Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute stellen wir uns die Frage, wie es wäre, wenn wir See-Online an unsere Leser und die Informatikdienstleister verscherbeln würden. Lustig sagen Sie jetzt vielleicht, oder Sie denken, dass wir jetzt komplett durchgeknallt sind.

Als wir gestern so durch das virtuelle Gärtchen streunten, blieben wir an einem Beitrag des Blogs dornröschen.nu hängen. Der Kollege mutmaßte: „Am Bodensee könnte demnächst Zeitungsgeschichte geschrieben werden. Denn der Südkurier ist dabei, sich neu zu erfinden: als journalistisches Druckerzeugnis, das künftig den eigenen Machern und der eigenen Kundschaft gehören soll, den Redakteuren ebenso wie den Druckern, den geschäftsführenden Kaufleuten ebenso wie den Sekretärinnen, heimischen Banken ebenso wie möglichst grossen Teilen der Leserschaft.“ So wenigstens hat es der Redakteur geschrieben.

Wir haben die überraschende Kunde durchs Web gezwitschert und stellten im Tweet gleich noch die Frage, ob der zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gehörende Südkurier womöglich so etwas wie ein Volkseigener Betrieb werden könnte. Noch immer reiben wir uns verdutzt die Augen und stellen uns schon einmal vor, wie es denn wäre, würde der Südkurier zu eine Art taz mutieren.

Die taz wurde 1978 in West-Berlin als linkes, selbstverwaltetes Zeitungsprojekt gegründet. Herausgeberin ist die tageszeitung Verlagsgenossenschaft eG. Wer Genosse bei der taz werden möchten, zahlt mindestens 500 Euro, höchstens aber 100.000 Euro. Jeder hat unabhängig von der eingelegten Summe nur eine Stimme. Im Januar 2011 hatte die Genossenschaft etwa 10.300 Mitglieder. Das Genossenschaftskapital dürfte etwa bei rund 10 Millionen Euro liegen.

Ähnlich viel Geld würde auch für den Südkurier benötigt, schrieb der Kollege Redakteur.

Die taz, die es sich bislang nicht leisten kann, ihre Mitarbeiter branchenüblich zu bezahlen, was auch immer branchenüblich in Zeiten der Medienkrise heißen mag, zahlte lange Zeit einen Einheitslohn für alle Angestellten, vom Schriftsetzer bis zur verantwortlichen Redakteurin. Neuerdings gibt es „Verantwortungszuschläge“ von wenigen hundert Euro, wie für die Leiter der einzelnen Ressorts.

Der Bruttolohn für die meisten Angestellten liegt laut Haustarif bei rund 2.000 Euro im Monat; es gibt kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

Wir stellen uns schon einmal vor, wie Verlagsleiter Rainer Wiesner, die Herren Chefredakteure und besonders die Schnösel unter ihnen künftig mit einem ähnlich schmalen Salär wie freie Mitarbeiter nach Hause gingen. Satt mit dem Firmenauto würden sie dann wie die Schreibenden vermutlich mit dem Fahrrad fahren.

So, jetzt ist es aber gut mit dem Fabulieren: Wahr dürfte vermutlich an der Geschichte erst einmal nur sein, dass die Holtzbrincks die Zeitung gern verkaufen würden. Diese Nachricht ist freilich weder neu und noch wäre sie auch nur annähernd so spektakulär wie die vom Volkseigenen Betrieb. Uns ist all das aber sowieso schnurzpiepe egal.

Vielleicht ist es ja auch nicht mehr ganz so wichtig, was in gedruckten Zeitungen steht und wer mit ihnen Meinung macht. Denn im vergangenen Jahr hatten schon 79 Prozent der Haushalte der Baden-Württemberger einen Zugang zum Web und können sich am Kiosk Google Zugang zur Informationen verschaffen. Das meldeten das Statistische Landesamt in Stuttgart und die Bildzeitung.  Fast jeder zweite der Sechs- bis 13-Jährigen nutzt heutzutage außerdem soziale Netzwerke wie SchülerVZ oder Facebook – wie das Magazin „Focus“ und Kress Report berichten.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

Von Waltraud Kässer

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