Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns laut Meteo ein recht sonniger Tag, den wir genauso wie den Samstag genießen sollten, bevor uns am Sonntag dann eine Regenfront erreicht. Möglicherweise wäre es ratsam, am Wochenende die Kübel mit den verwöhnten Topfpflanzen von der Terrasse zu holen. Dem Oleander gefällt es allerdings erfahrungsgemäß auch bei kühleren Temperaturen draußen noch immer besser als im dunklen Treppenhaus. Für alle, die keine Terrasse haben: Unsere weiteren Themen heute Morgen wären Tiere auf dem Theater und das Finanzamt.

Sie finden sowieso, dass wir heute Morgen wieder einmal viel zu viel übers Wetter und Pflanzen reden? Das meinen wir nun nicht, und irgendwie müssen wir ja die Kurve zur Wildsaison kriegen. Sie wissen schon: Rehe, Hrische und Ragout. In Südschweden sind dieser Tage, wie wir vernommen haben, Zehntausende Elche getötet worden. Sie sollen demnächst angeblich als Fleischklöschen von hungrigen Möbel shoppenden Familien in Deutschland verspeist werden.

Widmen wir uns, wenn wir nun sowieso schon beim Schlachten sind, gleich noch einem anderen tierischen Thema. Wir erinnern uns an die Karpfen, die bei Büchners Klassiker „Woyzeck“ als Nebendarsteller in einem Aquarium auf der Bühne  des Konstanzer Stadttheaters mit schwimmen und die das Veterinäramt auf den Plan riefen. Es war ein bisschen wie ein Sturm im Wasserglas. Die Fische leben noch und weitere Aufführungen mit den Karpfen sind geplant. Soweit wir wissen geht es ihnen auch recht gut und sie fühlen sich so lebendig wie sich Fische im Wasser nur fühlen können. So lautete zumindest gestern die Auskunft des Konstanzer Stadttheaters.

In München nun musste das Veterinäramt ebenfalls einschreiten und an der bayerischen Staatsoper tätig werden. Dort liegt der Fall aber etwas anders und es geht um Rehe. Dieses Thema ist natürlich auf der nach oben offenen Erregungsskala noch emotionaler als der Fall der Konstanzer Karpfen. Wir fragen nur: Who killed Bambi? Und tatsächlich ging es in München ums Meucheln von Rehen. Dort wurde für die Inszenierung der Dvorak-Oper „Rusalka“ ein Rehkadaver gebraucht, der auf der Bühne zu Schau gestellt werden sollte. Im Münchner Fall mussten sich die Amtstierärzte nicht mehr mit der Frage auseinandersetzen, ob die Tiere auf der Bühne Schmerzen erleiden oder Stress erfahren.

Allerdings sorgte sich das Veterinäramt um die Verbraucher und verfügte, dass Bambi nach seinem Auftritt in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt landen sollte. Zum Verzehr sei es nicht mehr geeignet. Tierschützer gingen trotzdem auf die Barrikaden. Mittlerweile ist wohl entschieden, dass auf der Bühne nur noch eine Attrappe statt eines toten Rehs zu sehen sein soll.

Dem Finanzamt möchten wir in unserer Kolumne und in unserem Leben nicht allzu viel Raum geben. Ein bisschen überrascht sind wir freilich, dass das Finanzamt nicht ohne weiteres eine Rechnung einer Informatikdienstleistungsfirma, die den Internetauftritt von see-online erstellte, als Betriebsausgabe anerkennen wollte. Was sollen wir uns dabei nur denken? Liebes Finanzamt, auch kostenloser Content kostet, wenn er produziert wird, Geld und Websites wachsen nicht wie Äpfel auf den Bäumen. Aber wir sind ja alle nur Menschen und Rückfragen beantworte wir immer gern – wir haben ja sonst nicht so viel zu tun.

Das Allerletzte für diese Woche: Mutig, richtig und beeindruckend finden wir die Idee der britischen Regierung, eine halbe Million Jobs im öffentlichen Dienst zu streichen. Wir fühlen uns sowieso längst komplett überverwaltet. Und nichts wird besser: Die Bürokratie verwaltet uns noch zu Tode. So steigt zum Beispiel die Bearbeitungszeit für einen neuen Personalausweis von bisher sechs bis acht Minuten auf über 20 Minuten, wenn wir es richtig verstanden haben. Und damit wir’s nicht vergessen: Die Hausverwaltung findet, dass wir 2008 exakt 43,13 Euro (Betriebskostenabrechnung) zu wenig bezahlt hätten. So ein Quatsch! Wozu gibt es Daueraufträge? Sollen wir jetzt etwa im Oktober 2010 noch einmal alle Belege von 2008 heraussuchen, die entweder noch beim Steuerberater oder schon im Keller liegen? Wahrscheinlich geht es schneller, bei jemandem, der sich mit so was auskennt, nachzufragen, ob das nicht längst verjährt ist oder den Betrag zu überweisen. Dazu haben wir aber auch keine Lust.

Kommen Sie gut durch den Freitag und ein schönes Wochenende!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Gartenfreund
    22. Oktober 2010 at 10:17 #

    @ Für alle, die keine Terrasse haben: …

    Der Vorzug des Vorstadtlebens dürfte ein kleiner Garten sein. Bei Ihrem Artikel über die Überlinger Gartenschau dachte ich nur, dass das Wichtigste bei Blumen und Sträuchern unsichtbar unter der Erde liegt: die Wurzeln.
    Es war gestern eine richtige Entdeckungsreise, 2 Rhododendron- und 1 Rosenstrauch auszugraben, was verblüffend einfach war. Rundherum ca. 20 cm ausgraben und am starken „Stamm“ kräftig ziehen; schon kann man den Strauch wegtragen und woanders neu einpflanzen. Ob das heute beim mind. 2m hohen Flieder-Strauch auch so einfach geht?
    Ein Grund für Neid gegenüber Terrassenbesitzer kommt nicht auf: es ist zu trivial, Töpfe für eine visuelle Abwechslung durch die Gegend zu schieben; für eine Landesgartenschau aber sicher eine Innovation.

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    @ als Betriebsausgabe anerkennen …

    Das Finanzamt kennt den Begriff „Liebhaberei“ als „fehlender Gewinnerzielungs-Absicht“ und ordnet die Tätigkeit als „privates Hobby“ ein, damit Verluste nicht mit anderen Einkünften verrechnet werden können.
    Ein Bekannter hat vor einigen Tagen vom Fall erzählt, dass sein vermietender Bekannter jährlich im Oktober an seinen Häusern Ersatz-Investitionen (Renovation) in Abstimmung seines Budgets vornimmt. Entweder es handelt sich um eine ausgewogene Steuergestaltung oder er möchte als sozialer Mensch vermeiden, vom Finanzamt als „Liebhaber“ darzustehen; Behörden können ganz unerotisch sein, wenn es ums Geld geht.

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