Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns wieder ein sonniger Spätsommertag. Wir sollten ihn genießen. Ein bisschen am See entlang laufen, vielleicht einen Zwetschgenkuchen auf der Terrasse essen und die Seele baumeln lassen.

Was sollen wir sagen. Das Outlet-Center in Wigoltingen soll 30 000 Quadratmeter groß werden. 120 Geschäfte werden dort neu eröffnen. Die deutschen Gemeinden sind nicht einspracheberechtigt, sagen die Thurgauer. Wir finden das durchaus verständlich.

Gestern haben wir uns auf einen Kaffee mit Franz-Josef Zeller vom Mathe Café getroffen. Er ist sehr nett, und er versucht seine Schüler im Nachhilfeunterricht für Mathematik zu begeistern. Prozent- und Zinsrechnung, Ebene Figuren, Potenzen und Wurzeln, lineare und quadratische Funktionen, Gleichungen und Trigonometrie treiben den etwas anderen Lehrer um. Dazu gibt’s Milchkaffee. Bei schönem Wetter hilft er Schülern auch schon einmal im Garten des Cafés „Zeitlos“ in Konstanz beim Pauken. In den Herbstferien startet er ein weiteres Experiment. Drei Tage Mathe intensiv bietet er voraussichtlich im Porta Negra in Petershausen an, wo außer Formeln wunderbar schaumiger Cappuccino die Schüler locken soll.

Wir selbst waren in Mathe eher ausreichend gut. Für ein Abi mit einer Eins vor dem Komma reichte es früher dank Abwahlmöglichkeiten in der Oberstufe trotzdem. Schule mutet heute irgendwie viel stressiger an. Während wir also mit Herrn Zeller bei einem Milchkaffee saßen, klingelte das Handy des Nachhilfelehrers. O, Mist, einer seiner Nachhilfeschüler war dran. Tiefe Sorgenfalten legten sich plötzlich aufs Gesicht des Nachhilfelehrers. Er sei wegen der Klassenarbeit am Morgen extra früh aufgestanden, sagte der Schüler. Er hatte ein schlechtes Bauchgefühl. Heute wollte der Schüler gleich nach Schulschluss um 17 Uhr trotz der mutmaßlich vermasselten Arbeit schon wieder zum Nachhilfeunterricht kommen, weshalb sich der Lehrer um die Work-Life-Balance des Realschülers sorgt.

Das Allerletzte: Offenbar ist es derzeit in der Politik – außer im Falle von Stuttgart 21 – sehr en Vogue, das Volk mitsprechen zu lassen. Morgen befasst sich der Haupt- und Finanzausschuss in Konstanz in öffentlichen Sitzung unter anderem mit einem SPD-Antrag zur Bürger-Beteiligung beim Aufstellen des Haushaltsplans der Stadt.  Besprochen werden in der Sitzung übrigens auch Sparvorschläge, die die Leser der gedruckten Tageszeitung einreichten. Hilfreich seien sie eher nicht gewesen, hieß es seitens der Stadt. Das Theater schließen will in Konstanz schließlich niemand.

In Überlingen steht heute bei der öffentlichen Gemeinderatssitzung um 17 Uhr im Anschluss an die Bürgerfragestunde ein Sachstandbericht zur Landesgartenschau auf der Tagesordnung. Ein bisschen irritiert sind wir allerdings, dass der Verein Bürgersinn, der sich gegen die Landesgartenschau 2020 in Überlingen ausspricht, keinen Bürgerentscheid möchte. Die Menschen selbst entscheiden zu lassen, wo sie Prioritäten setzen wollen, wäre zumindest sehr demokratisch und klug. Merke: Nur, wenn die Mehrheit der Bürger ein Großprojekt tatsächlich möchte und das Gefühl hat, mitreden zu dürfen, lässt es sich auch stemmen. Arroganz kommt aktuell weniger gut an. Das haben wenigstens wir aus Stuttgart 21 gelernt.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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