Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute soll es wettermäßig noch einmal meist sonnig und mild weitergehen. Gestern gab es eine Pressekonferenz im Technischen Rathaus bei offenem Fenster. Auf dem Rückweg zwitscherten die Vögel wie verrückt. Die Sonne zog selbst Stubenhocker nach draußen.

Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte. Wenn es dumm läuft, muss sich aber auch Eduard Mörike noch einmal einen Wollschal umlegen. In dieser Woche ist zum Glück aber alles ein bisschen anders. Auch die SPD-Landtagskandidatin Zahide Zarikas zog es angesichts des vorfrühlingshaften Wetters nach draußen. Sie wollte gern, wie abgesprochen, ein Kandidaten-Interview geben, aber bitte an einem lichtdurchfluteten Ort. Mit dem Wunsch platzte der Wahlkampfhelfer telefonisch sozusagen mitten in ein Gespräch mit dem CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann. Machte aber nichts, auch das Gespräch mit Andreas Hoffmann fand an einem wunderbaren Vorfrühlingstag in entspannter Atmosphäre im Marktstätten Café statt.

Ansonsten stehen heute die Plädoyers im Konstanzer Taximord-Prozess im Konstanzer Landgericht auf dem Plan. Urteilsverkündung ist voraussichtlich am Donnerstag. Sollen wir noch weiter berichten? Vieles widerstrebt uns. Als nicht Juristen dürfen wir das sagen.

Während die Privatsphäre des mutmaßlichen Mörders bisher sehr geschützt und sogar die Öffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen worden ist, ist das Martyrium der Opfer leider sehr naturalistisch geschildert worden. Sie konnten sich hinter keiner Maske verstecken. Wir haben über den Prozess berichtet, weil wir selbst begreifen wollten, was im vergangenen Sommer passierte und die Menschen am Bodensee so sehr in Angst und Schrecken versetzt hatte.

Ein bisschen schräg muten da Fragen an wie „Sexualstraftäter öffentlich an den Pranger stellen?“ In Facebook haben wir ein bisschen diskutiert. Sagen wir es ein bisschen provokant: Ja, klar, wieso denn nicht? Die Opfer leiden schließlich auch lebenslänglich. Und noch ein bisschen zugespitzter: Schlimme Kindheitserfahrungen von Sexualstraftätern hin und Resozialisierung her. Manchmal muss der Schutz der Gesellschaft vorgehen. Am liebsten hätten wir im Falle des mutmaßlichen Taximörders, sollte ihn das Gericht schuldig sprechen, Sicherheitsverwahrung.

Weil wir gerade schon bei Katastrophen sind. Am Sonntag und Montag lief auf RTL der Zweiteiler „Hindenburg“, produziert mit freundlicher Unterstützung des Friedrichshafener Zeppelinmuseums. Mehr als zehn Millionen Euro kostete, was die Produktionsfirmen Teamworx und EOS Entertainment da drehten. Sie erzählten die Geschichte des berühmten Zeppelins, der am 6. Mai 1937 auf dem amerikanischen Luftschiffhafen Lakehurst in Flammen aufging. 35 Menschen starben. „Hindenburg“ war der bisher teuerste Film in der Geschichte des Privatsenders. Es gab eine Love-Story, zum Schluss Feuer und Action, wenig Spannung und Dramatisches, dafür aber ein bisschen Verschwörungstheorie. War wohl kein wirklich ganz großer Film, zum Anschauen vom Sofa aus und zum Ablenken und Chillen nach größeren geistigen Anstrengungen des Tages kam „Hindenburg“ aber gerade Recht.

Das Allerletzte: Das Blog hat gestern gelitten. Plötzlich schlugen sozusagen mehrere PR-Aufträge gleichzeitig auf. Wir wollen nicht über kostenlosen Content jammern. An den Realitäten kommen wir aber nicht vorbei. Da sich mit Online-Journalismus nur wenig Geld verdienen lässt, blieb die eine oder andere Geschichte gestern unerzählt. PR-Aufträge hatten Vorrang.

Wird Zeit, dass sich da etwas dreht.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    8. Februar 2011 at 15:03 #

    Taximord-Prozess

    Wer den Teufel erwähnt, dürfte auch an die Existenz Gottes glauben. Hängt im Gerichtssaal ein „ökumenisches Kreuz“ oder hat sich die literarisch häufig zitierte „grosse russische Seele“ einen Spalt breit geöffnet?

    Das Gesicht wurde gezeigt und einigen vielleicht sogar etwas mehr. Trotzdem wird man nicht wie beim „Überlinger Flugzeug-Crash“ einen Film darüber drehen können: der interessantere Teil dürfte erst jetzt noch kommen. Aus dem Krimi wurde auch eine „unvollendete“ Tragödie: beides heftiger als erwartet.

    Weswegen soll man sich noch im TV den „Tatort Bodensee“ ansehen? Die Lust auf mediale Unterhaltung (aber auch politische) hat inzwischen Minus-Werte erreicht.

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