Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir zuerst über das Wetter. Selbst, wenn die Sonne heute hervor blinzelt, ist es frisch. Gelegentlich fragt das Handy: Haben Sie die Zeitzone gewechselt? Heute morgen müsste die Frage lauten: Haben Sie die Klimazone gewechselt?

Haben wir natürlich nicht, aber der Herbst hat am Wochenende den Sommer aus- und sich selbst eingewechselt. Hinweisen möchten wir außerdem auf einen Geburtstag, auf den uns unsere Lieblingszeitung aus München aufmerksam gemacht hat. Das Gesellschaftsspiel Monopoly ist demnach soeben 75 Jahre alt geworden. Erfunden hatte es möglicherweise 1930 ein arbeitsloser Amerikaner, der von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise betroffen war. Jener Charles Darrow hatte das Spiel 1933 urheberrechtlich schützen lassen und es 1935 an die Parker Brothers verkauft, die sich die Rechte am Brettspiel sichern ließen. Als Erfinderin gilt allerdings auch Elizabeth Magie Phillips, die das Spiel unter dem Namen The Landlord’s Game möglicherweise bereits 1904 erfunden hatte.

Ziel des Spiels ist es jedenfalls bis heute, ein Grundstücksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die Insolvenz zu treiben. Ähnlichkeiten mit der Banken- und Finanzkrise und Rekordverschuldungen wären rein zufällig. Wie die Münchner Zeitung darauf kommt, dass das Spiel ausgerechnet jetzt 75 geworden ist, bleibt uns aber heute Morgen schleierhaft. Dass es mittlerweile auch eine Online Version des Brettspiels gibt überrascht uns dagegen weniger.

Nicht vorenthalten möchten wir ihnen heute außerdem, dass das Magazin unserer Lieblingszeitung von einem „befremdlichen Siegeszug der bayerischen Tracht“ von der Wies’n bis an die Ostsee geschrieben hat, wobei auch Bodensee richtig gewesen wäre. Seit der Lektüre des Beitrags wissen wir übrigens auch, dass Dirndl und Lederhose ursprünglich noch nicht einmal etwas mit dem Münchner Oktoberfest zu tun hatten. Das Dirndl sei überhaupt erst Ende des 19. Jahrhunderts erfunden worden und war Arbeitskleidung für Mägde und Dienstmädchen. Die Verbindung zwischen Dirndl und Oktoberfest sei eine Erfindung des Münchner Stadtmarketings in den 60er Jahren, als sich München gerade um die Olympischen Spiele beworben habe. Das badische Konstanz erreichte der Dirndl Boom – zusammen mit dem Konstanzer Oktoberfest – erst Jahrzehnte später. Sagen wir es so: Eigentlich wären wir sowieso viel lieber aufs Suserfest gegangen, das dann aber leider ziemlich ins Wasser fiel. Der Zwiebelkuchen schmeckte trotzdem vorzüglich, auch wenn der Bäcker keine Lederhose trug.

Ansonsten dürfte uns in dieser Woche in Konstanz weiterhin die Frage nach einem besseren Verkehrskonzept beschäftigen. Der Gemeinderat stimmte zwar der Erweiterung des Lago Parkhauses zu. Offenbar rechnen Kommunalpolitiker und auch die Aktionsgemeinschaft „Das bessere Verkehrskonzept“aber mit Klagen. Nicht ganz verständlich ist es für Außenstehende übrigens, dass Gemeinderatsmitglieder, als es um die Abstimmung über die Parkhauserweiterung ging, beklagten, die Begegnungszone beim Bahnhof, die einen städtebaulichen Akzent setzen und zur Verkehrsberuhigung beitragen würde, komme erst einmal nicht. Ja, weshalb denn nicht, fragen wir. Wenn es der Gemeinderat wollte, würde der Umbau des Bahnhofsplatzes nicht um Jahre verschoben. Offenbar hat die Begegnungszone aber bei vielen Räten keine Priorität. Dann sollten sie es aber bitte auch so sagen und nicht so tun, als ob die Verzögerung Gott gegeben wäre. So wie es aussieht dürfte in diesem Herbst – nicht nur wegen der gemessenen Feinstaubwerte – noch ausführlicher über ein besseres Verkehrskonzept für Konstanz gesprochen werden.

Apropos Meinungsstreit und Landtagswahlkampf: In Überlingen musste Martin Hahn, Landtagskandidat von Bündnis 90/Die Grünen, am Wochenende noch einmal Federn lassen, nachdem er seinen Rückzug aus dem Gemeinderat im November angekündigt hatte. Die drei Landtagsabgeordneten Ulrich Müller (CDU), Norbert Zeller (SPD) und Hans-Peter Wetzel (FDP) sagten alle drei, dass der Rückzug Hahns längst überfällig gewesen sei, nachdem Oberbürgermeisterin Sabine Becker (CDU) und Martin Hahn seit fast einem Jahr ein Paar sind. Ob es Martin Hahn, der Stimmenkönig bei der Kommunalwahl im Juni vergangenen Jahres war, geschadet hat, dass er seinen Abschied so lange hinauszögert, dürfte sich erst bei der Auszählung der Stimmen bei der Landtagswahl am 27. März 2011 zeigen. Dann wird klar, ob die „gefühlte“ öffentliche Meinung und die veröffentlichte Meinung mit dem übereinstimmen, was die Wähler denken. Bis zum 27. März stehen Martin Hahn und Sabine Becker als öffentliche Personen im Wahlkreis Bodensee zudem auch weiterhin im Fokus. Die Mitbewerber Hahns beäugen die Nähe zwischen dem Landtagskandidaten und der Oberbürgermeisterin weiterhin äußerst kritisch.

Starten Sie gut in die neue Woche!

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