Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Mit Schnee, Regen, rutschig und nass fängt die Woche an. „Wetten, dass…?“, Wikileaks und die „100-Dialoge-Tour“ der SPD. Womit sollen wir heute Morgen beginnen? Vielleicht damit, noch schnell den Stiefel vor die Türe zu stellen…

Fangen wir aber bei „Wetten, dass…?“ an, bei der Sendung, die am Samstagabend offenbar noch immer viele schauen. „Ein ekelhaftes Gefühl“, so soll Samuel K. seinen Stunt vor der Live-Show, bei der er verunglückte, über seinen Stunt geredet haben. Thomas Gottschalk brach die Sendung nach dem schweren Unfall ab. Das gab es in drei Jahrzehnten „Wetten, dass…?“ noch nie.

Makaber: Das Magazin „Meedia“ berichtet am Sonntag, der Sturz des Kandidaten bescherte dem ZDF Rekordzuschauerzahlen am Samstagabend: Als Gottschalks die Sendung absagte und später im „heute journal“ über den Gesundheitszustand von Samuel K. Informierte, schauten laut Meedia 9,5 Millionen Menschen zu.

Noch beunruhigender und genauso makaber: Wir hätten wahrscheinlich auch geschaut, hätten wir die Tweets gesehen und wären zu Hause gewesen. Da wir aber nicht daheim waren, haben wir voyeuristisch die News auf dem Handy gelesen und am Sonntag noch das Video auf YouTube angeschaut, in dem zu sehen ist, wie Gottschalk die Show abbrach.

Der erste Cyber-Krieg tobt. Die Piratenpartei hat Wikileaks so zu sagen unter den Rettungsschirm geholt. Wer Geheimnisse „ausflüstert“ darf, so sieht es aus, auf den organgefarbenen Schirm hoffen. „Whistleblower-Schutz“ haben die Piraten in ihrem Parteiprogramm stehen.

Top-Spione, John le Carré und Mata Hari und wir selbst erblassen ob der Naxchrichten. Am Sonntag haben wir gelesen, Julian Assange habe seine Daten in einem der sichersten Datentresore der Welt, in einer Felsenhöhle 30 Meter unter der Erde in den Weißen Berge in Schweden versteckt. Der frühere Bunker der schwedischen Armee stamme aus der Ära des Kalten Kriegs und könnte im Ernstfall sogar Nuklearangriffe überstehen. Raketen werden im Cyber-Krieg wohl eher nicht abgeschossen, die Waffen sind andere. Der Thriller ist spannender als ein James Bond.

Da wir gerade schon einmal bei Politik sind. Am Samstagabend haben wir bei einem Fest auch mit der Konstanzer SPD-Landtagskandidatin Zahide Sarikas geplaudert. Ja, auch wir finden es skandalös, dass Bewerber mit einem türkischen Namen schlechtere Chancen haben zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, als Bewerber mit einem deutschen. So wie es aussieht verabschieden sich in Deutschland gut ausgebildete Akademiker deswegen notgedrungen ins Ausland.

Türkischunterricht an Gymansien vermag Zahide Sarikas nur ein müdes Lächeln entlocken. Sie sagte: „Wenn zehn Konstanzer Gymnasiasten Türkisch in der Schule lernen können, führt dies nicht zu besserer Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.“ Eines der Hauptprobleme der Schulen in Baden-Württemberg läge darin, dass der Bildungserfolg stärker als anderswo von der sozialen Herkunft abhänge. An Gymnasien Türkisch als zweite Fremdsprache nach Englisch anzubieten, gehe an den eigentlichen Problemen der Bildungspolitik vorbei. „Kinder mit türkischer Abstammung müssen es erst einmal auf das Gymnasium schaffen. Entscheidend sei da, was in der Kita passiere, sagt die SPD-Politikerin.

Zahide Sarikas hat Recht und in der Sache auch einen sehr prominenten Mitstreiter: Nämlich Bernhard Bueb, früherer Leiter der Schule Schloss Salem und FDP-Mitglied. Der anerkannte Pädagoge sagt in etwa dasselbe wie die türkischstämmige Kandidatin, wenn er wie zum Beispiel im Sommer beim Greenbeach-Festival in Überlingen über die Bedeutung frühkindlicher Bildung spricht.

Ach ja, das Fest war eine Multikulti-Hochzeit: Grob gesagt, Deutscher heiratet Russin und das Essen war türkisch. Genauso gefällt es uns.

Und so wie es aussieht, möchten auch immer mehr Menschen mitreden, wenn es um Politik geht. Die „100-Dialoge-Tour“ der SPD ist eine neue Veranstaltungsform und macht Lust, sich einzubringen. Wenigstens war es so, als es am vergangenen Freitag um moderne Demokratie ging.

Vielleicht wird die Welt doch noch einmal ein bisschen besser.

Kommen Sie gut in den Montag und rutschen Sie nicht aus!

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