Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen möchten wir uns kurz mit Empathie beschäftigen, mit Fasnachtskostümen und darauf hinweisen, dass wir nichts mehr zu verschenken haben.

Beginnen wir mit dem Kostüm, in Konstanz auch als Häs bezeichnet. Bei erwachsenen Karnevalisten sei der „Pirat“ am beliebtesten und die Nummer Eins. Das Magazin unserer Lieblingszeitung aus München fragte unlängst, ob das an der neuen politischen Bedeutung des Piraten liegen könnte? Wir selbst glauben hingegen, dass das eine sehr untergeordnete Rolle spielt und die Themen Vorratsdatenspeicherung und Kostümierung doch eher weiter auseinander liegen. Johnny Depp könnte da schon eher den Ausschlag geben. Zumindest sticht er allein durch seine Erscheinung nerdartige Piraten, die wir sonst so kennen, locker aus.

Apropos Piraten: Am vergangenen Wochenende haben wir unseren Ersatzpiratenkuli bekommen. Der Zweitkandidat der Piratenpartei hat ihn in den Briefkasten geworfen. Das finden wir sehr nett. Wir werden ihn demnächst auch einem Praxistext unterziehen.

Zu viel über die Piratenpartei schreiben möchten wir aber nicht mehr. Wir werden ab sofort so wie die Stadt Konstanz darauf achten, dass wir die Aufmerksamkeit und in unserem Fall die Zahl der Zeichen halbwegs korrekt unter den Parteien aufteilen.

Bloß, was heißt gerecht? In der vergangenen Woche haben wir zum Beispiel erfahren, dass die CDU 560 Plakate in Konstanz aufhängen darf. Die FDP kann 290 hängen und die Partei Die Linke hingegen nur 180. Beide Kleinen  möchten aber in den Landtag. Ist das mit der Plakate-Zählerei und der unterschiedlichen Anzahl also so richtig?

Ähnlich verhält es sich vor der Landtagswahl mit Podiumsdiskussionen. Kleine Parteien sind, wie wir wissen, anscheinend nicht zu allen Veranstaltungen eingeladen. Das ist natürlich ein gewisser Wettbewerbsnachteil, vorausgesetzt allerdings, die Kandidaten würden alle dieselbe (gute) Figur machen.

Nehmen wir zum Beispiel die Bückleinkunsttalkshow, bei der Bernhard Hanke (Die Linke) und Ute Hauth (Piraten) nicht live am Talk teilnehmen. Möglicherweise sollen die Kandidaten bei Tobias Bücklein, wie wir in Facebook gelesen haben, ein Lied vortragen. Wir wissen nun nicht, ob Ute Hauth überhaupt singen kann oder wie viele Wählerstimmen Bernhard Hanke verlieren würde, sollte er sich für die Internationale entscheiden.

Andererseits möchten wir uns aber auch gar nicht so sehr einfühlen. Es heißt zwar, dass Einfühlungsvermögen jene Gabe sei, die das soziale Leben überhaupt erst möglich mache. Wir sprechen von der Fähigkeit zu Empathie. Menschen spüren, wenn sie emotional halbwegs rund laufen, den Schmerz und die Freude der Anderen. Aber wollen wir das überhaupt?

Selbstsüchtig, wetteifernd und eitel – so titelte eine Zeitung, die sich unlängst mit dem Thema Empathie befasste. Offenbar kommt, so haben wir es gelesen, Empathie aktuell aus der Mode. Eine amerikanische Studie stellte fest, dass Studenten heutzutage weit weniger Einfühlungsvermögen besitzen als früher.

Wir selbst sind dazu noch fähig, was das Leben aber nicht unbedingt leichter macht. Andere Menschen, deren Fähigkeit zur Empathie eher unterentwickelt ist, können uns zu Empathie fähige Menschen eiskalt abblitzen lassen. Sie fühlen den Schmerz gar nicht. Ehrlich gesagt haben wir deshalb so langsam fertig. Ab sofort versuchen wir, den amerikanischen Studenten nachzueifern und tougher zu werden.

Apropos tough. Neulich fragte ein Rechtsanwalt, ob er auf unserem Blog Beiträge veröffentlichen dürfe. Wir haben ihm vorgeschlagen, ein eigenes Blog zu eröffnen und einen Banner bei uns zu kaufen, um auf sein Blog hinzuweisen. So wie es aussieht wollte er aber nur kostenlos unsere Plattform nutzen. Das wollte auch der Veranstalter des Überlinger „Wortmenues“, eines literarisch-kulinarischen Festivals. Er wollte, dass wir ihm mit redaktionellen Beiträgen helfen. Geld für einen Banner habe er nicht. Schade, sagen wir da nur. Offenbar haben ihn auch andere Redaktionen aus ähnlichen Gründen abblitzen lassen.

Merke: Zu verschenken hat ein regionales Blog nichts. Wer ein kommerzielles Produkt anbietet, kommt ab sofort nicht mehr kostenlos auf unser Blog – außer wir finden es richtig toll. So langsam sind wir aus dem Gröbsten raus und werden selbstbewusst.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

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