Grüne im Kreis Konstanz beklatschen ihren Wahlkreisabgeordneten

Bei Grünen reichten am Mittwochabend im Hotel „Barbarossa“ die Stühle nicht

Konstanz/Singen. Die schöne neue Welt ist grün-rot. Die Vorfreude auf und die Erwartungen an einen grünen Ministerpräsidenten sind bei der Basis hoch. Nachdem Siegfried Lehmann das Direktmandat im Wahlkreis Konstanz geholt hat, feierten sich die Grünen außerdem selbst. Sie vermuten unter ihren Wählern viele Nichtwähler. Udo Engelhardt, der im Wahlkreis Singen kandidiert hatte, sagte, aber auch, dass die Grünen, wo Menschen in prekären Verhältnissen leben, ohne Chance seien.

Entdeckung des Internets im Wahlkampf

Im Wahlkreis Konstanz hatte Lehmann am Sonntag das viertbeste Ergebnis landesweit geholt. Neu war die Erfahrung, die die Grünen mit Wahlkampf im Internet machten. Das Internet habe die Kommunikation verändert. Die Partei habe ihre Wähler auch abseits der Tageszeitung und von Onlinezeitungen direkt erreicht. Siegfried Lehmann sprach von einem „super Wahlkampf“. Wahlentscheidend waren aus seiner Sicht aber nicht nur der Atomausstieg oder Stuttgart 21. Die Menschen sagten auch nein zu einer Politik, die sich von den Bürgern entfremdet hatte. Angela Merkel habe selbst von einem Volksentscheid am 27. März gesprochen. Die Bürger hätten die Landtagswahl auch so wahrgenommen und die Politik, die für andere Werte stehe, abgewählt.

Direktmandat als historisches Ereignis

Mit Blick auf die Wahlbeteiligung sagte Lehmann: „Die Demokratie hat gewonnen.“ Jetzt komme es darauf an, die Bürger ernst zu nehmen. Lehmann sagte, es sei ein historisches Ereignis, dass es Andreas Hoffmann (CDU) nicht wieder geschafft habe, das Direktmandat zu holen. In einer Stadt, die wie Freiburg oder Tübingen einen grünen OB wählte und wieder wählte, ist das aber gar nicht so erstaunlich. Lehmann sagte, am Dienstag sei die neue grüne Fraktion erstmals in Stuttgart zusammen gekommen. Sie ist größer geworden. Jetzt habe Grün-Rot fünf Jahre Zeit zu zeigen, dass die Regierung fünf Jahre und auch über die nächste Landtagswahl hinaus halten könne.

Selbsteinschätzung: Grüne Partei der Bildungsbürger

Udo Engelhardt, dem Wahlkreiskandidaten n Singen, hätte 1,5 Prozent Stimmen mehr gebraucht, um ebenfalls in den Landtag einzuziehen. Er sagte, er habe die Wahl in Singen verloren. In einigen Bezirken habe er gerade einmal zwischen 10 und 15 Prozent der Stimmen erhalten. Wo die Lage sozial schwierig sei und Menschen in sozial prekären Verhältnissen leben, sei es schwierig. „Die Grüne sind die Partei für Bildungsbürger“, sagte Engelhardt. Allerdings habe auch die SPD nur 0,8 Prozent mehr als die Grünen erhalten.

Ziel  mehr Mitsprache und Gehörtwerden

Mitglieder des Kreisverbands und Gäste sprachen von einer anderen Diskussionskultur, einer anderen Kommunikation und Bürgerbeteiligung, die sie sich wünschen. Eine Teilnehmerin sagte, im Internet könne jeder jeden Tag mitreden. Das habe das Bewusstsein verändert. Ein anderer erklärte, dass es wichtig sei, dass die Grünen in Stuttgart den Kontakt zur Basis halten. In einigen Redebeiträgen ging um Bildungspolitik, um Gesundheitspolitik und Ethik. 60.000 Teilnehmer, unter ihnen Grüne aus dem Kreis Konstanz, waren am Wochenende vor der Wahl bei der Menschenkette von Neckarwestheim nach Stuttgart. Die Haltung der Partei zur Atompolitik ist eindeutig. In Steißlingen möchten zwei Mitglieder einen eigene Ortsgruppe gründen. Dominik Bernauer, der im Wahlkreisbüro von Siegfried Lehmann arbeitet, sagte, die Grünen seien mit einem direkt gewählten Abgeordneten noch mehr als bisher Ansprechpartner der Bürger und müssten präsent sein. Der Kreisverband, der aktuell knapp über 200 Mitglieder hat, brauche noch Verstärkung.

Foto: Bündnis 90/Die Grünen

 

3 Kommentare to “Grüne im Kreis Konstanz beklatschen ihren Wahlkreisabgeordneten”

  1. Lothar Herzog
    31. März 2011 at 12:10 #

    Ich schätze mal das wir in 2013 Neuwahlen haben.

  2. db
    31. März 2011 at 14:18 #

    Herr Lehmann hat zwar eins der besten Ergebnisse für die Grünen geholt, das landesweit beste holte allerdings wohl Muhterem Aras in Stuttgart I (http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Landtagswahl_2011/Gew.asp).

  3. wak
    31. März 2011 at 14:31 #

    @db Hab es korrigiert. Das viert beste Ergebnis, meinte ich. Auch Freiberufler sollten, wenn sie krank sind, besser Pause machen. ;)

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