Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen möchten wir Sie über Oberbürgermeisterwahlkämpfe informieren, über Wahlkampf auf Twitter und Facebook sprechen und wir öffnen ein weiteres Türchen an unserem Adventskalender.

Die Schneefallgrenze ist mittlerweile auf 1400 Meter geklettert, und „Wutbürger“ ist das Wort des Jahres. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat es ausgesucht. Wir finden „Wikileaks“, „Stuttgart 21“ oder zur Not noch „Aschewolke“ hätte besser gepasst. Es wäre wenigstens ein Wort gewesen. Oder haben Sie jemals „Wutbürger“ zu jemandem gesagt?

Andreas Brand, Oberbürgermeister in Friedrichshafen, ist auf unserer persönlichen Sympathieskala nach oben geschnellt. Er sagte sinngemäß, dass von den Bürgermeistern, die er kennt, 80 Prozent externe Hilfe beim Wahlkampf in Anspruch genommen hätten. Brand ist also ehrlich: Texte für Flyer und Websites müssen gemacht, Pressemitteilungen verfasst, Interviews gegeben und autorisiert, E-Mails beantwortet, Reden geschrieben und politische Ziele kommuniziert werden. Vom Himmel fällt all das nicht. Das wissen wir sehr genau, weil auch wir solche Jobs für Oberbürgermeister-Kandidaten erledigen. Also, sollten Sie selbst einmal antreten wollen, bitte rechtzeitig melden. Wir können Oberbürgermeisterwahl. In Friedrichshafen sind wir allerdings leider nur dritter geworden.

Ein Kandidat, der auf professionelle Hilfe verzichtet, wäre selbst schuld. Etwas anders scheint es allerdings im Falle der Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker zu sein. Die 45-Jährige, die seit 2003 drei Wahlkämpfe, einen erfolglosen in Hagnau sowie einen erfolgreichen jeweils in Meersburg und in Überlingen geführt hat, sagte, sie habe alles selbst gemacht. Na und? Sie brauchte halt keine PR- und Politikberatung.„Be yourself“, sie habe sich von niemandem reinreden lassen oder so ähnlich. Das ist klasse. Unrecht hat sie nicht. Auch wir raten Kandidaten stets, authentisch zu sein.

Sie habe nur Hilfe auf „freundschaftlicher Basis“ angenommen. So stand es gestern in der Heimatzeitung zu lesen – uns wurde die Passage mehrfach vorgelesen, und mehrere aufgeregte Telefonanrufe erreichten uns aus Überlingen. Zugegeben, ein bisschen erstaunt waren auch wir, als uns das so vorgetragen wurde. Bloß, was sollen wir dazu sagen? Und was ist überhaupt Freundschaft?

Apropos Freundschaft: „Freundin Ute geht mit Buch ins Bett“, titelte gestern dieselbe Zeitung. Wir schließen messerscharf: „Ute“ ist die (Facebook)-„Freundin“ der Verfasserin des Artikels. Die Rede ist also von Ute Hauth, der Kandidatin der Piratenpartei im Kreis Konstanz, und es geht um Facebook. Und was erfahren wir da? Fast alle Landtagskandidaten sind in sozialen Netzwerken aktiv. Die meisten stellen so wie anscheinend Andreas Hoffmann (CDU) aber Pressemitteilungen online oder twittern wie Zahide Sarikas (SPD) gar nicht selbst. Privates gibt es anscheinend kaum zu lesen – außer bei „Ute“. Sie schreibe auch Persönliches, ohne peinlich zu werden. Da hatte sie Glück, sonst stünde es jetzt womöglich in der gedruckten Zeitung.

So wie es aussieht hat die Piraten-Kandidatin die größte Kompetenz im Web 2.0 und ist auch tatsächlich in sozialen Netzwerken aktiv. Wir sind darüber übrigens nicht so sehr erstaunt. Wer denn sonst, fragen wir uns, wenn nicht die Frontfrau der Piratenpartei? Oder, wenn nicht jetzt vor der Landtagswahl, wann denn dann fragen wir nebenbei auch gleich noch die anderen?

Da wir gerade bei Personalien sind: Andreas Rogg ist nach 20 Jahren als Mitarbeiter und Partner im Konstanzer Büro Schaudt Architekten ausgestiegen. Er gründet jetzt sein eigenes Architekturbüro.

So und jetzt öffnen wir, wie versprochen, noch das Türchen an unserem Adventskalender. Ausgesucht haben wir dieses Mal den Versprecher des Jahres. Viel Vergnügen!

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

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