Grüner Konstanzer Lehmann: Takeda kennt keine soziale Verantwortung

Hans-Peter Storz hält Unternehmensentscheidung für unanständig – Lehmann entrüstet über Ignoranz von Takeda

Konstanz. Mit Befremden haben die beiden Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Konstanz, Siegfried Lehmann (Grüne) und Hans-Peter Storz (SPD) die Entscheidung des Takeda Konzerns zur Kenntnis genommen. Der Konstanzer Grüne Landtagsabgeordente Siegfried Lehmann kritisiert die mangelnde soziale Verantwortung des Takeda Konzerns. Er sprach von „absoluter sozialer Verantwortungslosigkeit“. Der SPD-Landtagsabgeordnete und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hans-Peter Storz, aus Singen hat Takeda vorgeworfen, die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen sei „unanständig“.

Lehmann übt scharfe Kritik an Japanern

Die Ankündigung des japanischen Pharmakonzerns Takeda, am Standort Konstanz rund 700 Arbeitsplätze abzubauen, hat der Konstanzer Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann scharf kritisiert. Er sagte: „Takeda trägt die Verantwortung für den Standort Konstanz und für die hier arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“ Wirtschaftliche Interessen könnten das Vorgehen des Konzerns nach Ansicht Lehmanns nicht rechtfertigen. „Auch global agierenden Konzernriesen muss bewusst sein, dass der Ankauf von Firmenanteilen nicht nur mit Gewinnsteigerungen sondern auch mit sozialer Verantwortung einhergeht.“

Mitarbeiter haben zum Erfolg beigetragen

„Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pharmakonzerns Nycomed haben in den vergangenen Jahren wesentlich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Das Vorgehen des japanischen Pharmakonzerns Takeda, welcher nun in Konstanz 700 Arbeitsplätze abbauen möchte, ist scharf zu kritisieren und zeugt von absoluter sozialer Verantwortungslosigkeit“, kritisiert der Grüne Landtagsgeordnete Lehmann die Ankündigung des Konzerns, künftig in Konstanz lediglich noch 150 Mitarbeiter zu beschäftigen.

Konzern ignorierte Standortvorteile

„Konstanz bietet mit den beiden Hochschulen und der städtischen Infrastruktur wirklich hervorragende Rahmenbedingungen für dieses Unternehmen und seine Mitarbeiter. Dies hat sich allein in der Wertsteigerung des Unternehmens deutlich gezeigt. Es ist wirklich bedauerlich, dass diese Standortvorteile von Seiten der Konzernleitung nun vollkommen ignoriert werden.“, zeigt sich Siegfried Lehmann enttäuscht.

Kahlschlag schwerer Schlag für Region

Die Bekanntmachung von Takeda vom Mittwoch sieht Lehmann als schweren Schlag für die Region: „Dieser Kahlschlag am Standort Konstanz wird für die Stadt ebenso wie für die Beschäftigten nur schwer zu verkraften sein, nachdem sich die Region kaum vom letzten Arbeitsplatzabbau erholen konnte.“

Markt ohne soziale Regeln

Frustrierend ist für den Abgeordneten die Machtlosigkeit der Politik gegenüber „rein gewinnorientierten Strategien großer Wirtschaftsunternehmen“. „Bereits der Verkauf der damaligen Altanapharma an Nycomed und der damit verbundene Verlust von 800 Arbeitsplätzen hat gezeigt, dass die Politik machtlos mitansehen muss, wenn Kapitalinteressen kurzfristiges wirtschaftliches Handeln steuern und Anteilseigner ihrer sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung in keiner Weise nachkommen. Dass wir heute, gerade einmal fünf Jahre später, den nächsten Kahlschlag hinnehmen müssen, macht deutlich, dass der globale Markt hier offensichtlich keine sozialen Regeln mehr kennt.“

SPD-Abgeordneter Storz fassungslos

„Der Konzern schadet sich selbst“, urteile der Singener SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Peter Storz. Auch er zeigte sich entsetzt über Job-Vernichter bei Takeda. „Nicht das Kapital, sondern die Arbeitnehmer schaffen Werte. Es ist unanständig, wenn ein gut verdienendes Unternehmen massenhaft Arbeitsplätze vernichtet,“ erklärte der SPD-Landtagsabgeordnete zur Entscheidung des Takeda-Konzerns, in Konstanz rund 700 Arbeitsplätze zu streichen. „Forschung und Entwicklung sind die Basis unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Wer diese Abteilungen auflöst, schadet nicht nur den Mitarbeitern, sondern dem Unternehmen selbst.“ Die Sozialdemokraten unterstützten die Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft in ihrem Kampf für die Arbeitsplätze und in den Verhandlungen über einen Sozialplan, erklärte Storz, der wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion ist.

Ein Kommentar to “Grüner Konstanzer Lehmann: Takeda kennt keine soziale Verantwortung”

  1. Fafnir
    18. Januar 2012 at 15:56 #

    Willkommen in der Realität. Erst wird Unternehmen das Leben in Deutschland so schwer wie möglich gemacht, man setzt sich auf das hohe Ross der moralischen und ethischen Überlegenheit. Und dann wundert man sich, wenn die, die können, ihre Sachen packen und verschwinden. Takeda „soziale Verantwortungslosigkeit“ vorzuwerfen, ist linksgrüner Populismus. Daß linke und grüne Erhabenheit aber in letzter Konsequenz zu dem Stellenabbau geführt haben, will man trotzig nicht wahrhaben. Ein Land, in dem Unternehmergeist klein gehalten wird und in dem wichtige Vorhaben wegen Käfern oder Mäusen gestoppt werden und sich selber das Licht ausknipst und sich lieber bis zur Pleite selbst verschuldet, um soziale Wohltaten zu verteilen, braucht sich nicht wundern, wenn Firmen gehen. Und wenn Konstanz wirklich so ein toller Standort ist „Konstanz bietet mit den beiden Hochschulen und der städtischen Infrastruktur wirklich hervorragende Rahmenbedingungen“, dann frage ich mich, warum zum Beispiel Würth sich in Rorschach angesiedelt hat und als Grund den hervorragenden Standort angibt. Dann frage ich mich, warum das von Konstanzer Studenten gegründete und erfolgreiche Unternehmen Holidaycheck sich in Kreuzlingen niedergelassen hat. Die Unternehmensfeindlichkeit kann man hier direkt vor der Haustüre feststellen: Anstatt den Aral-Tankstellen-Pächter zu loben, daß er in ein Bistro investiert und mit einer guten Idee sein Geschäft am Laufen hält, wird ihm nur vorgeworfen, damit das Alkoholverbot zu umgehen. Hier wird Gastronomen vorgeschrieben, welche Form die Gartenschirme haben müssen, die Heizpilze werden verboten. Öffentlich wird unwidersprochen der „bösen“ Rüstungsindustrie am Bodensee der Kampf angesagt. Die Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen. Ein tolles Klima. Die Leute, die für so ein Umfeld verantwortlich sind, sollen sich mal an die eigene arrogante Nasen fassen, bevor sie nun Rabatz machen und auf Takeda schimpfen.

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