muss die Therme fertiggestellt sein. Dazu ist Eicher vertraglich verpflichtet. Alle erforderlichen Genehmigungen lägen vor, heißt es seitens der Stadt.

Stadt vertraglich an privaten Investor gebunden

Einen Plan B habe Friedrichshafen nicht, falls Eicher doch nicht bauen sollte. Oberbürgermeister Andreas Brand wies schon einmal darauf hin, dass er den Vertrag mit Kurt Eicher nicht zu verantworten habe – der OB trat sein Amt erst später an. Wahrscheinlich ist es, dass die Stadt momentan still hält, um ihre vertraglichen Verpflichtungen einzuhalten und um auszusteigen, wenn Eicher den Vertrag bricht. Unabhängig vom Bau einer Therme plant die Stadt Friedrichshafen auch ein neues Hallenbad im Sportpark bei der ZF Volleyball Arena auf dem alten Messegelände. Bei den Haushaltsberatungen 2012/2013 sei das Sportbad, das Wettkampfnormen erfüllen soll, ein Thema, so die Auskunft der Stadt.

Lindauer Bürgerentscheid über Bäder 2012

Eine neue Therme entstehen könnte auch in Lindau. Sie wäre in der Perlenkette entlang der B 31 die vierte. Das Limare, das Familien- und Vitalbad,  und das Strandbad Eichwald sind in die Jahre gekommen. Das Strandbad hat eine 25.000 Quadratmeter große Liegewiese, 660 Meter Naturstrand und einem Badesteg. Lindau denkt über ein neues Bad nach dem Motto aus zwei mach‘ eins nach. Der Bauplatz wäre ideal. Florian Schneider, Leiter Bäder bei den Lindauer Stadtwerken, kann aber noch nichts Konkretes sagen. Vor etwa eineinhalb Jahren habe der Friedrichshafener Bäderarchitekt Josef Wund einen Vorstoß gemacht. Mittlerweile gab es eine europaweite Ausschreibung, Konzepte und Ideen haben sich die Lindauer entwerfen lassen. Die Stadtwerke suchten nach einem Unternehmen, das für Planung, Bau und Betrieb verantwortlich zeichnet. Welche Rolle die Stadtwerke in Zukunft spielen und ob sie möglicherweise eine neue Gesellschaft gründen, ist noch nicht entscheiden. Klar ist nur, die Liegefläche des Strandbads Eichwald werde nicht angetastet. Im Frühjahr 2012 soll es einen Bürgerentscheid in Lindau geben. Vielleicht wollen die Lindauer ihre alten Bäder erhalten, vielleicht wollen sie eine neue, schicke Therme für die bayerische Stadt.

Fotos: wak

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.