Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen möchten wir Sie auf eine neue Enthüllungsplattform aufmerksam machen, über offenbar gängige Honorare für Journalisten sprechen, also selbst ein bisschen enthüllen, und uns noch einmal dem Thema Hund und Weihnachten widmen.

In dieser Woche starten ehemalige Wikileaks-Mitarbeiter mit Openleaks eine eigene Enthüllungsplattform. Wir fühlen uns den Gründern eng verbunden. Wie so viele im Internet wissen auch sie nicht, ob sie je Geld mit ihrem Projekt verdienen werden.

Neulich haben wir zufällig eine Liste mit Honoraren in die Hände bekommen, die in Konstanz offenbar von einem Verlag an Freie Redakteure bezahlt werden, die für ein Printprodukt schreiben: „Vergütung“ steht da zwar zu lesen, das ist aber, wie wir meinen, reine Beschönigung. Denn weiter nehmen wir zur Kenntnis: Ausgebildete Redakteure sollen für einen Beitrag pro Zeichen 0,020 Euro bekommen. Das Foto wäre bei dieser generösen Bezahlung selbstverständlich schon inklusive und würde nicht gesondert honoriert. Ansonsten dürfte laut Übersicht einem ausgebildeten Redakteur pro Foto ganze 15 Euro Honorar überwiesen werden. Der Recherche-Lohn für aufwändigere Beiträge liegt laut Tabelle bei 7,50 Euro pro Stunde.

Wir finden, damit wäre für heute Morgen bereits alles gesagt, was es zum Thema Qualitätsjournalismus zu sagen gibt. Noch Fragen? Also vielleicht, wie viel die Freiberufler nach Abzug von Steuern, Krankenversicherung und Betriebskosten tatsächlich noch in der Tasche haben? Wir finden jedes Lamentieren darüber, dass immer mehr Journalisten aufgehört haben zu recherchieren erübrigt sich angesichts solcher Beträge.

Solange es Kollegen gibt, die für diese Honorare arbeiten sieht es für uns alle düster aus, und das hat ausnahmsweise mit kostenlosem Content im Internet erst einmal gar nichts zu tun. Unsere Quelle geben wir übrigens nicht Preis und nennen auch das Medium nicht namentlich. Wir würden die komplette Liste aber jederzeit an ein lokales Openleaks weitergeben, damit sie in Konstanz und im Web öffentlich ausgestellt werden könnte.

Ein Kollege meinte dazu: „Das ist ein Schweine-Verlag!“ Ein anderer urteilte: „Übel, einfach übelriechend.“

Erst Recht möchten wir uns heute Morgen nun noch einem erfreulicheren Thema zu wenden. Seit gestern wissen wir ja bereits, dass auch Hunde und sogar Fische an Weihnachten beschert werden. Heute nun treibt uns die Frage um, ob Hunde eigentlich auch Weihnachtslieder singen. Wir fragten einen Hundebesitzer im Großraum Bodensee. „Natürlich singen wir Weihnachtslieder“, mailte er zurück. „Wie sich das so ungefähr anhört – siehe Anlage.“ Mehr möchte wir Ihnen ersparen. Denn weiter ließ er uns wissen: „Ganz schlimm wird es allerdings nach dem dritten Hundepunsch :-). Wir hoffen nun, dass die Hundeweihnacht „Herrchen und Frauchen und Hund singen Weihnachtslieder“ wenigstens „gemafrei“ über die Bühne geht. Ansonsten helfen wir Herrchen und Hund wieder einmal gern weiter.

Das Allerletzte: Schauen Sie mal auf das Blog. Jetzt haben wir doch noch ein honorarfreies Foto des Alt-OB Bruno Helmle online stellen können. Es ist eine Gabe aus dem Archiv Leipold, für die wir uns herzlich beim Spender bedanken. Gemailt hat uns die Fotografie gestern spontan die SPD.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Detlev
    15. Dezember 2010 at 14:18 #

    Das kann noch heiter werden mit Open- oder Wikileaks:

    In einem Interview über einen EU-Beitritt der CH hatte ein hoher EU-Politiker gesagt:
    «aber der EU würde damit eine substanzielle Dosis an gesundem Menschenverstand eingeimpft werden»
    http://www.thurgauerzeitung.ch/schweiz/standard/Die-SVPPosition-ist-grundsaetzlich-perspektivlos/story/17904384

    Eigentlich fast zu stark für Wikileaks? Ein neues Zeitalter bricht an bei Diplomaten: einfacher gleich selbst alles im Interview erzählen. Der Journalismus dürfte dann „konkurrenzlos konkursfähig“ werden.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlassen Sie hier Ihren Kommentar. Bleiben Sie bitte nett. Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.