Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute möchten wir uns zum Start in den Tag mit Goethe und Schiller beschäftigen, berichten, dass außer Zeitungen auch Daily Soaps aus der Mode kommen, noch einmal einen Blick zurück auf die Bückleinkunsttalkshow in Konstanz werfen, den Konstanzer Verleger Ekkehard Faude zu Wort kommen lassen und ankündigen, dass unser Kuli-Stresstest vor der Landtagswahl weiter geht.

In Zusammenhang mit Goethe und Schiller sehen wir uns mit einer neuen Fragestellung konfrontiert. Unsere Münchner Lieblingszeitung titelte am Wochenende „War es Männerliebe?“ Die Literaturwissenschaftlerin Katharina Mommsen hat selbige Frage aufgeworfen. Die beiden Dichter könnte demnach nicht nur eine Freundschaft, sondern eine homoerotische Beziehung verbunden haben. Indizien finden sich in der Publikation Mommsens mit dem etwas sperrigen Titel „Kein Rettungsmittel als die Liebe. Schillers und Goethes Bündnis im Spiegel ihrer Dichtungen.“ Etwa zeitgleich stolperten wir am Sonntagnachmittag über einen Tweet der schwul-lesbische Community in Freiburg und Umgebung mit folgendem recht passendem Inhalt: „CDU-Wahlprogramm beschlossen – die Wörter #schwul, #lesbisch,#transgender findet man darin nicht.“ Bang fragen wir uns nun, ob Herr Mappus, der ja bekanntlich im letzten Herbst bei der Schwulen- und Lesben-Parade Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart keine warmem Worte sprechen wollte, nun womöglich auch noch die Klassiker aus seinem Bücherschrank aussortieren muss.

Zu Kenntnis genommen haben wir, dass Daily Soaps im Kampf um die Aufmerksamkeit ins Hintertreffen geraten sind. Im Mai ist bekanntlich die letzte Folge von Marienhof zu sehen. Es ist nun aber nicht etwa so, dass die intellektuellen Ansprüche der Fernsehzuschauer nach oben geschnellt wären und sie zum Beispiel in der Zeit lieber Blogs lesen würden. Eher das Gegenteil ist der Fall: Das Rennen machen sogenannte „Scripted Reality“-Filmchen mit Laiendarstellern, die Familiendramen nachspielen.

Wesentlich höher ist dagegen der intellektuelle Anspruch der Bückleinkunsttalkshow gewesen. Auf Facebook und in persönlichen Gesprächen gab es viele lobende Äußerungen von Leuten, die da gewesen sind. Klar ist aber auch, dass es beim scheinbar unpolitischen Format Gewinner und Verlierer gegeben hat. Das japanische Gemüsemesser und der Hund von Andreas Hoffmann (CDU) kamen sehr gut an und auch Tatjana Wolf (FDP) hat mit ihrem Rap und durch ihren persönlichen Auftritt gepunktet. Die Höchstpunktzahl in der nach oben offenen Lobskala erreichte aber Tobias Bücklein. Seine Show ist mit wahlentscheidend. Jetzt wisse sie endlich, wer die Menschen seien, denen sie ihre Stimme geben soll, sagte eine Besucherin. Einen Haken hat das Ganze aber: Was bloß tun, wenn die parteipolitische Präferenz und die Sympathien für einen lokalen Kandidaten ganz und gar nicht übereinstimmen? In einer nicht-repräsentativen Umfrage stellten wir spontan fest: Einige Leute möchten gar nicht mehr wählen.

Eine Email geschickt hat uns am Wochenende der Konstanzer Verleger Ekkehard Faude, den wir unlängst in die Schublade „Bücherfreund“ gesteckt hatten. Das ist zwar richtig, er ist aber, wie er mitteilt, auch ein Freund von Blogs. Faude schrieb: „Insofern ist das, was Sie Frank Lettenewitsch in den Mund legen, auch meine Meinung; ich lese inzwischen täglich eher Blogs als gedruckte Texte.“ Um die Literatur macht er sich aber deswegen keine Sorgen und vergleicht Texte mit Milch. Er habe einmal sehr bedauert, als er in einem Laden der Schulstraße nicht mehr die Milch in der mitgebrachten Kanne kaufen konnte. Milch trinke er aber immer noch, kaufe sie inzwischen nur in anderen Formaten, mal in Tüten, mal in eckigen Kartons, mailte Ekkehard Faude. Ein schöner Vergleich.

Milch in Milchkannen oder, um Missverständnisse zu vermeiden, Lesungen aus gedruckten Büchern, gibt es am 13. Februar bei „Literatur in den Häusern der Stadt“ und am 27. Februar bei Lesungen in Kreuzlingen sowie am 13. März in Litzelstetten. Die Plätze sind limitiert. Der Vorverkauf beginnt bereits heute beim Stadtmarketing Konstanz und in der Bodan Buchhandlung in Kreuzlingen. Im Laufe des Tages folgt noch ein ausführlicherer Beitrag zu „Literatur in den Häusern“.

Das Allerletzte: Nachdem wir uns heute insgesamt eher anspruchsvollen Nachdenk-Themen gewidmet haben, kündigen wir an diese Stelle noch die Fortsetzung unseres Kugelschreiber-Stress-Tests an. Bis zur Landtagswahl benutzen wir Kugelschreiber, die Parteien als Wahlwerbung verschenken, und testen sie auf ihre Strapazierfähigkeit. Mehrere Kurzeinsätze hat so in der vergangenen Woche bereits der orangefarbene Ersatz-Kuli der Piratenpartei bravourös bestanden, nachdem der erste bei einer Pressekonferenz auseinanderfiel. Am Freitag bekamen wir dann den roten SPD-Kuli mit dem Löwen überreicht. Er sei ökologisch korrekt und fair produziert, ließ die SPD wissen. In dieser Woche ist er im Dauereinsatz. Den Piratenkuli nehmen wir als Ersatz mit.

Kommen Sie gut durch den Montag!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Bruno Neidhart
    31. Januar 2011 at 09:38 #

    Es lohnt sich, Katharina Mommsen’s „Beziehungs-Spekulationen“ Safranski’s „Geschichte einer Freundschaft“ zwischen den beiden Weimarern gegenüber zu stellen. Letztere Publikation ist wohl weniger spekulativ und kommt eher auf den Kern dieser „schwierigen Freundschaft“, in der Frauen einen nicht unwesentlichen Raum beanspruchten.

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