Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute starten wir wieder mit Schmuddelwetter. Mit ein bisschen Glück dürfen wir wenigstens auf einen sonnigen Nachmittag hoffen. Die Aussichten fürs Wochenende machen Hoffnung auf einen goldenen Oktober. Unsere Gedanken aber sind heute Morgen erst einmal bei den Verletzten in Stuttgart.

Unbeschwertes Plaudern ins Wochenende ist heute Morgen ausgeschlossen. Eigentlich wollten wir uns an dieser Stelle auf den letzten Gassenfreitag in der Konstanzer Niederburg freuen und berichten, dass Schwester Gaby am Samstag ab 21 Uhr in der Konstanzer „Seekuh“ spielt. Das haben wir Wils von Schwester Gaby versprochen.

Wir wollten gestern Nachmittag längst einen Beitrag über den Tag der offenen Moschee online gestellt haben und sind selbstverständlich auch im Fall Litscherweg in Überlingen weiter gekommen. Wir konnten uns aber nicht mehr auf diese Themen konzentrieren. Strophen aus Brechts Gedicht „An die Nachgeborenen“ schwirren uns durch den Kopf. „Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist. Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!“

Fast untergegangen ist gestern denn auch, dass André Uzulis nicht mehr Chefredakteur des „Südkurier“ ist. Nachfolger wird sein bisheriger Stellvertreter Stefan Lutz. Gestern Nachmittag haben wir spontan an der Wohnungstür von André Uzulis in Konstanz geklingelt. Wir hätten uns gern ein bisschen mit ihm unterhalten. Er war leider nicht zu Hause. In der „Seekuh“ trafen wir später einen Redakteur des „Südkurier“. Wir fragten ihn, wie es zur Trennung von André Uzulis kam. Kress.de berichtet, Geschäftsführer Rainer Wiesner und André Uzulis seien nicht miteinander zurecht gekommen. Der Redakteur hatte keine weiteren Infromationen.

Noch sind wir geschockt von den Bildern aus Stuttgart. Es sah nach Bürgerkrieg aus. Die Timeline bei Twitter lief gestern mit Kurznachrichten zum Thema S21 über. Die Mikroblogger informierten in Echtzeit. Webcams filmten die Eskalation der Gewalt. Sogar weit nach Mitternacht rissen die Tweets noch immer nicht ab. Wer Links anklickte, sah schockierende Bilder von Verletzten.

n-tv titelte „Alle Gewalt geht vom Staate aus“. Im Vorspann hieß es: „Blutige Augen, weinende Kinder, entsetzte Bürger. Die Regierung in Stuttgart macht Ernst und setzt auf Eskalation. Doch was wie ein politisches Selbstmordkommando aussieht, ist in Wirklichkeit eine Strategie.“

Im Internet schauten wir um halb zwei noch immer fluegel.tv.  Seit August 2010 gibt es das unabhängige Internet-Projekt. Medienschaffende haben es initiiert. Es ist nach dem Nordflügel des Stuttgarter Bahnhofs benannt. Das Internetfernsehen fluegel.tv lässt rund um die Uhr per Webcam Interessierte an den Ereignissen rund um den Nordflügel und im Schlosspark teilhaben. In der Nacht sind Bäume gefallen. fluegel.tv hat Live-Bilder gezeigt. Wir haben zwischendurch den Flattr Button angeklickt.

Die Brutalität macht uns auch am Tag danach fassungslos. Der 30. September 2010 hat sich in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Bis zur Landtagswahl sind es noch 176 Tage.

Kommen Sie gut durch den Freitag!

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