Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen haben wir uns sehr lange überlegt, wie wir Sie für diesen grauen, regnerischen Novembertag begeistern könnten. Wir haben also nachgedacht und werden kurz über einen netten Freund aus Übersee sprechen, über die Konstanzer Imperia und einen weißen Elefanten.

Schon gestern erreichte uns eine Mail vom anderen Ufer des Bodensees. Der Versender schrieb, er würde sich am liebsten einen kuscheligen Laubhaufen suchen und sich dann im Frühjahr wieder melden. Das wäre zwar verständlich, aber schade, weil es viel netter wäre, wenn wir uns zum Beispiel am kommenden Wochenende und somit noch vor dem nächsten Frühjahr treffen könnten.

Überhaupt scheint das Bedürfnis nach Wärme und Kuscheln, ob im Laubhaufen oder auch mit Tieren oder mit netten Menschen in diesen tristen, grauen Tagen besonders groß zu sein. Wir selbst kuscheln selbstverständlich an grauen, dunklen Tagen auch sehr gern. Wer nun unglücklicherweise heute aber keinen Laubhaufen oder lieben Freund zur Hand haben sollte, könnte im folgenden Absatz zur Not ein bisschen mit Horst Frank kuscheln.

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ widmete vier grünen Bürgermeistern einen größeren Beitrag. Einer der vier grünen Oberbürgermeister, die die Republik zu bieten hat, war  – raten Sie mal – der Konstanzer OB Horst Frank. Wir haben via „Zeit“ also zum Beispiel erfahren, das Red Bull ein Stück des Konstanzer Hafen kaufen wollte. Horst Frank sagte, er habe abgewunken. Toll, sagen wir.

Allerdings hat der Niedergang des Journalismus mittlerweile selbst  „Die Zeit“ mitgerissen, und Beiträge werden mit heißer Nadel gestrickt.  So durften wir lesen, dass unser schönes Konstanz wegen seiner Nähe zur Schweiz im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert worden sei. Wörtlich hieß es: „und so ist alles noch da, das Römerkastell, die stolze Imperia-Statue am Hafen, die Jugendstilbauten“. Wow, sagen wir, die stolze Imperia in einem Atemzug mit dem Römerkastell genannt, das ist schon was. Sagen wir es vorsichtig einmal  so: Im 15. Jahrhundert zogen zwar Pizzabäcker mit rollenden Öfen über die Alpen und Konzilbesucher vergnügten sich in Gärten der Lüste, aber einer Hure setzen die Konstanzer erst im ausgehenden 20. Jahrhundert ein Denkmal an ihrer Hafeneinfahrt. Das möchten wir dann doch richtigstellen.

Da wir nun schon einmal bei Alpenüberquerungen angekommen sind, könnten wir auch ohne weitere Umwege und Vorreden auf unseren weißen Elefanten zu sprechen kommen. Unsere Worte müssen wir nun allerdings mit Bedacht wählen, da wir niemandem zu nahe treten möchten.

Weiße Elefanten sind, wie wir ja wissen, Ausnahmeerscheinungen.

Säßen nun also bei einer Podiumsdiskussion vier Landtagskandidaten von CDU, FDP, SPD und Grünen, also graue Elefanten, auf einem Podium – und daneben säße ein weißer Elefant. Wen würden Sie wohl anstarren? Und über wen würden sie schreiben, wenn Sie zum Beispiel Journalistin wären? Sagen Sie jetzt bitte bloß nicht über die vier grauen Elefanten, über Andreas Hoffmann (CDU), Siegfried Lehmann (Grüne), Zahide Sarikas (SPD) und Tatjana Wolf (FDP).

Wir jedenfalls schreiben lieber über weiße Elefanten, um es präzise zu sagen, wir schreiben sehr gern über eine weiße Elefantin, um es ganz genau zu sagen, über die Kandidatin der Piratenpartei. Ein bisschen wundert es uns, dass andere wie zum Beispiel die Bückleinkunsttalkshow am 28. Januar „nur“ die grauen Elefanten Andreas Hoffmann (CDU), Siegfried Lehmann (Grüne), Zahide Sarikas (SPD) und Tatjana Wolf (FDP) zum Talk eingeladen hat und nicht die weiße Elefantin. Nun ja, vielleicht finden wir es ja im Januar auch langweilig, dauernd über die weiße Elefantin zu schreiben.

Ansonsten sind wir natürlich sehr gespannt, wie es andere Veranstalter auf ihren Podien so handhaben werden mit den grauen Elefanten, der weißen Elefantin und einem roten Elefanten, den es ja auch noch gebe.

Sollten wir uns heute Morgen mit unseren Vergleichen doch ein bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, müssten wir im schlimmsten Fall wohl damit leben, dass uns der eine oder andere graue Elefant oder die weiße Elefantin mit unserem Portal bis zum nächsten Frühjahr in einen Laubhaufen wünscht. Dann hätte es sich leider zumindest für heute Morgen ausgekuschelt.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Tobias Bücklein
    16. November 2010 at 16:07 #

    Toll, liebes See-Online, was Sie schon alles wissen. Respekt vor Ihren Informanten :-)

    Da es in der bückleinkunstalkshow normalerweise mit zwei Gästen eher unpolitisch aber dafür recht bunt zugeht, habe ich mir dieses Mal die grauen Elefanten ausgesucht, damit die endlich auch mal Farbe bekennen müssen.

    Die sitzen auch nicht nebeneinander auf dem Podium sondern einzeln. Vielleicht müssen Sie auch Kunststücke machen. Und sie dürfen nicht über Wahlprogramme sprechen – schon gar nicht mit- oder gegeneinander. Bei zwei Stunden mit vier Menschen ist das schon recht schwierig, denn ich habe gern auch mal ein wenig mehr Zeit zum Reden und Musik machen. Deshalb habe ich mich notgedrungen an die Fünf-Prozent-Hürde gehalten. Das ist wohl legitim.

    Ob die weiße Elefantin und der rote Elefant allerdings tatsächlich keine Rolle spielen werden? Wer weiß das schon im Voraus so genau. Nicht einmal See-Online.

    Also, bis am 28. Januar um 20.00 Uhr im Quartierszentrum…

    Ihr

    Tobias Bücklein

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