Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns zäher Hochnebel. Im Großen und Ganzen ist es mit dem Nebel in Konstanz wenigstens „gefühlt“ früher aber noch wesentlich schlimmer gewesen. Im dichten Nebel sahen wir kaum über die Straße und wähnten uns damals wie in einem der alten schwarzweißen Edgar Wallace Filme, in dem dicke Nebelschwaden am Ufer der Themse waberten.

Streng genommen wollten wir mit unserer kleinen Exkursion in die Kriminalliteratur vor allem den Schlenker zum aktuellen Quoten-Ranking der „Tatort“-Ermittler schaffen. Wen wundert’s? Unsere Lieblingsermittler Jan-Josef Liefers und Axel Prahl erreichten am vergangenen Sonntag die höchsten „Tatort“-Zuschauerzahl seit 13 Jahren. Wow. Die Münsteraner Ermittler Boerne und Thiel toppen somit derzeit alle anderen „Tatort“-Kommissare klar und selbstverständlich stehen sie auch in unserem ganz persönlichen Ranking weit oben. Auf Rang zwei folgt bei den Zuschauern ansonsten Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler.  Auf Platz drei landen Kölner Kommissare Ballauf und Schenk, die seit 13 Jahren ermitteln und gern mal eine Currywurst essen und ein Kölsch dazu trinken. Die SWR-Kommissare aus Konstanz, Klara Blum und Kai Perlmann, und die aus Stuttgart sind aktuell in etwa gleich beliebt und lassen, was ein bisschen überraschend ist, die SWR-Kult-Ermittler Odenthal und Kopper hinter sich. Auf dem letzten Platz findet sich der Hamburger Ermittler Batu. Wer es ganz  ausführlich möchte, könnte es im Medienmagazin Meedia nachlesen.

Berichten möchten wir an dieser Stelle auch noch über den realen Bodensee-„Tatort“ Apfelplantage. Das Drehbuch schrieb ein 88-Jähriger. Der Mann ist im realen Leben beim Diebstahl von frisch gepflückten Äpfeln ertappt worden. Das Verbrechen hatte der 88-Jährige übrigens bereits am Montagnachmittag in Lippertsreute verübt, beschaulichen Dorf im Linzgau, das ansonsten eher weniger als „Tatort“ Schlagzeilen macht. Der Überlinger Teilort Lipperstreute ist vor allem für das Kulinarische, für den Landgasthof Adler, bekannt, in dem Peter Vögele gern Gourmets bekocht, wobei auch Vögele sicher gelegentlich Bodenseeäpfel verarbeitet.

Doch zurück zum betagten Apfeldieb. Der Mann war mit seinem Auto, wie die Polizei berichtete, rückwärts an eine Obstkiste herangefahren, er stoppte und lud rund zehn Kilogramm Äpfel in den Kofferraum. Als der 52-jährige Apfelbauer den Dieb bemerkte und ansprach, setzte sich der 88-jährige in sein Auto und fuhr davon.  Obwohl sich der 52-Jährige noch schier heldenhaft vor das Fahrzeug des Diebes stellte und ihn aufzuhalten versuchte, setzte der 88-Jährige seine Fahrt fort und konnte mit dem Diebesgut entkommen.  Diese Szene muss einen Hauch von Roadmovie gehabt haben. Anhand des Autokennzeichens  gelang es der Polizei aber den mutmaßlichen Täter rasch zu ermitteln. Ob die Beamten möglicherweise beim Täter zu einem Stück frisch gebackenen Apfelkuchen eingeladen worden sind, wissen wir nicht.

Bei Tatort fällt uns ansonsten noch Stuttgart 21 ein. Schlichter Heiner Geißler will beim Streit ums Bahngroßprojekt jetzt offenbar eine „Bauunterbrechung“ erreichen. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte einen „Baustopp“ abgelehnt. Und die SPD möchte sowieso einen Volksentscheid. Der soll, wie wir aus dem Wahlkreisbüro des Konstanzer SPD-Abgeordneten und SPD-Generalsekretär Peter Friedrich erfahren haben, aber erst nach der Landtagswahl stattfinden. Schauen wir einmal, ob es solange eine „Bauunterbrechung“ gibt und wie die Mehrheitsverhältnisse dann sind. Die Debatte über die Nutzerfreundlichkeit des Konstanzer Bahnhofs, die sich schon Jahre lang hinzieht, erscheint dagegen momentan geradezu nichtig und klein.

Das Allerletzte: Wir selbst sind heute übrigens in anderer Mission unterwegs. Unser persönliches Reiseziel ist Basel. Angesichts der Umstände haben wir uns gegen die Bahn und fürs Auto entschieden. Als Reiseproviant nehmen wir einen rotbackigen Apfel vom Bodensee mit und ins CD-Fach werfen könnten wir einen SWR-Hörspiel „Tatort“. Allen anderen, die heute vielleicht auch verreisen, wünschen wir Bon Voyage!

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. @ Apfelklau
    13. Oktober 2010 at 08:14 #

    Nicht nur der 52-jährige Apfelbauer ist ein Held, sondern auch der 88-jährige Dieb, der 10 Kilo klauen konnte, und demnach sehr rüstig und fit sein muss.

    Beim Südkurier-Artikel über den KNer Baumschutz ist soeben das Thema eingefallen, dass es fast unmöglich ist, seinen Garten dem Älterwerden (und der Gebrechlichkeit) anzupassen.
    KN dürfte nicht nur eine Stadt mit den höchsten Mieten sein, sondern auch entsprechenden Kriminalitätsraten: Tatort KN – auch ohne Jugend immer aktuell.

    Normalerweise sollte der Markt zu hohe Mietpreise regulieren, indem die erhöhte Nachfrage eine Angebots-Erhöhung nach sich zieht. Ist der extreme Naturschutz ein Standort-Nachteil?

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