Gewerkschaft warnt vor „Tarifflucht“ des Konstanzer Südkurier

Plädoyer für einen gemeinsamen Kassensturz – Knapp eine Million Euro einsparen

Tarifvertrag bald Makulatur?Konstanz. Manchmal schauen sie in diesen Tagen ein wenig neidisch nach Stuttgart, die Redakteure des Südkurier. Denn in Stuttgart hat man sich darauf geeinigt, „alle Fakten und Zahlen“ auf den Tisch zu legen, um in dem Konflikt um das Bahn- und Städtebau-Projekt Stuttgart 21 weiter zu kommen. Ganz anders bei dem Konflikt, der zur Zeit die Belegschaft des Südkurier beschäftigt. Da wünscht sich die Geschäftsleitung, die ab 2011 pro Jahr knapp 1 Million Euro einsparen will, eine Einigung auf Sparmassnahmen ohne Preisgabe der betriebsinternen Fakten und Zahlen. Die Mitarbeiter der Redaktion haben sich zwar längst grundsätzlich bereit erklärt, zur Konsolidierung des Unternehmens beizutragen. Dem Verzicht auf tariflich eigentlich garantierte Leistungen, so heisst es bei den Mitarbeitern, müsse aber ein gemeinsamer Kassensturz voran gehen.

„Keine Unterschriften, egal wo und wann“

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) und die deutsche Journalisten-Union (dju) warnen indessen vor einer offensichtlich anvisierten Flucht der Südkurier GmbH aus dem Verband der Südwestdeutschen Zeitungsverleger und damit aus dem Tarifverbund von Verlagsunternehmen und Gewerkschaften. Im Hinblick auf eine für den 9. November anberaumte Betriebsversammlung wird allen Mitgliedern der Belegschaft dringend empfohlen, „keine Unterschriften unter irgendwelche Schriftsstücke zu lelsten, egal wo und wann“.

Familiär organisierte Befehlszentrale

Manchmal schauen die Redakteure des Südkurier in diesen Tagen mit Ärger im Herzen in Richtung Stuttgart. Denn dort befindet sich nicht nur ein grosser Kopfbahnhof. Dort ist auch die familiär organisierte Befehlszentrale, sind Kopf und Nabel des Medienkonzerns Georg von Holtzbrinck zu finden, der sich offensichtlich sperrt, alle Zahlen zum Geschäftsgang ihres Konstanzer Tochterunternehemens Südkurier auf den Tisch legen zu lassen. Zu diesem Konzern zählen neben dem vergleichsweise bescheidenen Südkurier unter anderem die „Zeit“, die „Handelsblatt“-Gruppe, die Würzburger „Main-Post“, der „Trierer Volksfreund“, die „Lausitzer Rundschau“ und der Berliner „Tagesspiegel“. Hinzu kommen etwa zwei Dutzend deutsche Buchverlage sowie mehr oder minder gewichtige Beteiligungen an weiteren nationalen und internationalen Medienunternehmungen.

S. Hofschlaeger PIXELIO www.pixelio.de

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