Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Den Tag beginnen möchten wir mit einer Erzählung Von Menschen und Mäusen. Natürlich erreichen wir hierbei nicht das erzählerische Niveau des US-amerikanischen Schriftstellers John Steinbeck. Aber darüber sehen wir erst einmal hinweg.

Fangen wir mit Menschen an. „Konstanzer Theatertalk“ – so heißt eine neue Reihe des Theaters Konstanz. In dieser Spielzeit soll der Talk eher Fightclub als bloße Talkshow sein. Der Titel lautet – wie fast bei allem in dieser Spielzeit – „Ladies and Gentlemen, kämpfen wir noch?“ Ist halt das aktuelle Spielzeitmotto. Meinhard Schmidt-Degenhard möchte schillernde und prominente Gäste zum (Streit-)Gespräch über den aktuellen Stand der Auseinandersetzung der Geschlechter auf die Bühne des Stadttheaters bitten. Zugesagt haben nach Informationen des Theaters bereits so bekannte Persönlichkeiten wie Alfred Grosser, Susanne Fröhlich, Henning Scherf, Christina von Braun, Gaby Hauptmann und Roger Willemsen. Näheres möchten Meinhard Schmidt-Degenhard, Intendant Christoph Nix und Dramaturgin Sophia Lungwitz in der kommenden Woche mitteilen.

Die Friedrich Ebert Stiftung hat eine Studie veröffentlicht, die über die Geisteshaltung der Deutschen Auskunft gibt. Demnach sollen rechtsradikale Inhalte die Mitte der Gesellschaft erreicht haben. Auseinander klaffen allerdings die Einstellungen und die Wahlerfolge der NPD. In Stuttgart wiederum hält sich die Mitte der Gesellschaft mittlerweile im Schlosspark auf, befindet sich Kampf gegen Stuttgart 21 und wählt voraussichtlich grün. Auch in der Mitte der Gesellschaft gibt es inzwischen prekäre Lebensverhältnisse. Wer die Mitte vernachlässigt, gefährdet den Zusammenhalt der Gesellschaft. Sieht so aus, also ob bei uns so einiges auseinanderläuft.

Der Konstanzer Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Siegfried Lehmann, sagte gestern Abend bei der Kreisversammlung der Grünen, die Grünen wollten ihren Landtagswahlkampf über Inhalte führen und nicht von Koalitionen sprechen. Mit Blick auf Stuttgart 21 und die hohen Umfragewerte für die Grünen erklärte er, die Grünen wüssten nicht, wo die Wähler bis zur Landtagswahl noch hingehen. Darüber spekulieren wolle er nicht. Auch Lehmann und die Landtagsfraktion wünschen sich einen Volksentscheid über Stuttgart 21 – am besten noch vor und im zweitbesten Fall nach der Landtagswahl am 27. März 2011. Abgestimmt haben die Grünen im Kreis Konstanz gestern auch über ihr Wahlkampfbudget. Es soll bei 19.000 Euro liegen. Außerdem gibt es die Option, es um weitere 3000 Euro zu erhöhen. Allein etwa 10.000 Euro kostet voraussichtlich die flächendeckende Verteilung von Flyern.

Womit wir bei den Mäusen wären. Gestern haben wir in einem Interview gelesen, dass Christian Unger, Chef der Ringier AG aus Zürich, von der auch der „Blick“kommt, sagte, die Gratiskultur im Netz könne man nicht zurückdrehen. In einem Gemeinschaftsunternehmen von Ringnier und der Axel Springer AG bringen es die Deutschen und Schweizer zusammen auf 100 Printtitel und 70 Onlineangebote. Die Inhalte im Netz seien dazu da, Traffic, also Verkehr von Nutzern zu generieren, so dass mit Anzeigen Geld verdient werden könne.

Apropos Mäuse. Mit Letzerem tun wir uns schwer, obwohl es die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass sich mit lokalen und exklusiven Onlineangeboten noch am ehesten Geld im Netz verdienen lasse. Auch wir kämpfen täglich um Kunden. Dieser Kampf steht im Widerspruch zum positiven Feedback. Noch immer entscheiden in vielen Firmen offenbar Marketingleute, die den Kiosk Google im Netz noch nicht entdeckt haben und die gar nicht wissen, dass Jüngere keine gedruckten Zeitungen mehr lesen. Hoffentlich dauert es nicht mehr allzu lang, bis sich bei den Werbenden endlich etwas dreht. Sonst gibt es eines Tages nämlich keinen Lokaljournalismus mehr. Bei der Kreisversammlung der Grünen waren gestern Abend übrigens drei Medien, die berichten werden: Die Tageszeitung und zwei Onlineportale.

Das Allerletzte: Neulich haben wir uns im Zusammenhang mit dem nahenden Winter schon den Zugvögeln kurz gewidmet. Gestern haben wir nun erfahren, dass die Studenten WG in unserem Haus in der Konstanzer Altstadt mit Mäusen zu kämpfen hat. In den vergangenen Jahren zogen sich die Nager immer erst im harten Winter in geheizte Wohnungen mit ausreichendem Futtervorrat wie Keksen oder Nudelpackungen zurück. Eine langfristige Wetterprognose möchten wir aber nicht machen – Mäuse und Medienmenschen sind schließlich keine Meteorologen.

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

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