Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns ein Tag mit vielen Wolken. Auf den Indian Summer werden wir wohl noch warten müssen. Aber der Oktober hat ja zum Glück noch nicht einmal angefangen. Ansonsten möchten wir heute ein paar Sätze über werberelevante Zielgruppen, zwei unserer Lieblingsparteien und über das Web 2.0 verlieren.

Zuerst möchten wir Sie heute darauf hinweisen, dass die Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer, wenn es um Fernsehwerbung geht, nicht mehr das Maß aller Dinge ist. Das Konzept habe sich lange überholt, sagen längst Wissenschaftler. Zu Wort gemeldet hat sich in der Sache jetzt auch Thomas Gottschalk, der mittlerweile selbst 60 Jahre alt ist. Wir haben Gottschalk und die Privatsender verstanden: Die jungen Alten sind heute offenbar viel jugendlicher als es die älteren Alten vergangener Jahre gewesen sind, die damals vielleicht nicht mehr Kitesurfen oder Drachenfliegen wollten.

So gesehen erreichen Werbetreibende möglicherweise auch mit der guten alten Tageszeitung neuerdings doch noch ihre Zielgruppen, auch wenn die Leser schon ein bisschen älter sind als die, die sich zum Beispiel online informieren. Den Altersdurchschnitt der Leser des Schwäbischen Zeitung hat das Medienmagazin „Journalist“ zuletzt übrigens mit 59 Jahren angegeben. Vermutlich sind aber mehr Kitesurfer als strickende Omis unter ihnen.

Apropos älter. Die SPD hat sich im Internet neu aufgestellt und will auch auf anderen Plattformen, wie Twitter, Facebook und auf Politikblogs präsenter sein. Die Partei, so scheint es, ist im Web 2.0 angekommen.Wir wollten die neue Seite gleich einmal ausprobieren und den Praxistest machen. War nicht ganz so einfach. Wer einen Beitrag kommentieren will, muss zwar kein SPD-Mitglied sein, aber trotzdem erst einmal sehr viele Felder ausfüllen. Wer gar den Fehler macht, sich als SPD-Mitglied registrieren zu wollen und die Mitgliedsnummer nicht gleich zur Hand haben sollte, scheitert beim Anmeldeversuch.

Am vergangenen Wochenende wollte die Konstanzer SPD übrigens ein Straßenfest in der Kreuzlinger Straße veranstalten, das wegen Regens aber abgesagt worden ist. Sagen wir es einmal so, klasse wäre es, wenn der Konstanzer Ortsverein solche Nachrichten demnächst auch twittern würde. Immerhin hat es eine eigene Website zum Fest gegeben.

Ein bisschen gewundert haben wir uns übrigens über die Piratenpartei. Die NPD hatte die Liste aller Kandidaten für die Landtagswahl 2011 in Baden-Württemberg in ihren eigenen Auftritt eingebunden. Kurzzeitig erschienen die Namen aller Kandidaten der Piraten somit unter der Flagge der NPD. Offenbar versäumte es die Piratenpartei anschließend die NPD aufzufordern eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Die Piraten reagierten nur mit einer Pressemitteilung.

Die gestohlene Piratennamensliste ist zwar aus dem Web verschwunden, das Internet aber vergisst bekanntlich nichts. Wer gestern zum Beispiel den Namen von Stephan Hestermann, Landtagskandidat aus dem Bodenseekreis googelte, fand auf Position eins den Treffer: „NPD-Landesverband Baden-Württemberg | Die Stimme des Volkes muss wieder in den Landtag …. 67, Bodensee · Stephan Hestermann (…).“ Das ist Ruf schädigend. Stephan Hestermann hat wie alle anderen Kandidaten der Piratenpartei nichts mit der NPD zu tun. Da die Zeitungen landesweit nicht über den ungeheuerlichen Vorfall berichteten, ist der Sachverhalt aber außerhalb des Netzes nicht klar gestellt worden. Dafür verteilen wir an die Piratenpartei heute Morgen die Note sechs für unprofessionelles Verhalten.

Das Allerletzte: Wissenschaftler haben darauf hingewiesen, dass es im Internet auch Gruppen gibt, die sich mit bizarren Themen beschäftigen. Online treffen sich zum Beispiel auf Selbstverletzung spezialisierte Gemeinschaften wie Ritzer. Die Betreffenden verletzen sich mit Rasierklingen. Eine solche Störung breitet sich offenbar schneller aus, wenn sich die Betreffenden in Foren austauschen und ein Feedback bekommen. Psychologe warnten deswegen vor „sozialer Ansteckung“ im Netz. Das Phänomen gibt es allerdings auch außerhalb des Web. Wie sich Menschen fühlen, hängt auch von ihrer Umgebung ab. Im Netz sei die Ansteckungsgefahr allerdings besonders groß.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Waltraud Kässer

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