Gewinn-Warnung: Schweizer meiden Konstanzer Shopping-Angebote

IHK fürchtet weniger Kunden wegen Verkehrssituation in Konstanz

Konstanz (wak) Viele Schweizer meiden deutsche Shopping-Angebote, weil sie keine Lust mehr haben, in Konstanz im Stau zu stehen. Wenn es noch eines Weckrufs bedurft hätte, wäre es wohl diese Umsatz-Warnung gewesen, die Konstanz aufschrecken lässt. Bertram Paganini von der Industrie- und Handelskammer Hochrhein Bodensee hat sie verbreitet und bezieht sich auf die Aussage einer Mitarbeiterin der Thurgauer Zeitung.

Der Schrei der Schweizer

Am Anfang war also die veröffentlichte Meinung und die Befürchtung, dass Staus und ewige Parkplatzsuche in Konstanz die Schweizer künftig davor abhalten könnten, in Konstanz zu schoppen. Das käme einer Gewinn-Warnung gleich. Darauf hin tingelten führende Vertreter des Konstanzer Handels Raimund Franke (Karstadt), Peter Herrmann (Lago), Utz Geißelhart (Einzelhandelsverband) und Bertram Paganini (IHK) durch die Konstanzer Kommunalpolitik. Mit dabei hatten sie einen ganzen Katalog mit Vorschlägen.

SPD will Wohnen und Parken auf dem Döbele

Bei der SPD rannten sie zumindest mit ihrer Forderung, das Döbele zu entwickeln, längst offene Türen ein. Denn bisher hat eher eine schwarz-grüne Koalition verhindert, dass aus der Reservefläche ein neuer innerstädtischer Standort für Wohnen, Parken und Dienstleistungen wurde. Die SPD möchte schnell so viele Wohnungen wie möglich schaffen, damit die Mietpreise in der Stadt, auch im linksrheinischen Konstanz, bezahlbar bleiben.

Widerstand gegen Lago-Parkhauserweiterung

Mit weiteren Forderungen des Handelslobby freilich tut sich die SPD schwer. Sie hält nicht viel von einem Döbelekreisel-Bypass und wahrscheinlich noch weniger von neuen Parkplätzen am Lago. Letzteres wäre dagegen mit Alexander Fecker (CDU) zu machen, der wiederum auf dem Döbele mit einem Parkhaus auf Zeit liebäugelt.

Wigoltingen im Hinterkopf

Das geplante Outlet-Center im Schweizer Wigoltingen, das bequem über die Autobahn zu erreichen sein wird, hat den Konstanzer Handel aufgeschreckt. Die Stadt könne es sich bald nicht mehr leisten, Gästen und Kunden an 60 bis 80 Tagen „unerträgliche Stausituationen“ zu bieten, schreibt Paganini. Ein Verkehrsrechner soll den Verkehr besser leiten, Wohnmobile und Busse sollen runter vom Döbele, ein Bypass und eine Erweiterung des Döbelekreisels sollen Staus bei der Einfahrt in die Einkaufsstadt vermeiden helfen. Eine Begegnungszone beim Bahnhof sieht die Lobby des Handels äußerst kritisch. Sie fürchtet Staus in der sowieso schon chronisch überlasteten Bodanstraße.

Nachteile vor allem für Anwohner

Die Entwicklung des Döbele brächte vor allem auch zusätzliche Parkplätze in einer neuen Tiefgarage oder sogar in einer zusätzlichen Garage am Rande des Areals. Ein paar Hundert könnten es sein. Die SPD-Fraktion, der die Wirtschaftsvertreter am vergangenen Montag einen Besuch abstatten, hat verstanden. Die Nein-Sager im Streit um ein Konzert- und Kongresszentrum sind Ja-Sager, wenn es um eine Überplanung des Döbele geht. Dass linksrheinisch wieder Bewohnerparkplätze wegfallen würden, würde die SPD in Kauf nehmen. Stellplätze gebe es nicht zum Nulltarif. Im Klartext: Wer parken will, müsste sich eben einen teureren Stellplatz mieten. Dass Kommunalpolitiker möglicherweise auch den nächsten Generationen noch nicht überplante und überbaute freie Flächen überlassen könnten, spielt in der aktuellen Aufbruchstimmung keine Rolle.

2 Kommentare to “Gewinn-Warnung: Schweizer meiden Konstanzer Shopping-Angebote”

  1. dk
    29. April 2010 at 08:11 #

    Mit Ladenzeiten ab 7 Uhr und abends bis 22 Uhr kann man in den Randgebieten ganz gut leben; die Parkplätze an (Super-)Märkten sind für Park-Muffel relativ dünn besucht und die Kunden-Dichte ertragbar gering, so dass „schnelles Einkaufen“ machbar ist.

    Für breite Produktgruppen gibt es einen sehr guten Online-Handel. Mit den freundlichen Leuten von Post bzw. Paketdienst duzt man sich nach relativ kurzer Zeit. Eine praktische Alternative nicht nur für etwas in der Mobilität benachteiligte oder vereinsamte ältere Menschen.

  2. Fenedig
    29. April 2010 at 10:21 #

    Man kann immer was tun, um die Verkehrssituation in einer Stadt zu optimieren – so auch in Konstanz. Die Vorschläge sind hier allerdings derart divergierend wie vor kurzer Zeit – oder noch immer! – die Meinungsstreuung zum verblichenen Konzerthaus. Dafür sorgt nicht zuletzt die SPD! „Wichtig ist, was hinten rauskommt“ ist bekanntlich ein geflügelter Satz (Kohl). Dazu sind in Konstanz die Wege halt meistens sehr, sehr weit. Was die helvetischen Stadtbesucher betrifft, so ist die Sorge einigermassen unbegründet: Einerseits wird der Franken in den kommenden Jahren seine Stärke gegenüber dem Euro wohl behaupten, und andererseits kommen die Schweizer besonders auch wegen der urbanen Attraktivität nach Konstanz (und Umgebung). Das lässt sich auf Dauer weder mit „Shoppen auf grüner Wiese“, noch mit mit „Märkten in Randgebieten“, „Online-Handel“ usw., wie Schreiber „dk“ postuliert, ersetzen. Wenn eine Mitarbeiterin der (wieder einmalmal verkauften!) „Thurgauer Zeitung“ Zweifel aufkommen lässt an den zukünftigen Kaufgewohnheiten ihrer Landsleute (und den über die Grenze Zugereisten, muss man heute erwähnen!), so tut sie dies natürlich auch in eigener Sache, um die eigenen regionalen Pfründe zu pflegen. Dem „Zweifeln“ widerspricht nachgerade die monierte „unerträgliche Stausituation“ an „60 bis 80“ Tagen, die ohne Schweizer Kunden sicher nicht entstünde. Dabei sei nicht gesagt, dass die Verkehrsleit- und Parksituation in Konstanz nicht verbesserungswürdig wäre. Das gelänge dann gut, wenn die wichtigsten Parteien „an einem Strang ziehen“ und dabei Kreativität Leitmotiv wäre – nicht jedoch durch endlose Streitereien.

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