Grüner warnt: Keine Frühchen mehr in Konstanz und Singen

Lehmann: „Regionale Versorgung von Frühgeborenen in Verbundzentren sichern“

Siegfried LehmannKonstanz/Singen. Der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann (Grüne) fordert, die flächendeckende Versorgung von Frühgeborenen zu sichern. Die derzeit von Schließung bedrohten Perinatalzentren könnten nach bayerischem Vorbild in Verbundzentren zusammengefasst werden, so Lehmann.

Keine Versorgung mehr im Kreis Konstanz

Der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann verlangt von der Landesregierung in einem parlamentarischen Antrag, wie in Bayern die regionale Versorgung von Frühgeborenen in Verbundzentren zu sichern: „Nach den derzeit vorliegenden Plänen wäre eine Versorgung im Kreis Konstanz und weiten Teilen Baden-Württembergs nicht gewährleistet. Dazu darf es nicht kommen.“

Stationen in Konstanz und Singen müssten schließen

Ein Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) verdoppelt ab 2011 die sogenannte „Mindestmenge“ an Frühgeborenen, die als Bedingung für die Finanzierung von Perinatalzentren erreicht werden muss. „Wenn diese Pläne umgesetzt werden, müssen die Stationen in Singen und Konstanz geschlossen werden. Die Landesregierung sollte unbedingt von ihrem Recht, Ausnahmen zu genehmigen, Gebrauch machen und die Zusammenfassung kleinerer Stationen zu Verbundzentren erlauben. Bis dahin müssen die Leistungen übergangsweise auch in kleineren Zentren weiter finanziert werden“, so Lehmann.

Mindestzahl 30 Frühgeborene

Der Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses sieht vor, dass ab Januar 2011 nur noch Leistungen in Krankenhäusern bezahlt werden, die mindestens 30 Frühgeborene der Gewichtsklasse unter 1250 g (Level 1) behandeln. In allen anderen Krankenhäusern werden diese Leistungen nicht mehr vergütet, so dass diese ihre Perinatalzentren schließen müssen. „Da im Referenzjahr 2008 in Konstanz drei Frühgeborene und in Singen 17 Frühgeborene behandelt wurden, müssten die einzigen Zentren für die Versorgung von Frühgeborenen im Landkreis geschlossen werden“, so Lehmann. „Die Auswirkungen des Beschlusses liegen auf der Hand – auch wenn die Kollegen Hoffmann und Netzhammer sie erst in einem parlamentarischen Antrag erfragen wollen“, so Lehmann.

Appell an Landesregierung

Wenn nicht gehandelt würde, müssten künftig Frühgeborene nach Freiburg und Tübingen verlegt werden. Der Abgeordnete schlägt vor, vom Beispiel Bayern zu lernen: „In Bayern wurden jeweils mehrere Fühgeborenenzentren zu Verbundzentren zusammengefasst, um eine flächendeckende Versorgung langfristig zu gewährleisten. So kann vermieden werden, dass große Teile Baden-Württembergs ohne Versorgungseinrichtungen für Frühgeborene zurückbleiben.“ Die rechtliche Grundlage dafür biete § 137 Absatz III Satz 3 SGB V, laut dem die für die Krankenhausplanung zuständige Landesbehörde beschließen könne, dass die Mindestmengen die flächendeckende Versorgung gefährden und daher Ausnahmegenehmigungen erteilt werden dürfen. „Es ist überfällig, dass die Landesregierung eine langfristig tragfähige Strategie entwickeln“, so Lehmann.

Verweis auf Studie des BQS-Instituts

Eine Studie des BQS-Instituts belege, dass die Qualität der Behandlung von Frühgeborenen nicht mit der Anzahl der behandelten Patienten steigt – im Gegenteil, größere Zentren wiesen eine schlechtere Behandlungsqualität auf als kleinere. Im Gegensatz zu beispielsweise Herzoperationen gebe es für die Patienten also keine Vorteile bei einer Spezialisierung. „Hier soll ohne ein tragfähiges Konzept gespart werden“, befürchtet Lehmann. Die Nachteile für die Patienten seien dabei gravierend, weiß der Abgeordnete aus Gesprächen mit Ärzten und Betroffenen: Für die Eltern der Frühgeborenen, die oft bis zu drei Monate in den Kliniken verbringen müssten, bedeute alles andere als eine wohnortnahe Versorgung eine unzumutbare Belastung. Für die Entwicklung der Kinder sei es jedoch es laut medizinischen Erkenntnissen sehr wichtig, dass ihre Mutter anwesend ist.

Ein Kommentar to “Grüner warnt: Keine Frühchen mehr in Konstanz und Singen”

  1. Silvia
    13. Dezember 2010 at 14:01 #

    Wenn sie noch mehr fragen dazu haben oder intresse haben an frühchen dan besuchen sie mal http://www.fruehchenforum.com oder http://www.fruehchen-info.at
    lg
    Silvia

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