Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Vor uns steht eine Tasse mit dampfend heißem Kaffee. Zuerst müssen wir uns heute Morgen noch den Schlaf aus den Augen reiben und das Netbook ans Netz hängen. Hinter uns liegt ein langer spannender Arbeitstag, der streng genommen sogar erst mitten in der Nacht endete. Aber keine Sorge: Wir sind trotzdem gut aufgestellt.

Heute Morgen möchten wir Sie mit einem Sammelsurium von Nachrichten sozusagen varietéartig in den letzten Arbeitstag dieser Woche und ins Wochenende verabschieden. Wer regelmäßig bei uns vorbei schaut, weiß: Wer Online-Journalismus betreibt, kann davon nicht unbedingt sofort leben. Es geht dabei, wie wir erfahren haben, nicht nur um die Butter und die Marmelade aufs Frühstücksbrötchen, sondern um das Frühstücksbrötchen ansich. Deswegen, und weil es Spaß macht, zwischendurch auch noch etwas ganz anderes zu sehen, freuen wir uns selbstverständlich über nette PR-Aufträge und sind nicht abgeneigt, zum Beispiel Roger Federer zuzuschauen und über ein Event für eine gedruckte Zeitung zu berichten. Gestern weilten wir zum Beispiel beim Davidoff Swiss Indoors in Basel.

Trotzdem möchten wir außer auf Tennis noch einmal auf den Online-Journalismus, genauer auf Rupert Murdochs „Times“ und seine „Paywall“ zu sprechen kommen. Wenn wir es richtig verstanden haben, ist unsere Lieblingszeitung aus München der Meinung, nun „pauschal“ feststellen zu können, dass es durchaus möglich sei, in „digitalem Umfeld“ Nachrichten gegen Geld zu verkaufen. Wir lasen Worte wie „ermutigend“. Auch Jeff Jarvis hielt es zum Beispiel mit lokalen Nachrichten für möglich. John Murdoch, der Sohn des Zeitungsmoguls Rupert, sagte, die Zahlen stärkten seinen Glauben,wonach Journalismus kostbar sei und die Menschen grundsätzlich bereit seien, dafür zu bezahlen.

Wir selbst haben nach einem strapaziösen Jahr, in dem wir lokale Nachrichten kostenlos angeboten haben, und einigen entmutigenden Diskussionen mit Leuten, die glauben, sie bräuchten gar keinen Journalismus, den Glauben gerade ein bisschen verloren. Dass alles, was wichtig ist in Blogs oder bei Twitter zu lesen ist, glauben wir nicht. Wir brauchen vielleicht einfach noch ein bisschen Geduld. Apropops wichtig: Wer einen Tag lang die britische „Times“ lesen will, zahlt umgerechnet etwa einen Euro. Der Blick auf unser Flattr Konto dagegen treibt uns keine Freudentränen ins Gesicht. Wir freuen uns natürlich über Flattrpunkte trotzdem, auch wenn es sich nicht einmal um Centbeträge handelt, die wir so pro Artikel einnehmen. Flattr Punkte sind ein riesen Lob der Leser, und Applaus ist unverzichtbar. Mit freiwilligen Bezahlsystemen lässt sich Journalismus aber nicht finanzieren.

Weil wir aber ein bisschen Varieté versprochen haben, möchten wir nun zu unserem kaleidoskopartigen Nachrichtenüberblick übergehen. Lassen Sie uns auf die zu Ende gehende Woche zurückschauen und vom Bodensee in die weite Welt hinausblicken. Fangen wir im Hegau an: Dass die Montan Chemie GmbH trotz massiven Widerstands in Singen weiterhin eine Anlage zum Aufbereiten von Giftmüll bauen will, finden wir berichtenswert. Bei der Nachricht, dass der Konstanzer Einzelhändler Jürgen Bauer darüber nachdenkt, ob er möglicherweise wieder einen Edeka-Frischemarkt im ehemaligen Woolworthgebäude eröffnen möchte und wo gegebenenfalls der Eingang zum Lebensmittelmarkt im Untergrund sein könnte, haben wir so unsere Zweifel. Ist das wirklich eine Nachricht? Bis wir im Frischemarkt vielleicht wieder einen Tetrapack Milch oder Zitronen kaufen könnten, werden noch sehr viele Kühe gemolken.

Ähnlich geht es uns mit dem Lamentieren über den Ausfall des Überlinger Weihnachtsmarktes. Dem Vernehmen nach ist der nicht stattfindende Weihnachtsmarkt Thema Nummer eins beim verkaufsoffenen Sonntag am vergangenen Wochenende gewesen. Die Überlinger sind enttäuscht und ärgern sich über ihre Oberbürgermeisterin. Wir haben Mails erhalten, in denen Worte und Anwürfe stehen, die wir lieber nicht öffentlich wiedergeben und wiederholen möchten. Wir empfehlen als Alternative entweder den Christkindlesmarkt in Friedrichshafen oder den Weihnachtsmarkt am See in Konstanz.

Weil wir unsere Varietébesucher unbedingt auch zum Schmunzeln bringen wollen, möchten wir ansonsten noch mitteilen, dass Prostituierte, die auf den Straßenstrich gehen, in einer spanischen Stadt nun Warnwesten tragen müssen. Es gehe um die Verkehrssicherheit. Die beste Comedy erfindet das Leben selbst.

Apropos Verkehr. Die Hinweise verdichten sich, dass sich Jugendliche immer weniger für Autos interessieren. Die Zahl der jungen Führerscheinbesitzer in den USA ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um ein Drittel weniger geworden, sagen Statistiken. Am schlechten Zustand der Straßen oder teurem Benzin liegt es nicht. Smartphones, Computer und soziale Netzwerke sind den Jugendlichen einfach wichtiger. In den 80er Jahren, als Markus noch laut aus den Boxen des  Autoradios trötete, „Ich brauch Spaß“ und Fuchsschwänze an Manta-Antennen flatterten, wäre das wahrlich undenkbar gewesen.

So, jetzt ist der Kaffee blöderweise kalt und der Laubbläser lärmt in den Gassen. Zeit, endlich einen Text zu schreiben, mit dem wir sofort nach Rechnungsstellung Geld verdienen können. Apropos Laub und Herbst: Vielleicht sollten wir den Tag heute noch einmal nutzen, nach draußen und zum Laufen zu gehen, bevor der November am Wochenende voraussichtlich anfängt, ungemütlich zu werden.

Kommen Sie gut durch den Freitag!

Wir freuen uns über Ihren Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.