Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute möchten wir über eine witzige Weihnachtskarte, Bierdeckel und soziale Netzwerke sprechen.

Beginnen wir mit den sozialen Netzwerken. Gestern haben wir bereits darüber berichtet, dass Mark Zuckerberg vom US-Magazin „Time“ zur Person des Jahres ernannt worden ist. Er und Facebook sind Gewinner. Zu den Verlierer unter den sozialen Netzwerken und Websites, die in diesem Jahr an Reichweite verloren haben, gehören dagegen Stayfriends und die VZ-Netzwerke mit StudiVZ, SchülerVZ und MeinV. Der Hauptgrund für das Minus ist Facebook. Über das Ranking insgesamt berichtet Meedia.

Das überrascht uns nicht, trotz aller Bedenken, die wir natürlich auch haben. Trotzdem ist Facebook besser. Bei Stayfriends fanden wir zwar alte Schulfreunde, Klassenfotos und sogar einen Cousin wieder. Mit den Freunden von früher kommunizieren konnten wir bei Stayfriends aber nicht. Und das ist schade, da sogar jemand bei Stayfriends einen Weihnachtsbaum für uns geschmückt hat. Doch Nachrichten wie „Solange weder Sie noch Uwe Gold-Mitglied sind, kann Uwe Ihre Nachricht nicht lesen. Wir informieren Sie, sobald Uwe Ihre Nachricht lesen möchte“ nerven einfach nur. Jetzt treffen wir uns halt alle auf Facebook.

Apropos Weihnachten. Gestern haben wir Weihnachtskarten bekommen. Nein, keine, die Freunde an uns geschrieben haben, sondern Karten, die wir noch verwenden können. Das Motiv ist vielleicht ein bisschen eigenwillig. Wir sagen nur: „Wanted: Santa Claus“. Streng genommen möchten wir auch gar nicht über die Weihnachtskarte berichten. Sie ist nämlich Wahlwerbung einer Partei, die bei der Landtagswahl antreten möchte.

„Neueste Nachrichten“ steht da zu lesen, „parteiisch, regional, subjektiv“. Unterüberschrift: „Tatverdächtiger verhaftet“. Der Text beginnt in etwa so: „Gestern kam es in der Innenstadt zu einem spektakulären Polizeieinsatz. Eine Sondereinheit nahm einen Terrorverdächtigen fest. Der dickliche Mann war Passanten wegen seines langen Barts und traditionellen Gewändern aufgefallen. Er hatte den Weihnachtsmarkt mit einem verdächtigen Gepäckstück über die Schulter betreten und in der Menge Päckchen verteilt…“ Ganz am Ende steht „Besonnenheit statt Terrorhysterie“.

Was glauben Sie, welche Partei wirbt mit so einer Weihnachtskarte? Wir wollen ja heute gar nicht so sein und öffnen schnell noch ein Fenster an unserem Adventskalender. Ja, Sie haben richtig geraten. Es ist die Piratenpartei. Ansonsten haben die Piraten aber im Landtagswahlkampf nicht so sehr viel zum Lachen. Die anderen Weihnachtsmänner lassen sie nämlich nicht wirklich mitspielen. Die Badische Zeitung, so haben wir auf einer Website gelesen, starte eine Interviewreihe mit allen Spitzenkandidaten und fange mit Stefan Mappus an. Nicht interviewt werde der „Spitzenkandidat“ der Piraten, der ja theoretisch auch Ministerpräsident werden könnte. Was flüstern  Sie uns  da zu? Sie glauben gar nicht an den Weihnachtsmann…

Da wir nun aber schon beim Thema Wahlkampf sind, möchten wir sie noch kurz darüber informieren, dass im „Elefanten“ in Konstanz an der Theke noch immer auf Bierdeckeln Wahlkampf für das Konzert- und Kongresszentrum gemacht wird. Die Bierdeckel, auf denen ein Modell des Konzert- und Kongresszentrums nach dem Entwurf der Vorarlberger Architekten Dietrich und Untertrifaller zu sehen ist, war Wahlwerbung der ehemaligen Konzerthaus-Befürworter. Der Bürgerentscheid fand allerdings schon am 21. März statt.

Das Allerletzte: In dieser Woche hatten wir aus einer Honorar-Liste zitiert, nach der freie Redakteure in Konstanz bezahlt werden. Der Recherche-Lohn für aufwändigere Beiträge für ausgebildete Redakteure (!) liegt laut Tabelle bei 7,50 Euro pro Stunde. Gestern nun haben wir in unserer Lieblingszeitung einen Artikel über die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks gelesen. Kritisiert worden ist, dass Starbucks Aushilfen (!) angeblich nur 8,18 Euro bezahle. Das wären immerhin 68 Cent mehr als der Verlag bezahlt. Sollte je ein Starbucks in Konstanz eröffnen, dürften die Journalisten deshalb nicht nur wegen des Kaffees Schlange stehen.

Kommen Sie gut durch den Freitag und das vierte Adventswochenende!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    17. Dezember 2010 at 11:33 #

    Die Piratenpartei dürfte trotzdem einen Achtungserfolg erzielen:

    Programmierer sollen wissen, was eine „Fehler-Routine“ ist;
    träumen von Qualitäts-Management, was das „geizige Management“ nicht einsieht;
    sollen sich noch in grossen komplexen Projekten zurechtfinden (was manchmal ihren Job retten kann, selbst wenn sie nur C++ als Programmiersprache beherrschen);
    sind i.d.R. teamfähig und seelisch-nervlich ausgeglichen (wird man mit der Zeit, sofern man nicht zu früh das „Handtuch wirft“);
    sollen ziemlich logisch denken;

    Eine Erklärung für Ihren früheren Tadel der „schlechten Vermarktung“ in Polit-Kampagnen?

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