Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen halten wir es mit Bert Brecht. „Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!“ Wir möchten kurz über Podiumsdiskussionen, das Konstanzer Theater und Kölner Karneval in einer alemannischen Stadt am Rhein sprechen.

Fünf Wochen vor der Landtagswahl fragen wir uns, ob Podiumsgespräche eigentlich noch zeitgemäß sind. Im Fernsehen plaudern „Anne Will“, Frank Plasberg „hart aber fair“ oder „Maybrit Illner“ quotenmäßig erfolgreich mit ihren Gästen. Das geneigte Fernsehpublikum scheint sich zu amüsieren. Zwischendurch gibt es kleine Einspielfilmchen.

Wer in den kommenden Wochen eine Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten plant, könnte sich bei den professionellen Plauderern ein bisschen etwas abschauen und ein Podiumsgespräch spannender inszenieren. Weshalb sollte es noch immer „Frontalunterricht“ und lange Monologe geben, statt die Kandidaten wenigstens ein bisschen miteinander streiten zu lassen? Wie wäre es denn, wenn die Zuschauer nach jeder Antwort ein rotes oder grünes Kärtchen in die Höhe halten könnten, um zu signalisieren, ob sie mit der Antwort zufrieden waren. Möglich wäre es sogar, ein Gespräch live im Internet zu zeigen. Interessierte, die online sind, könnten ihre spontanen Frage in die Runde mailen und mitteilen, wie sie die Diskussion so erleben.

Spannender als inhaltliche Aussagen, sind die Kandidatenpersönlichkeiten. So gab es – was nicht überraschend war – bei der Podiumsdiskussion der Freien Wählergemeinschaft in Konstanz zum Beispiel keine echten Neuigkeiten zum Thema Weiterbau der B 33. Viel aussagekräftiger waren persönliche Statements der Kandidaten. Wenn Andreas Hoffmann (CDU) über seine christlich motivierte Haltung zur Homoehe oder Siegfried Lehmann (Grüne) über seinen Wunsch, Volksbegehren zu erleichtern, spricht, erfahren die Zuhörer mehr über die Kandidaten als bei einem Kurzvortrag über Straßenbau und Gäubahn. Falls die Kandidaten schlüssig argumentieren, trauen ihnen die Wähler zu, dass sie auch in Stuttgart ihre Meinung sagen und die Interessen der Menschen vertreten.

Früher erzählten Journalisten einen Abend selbstverständlich nach, heute lässt er sich anhand von Tweets rekonstruieren. Auch das ist im Zeitalter des Web 2.0 neu. Kommentieren kann übers Smartphone in Echtzeit plötzlich jeder Zuhörer, und Nachrichten verbreiten sich noch am selben Abend und erreichen auch Interessierte, die gar nicht da gewesen sind.

Apropos Unterhaltung: Das Konstanzer Stadttheater muss zwei Theaterabende absagen. Krankheitsbedingt fallen heute die Aufführungen von „Tiefer gehen“ und von „Faust“ aus.

„Zwar weiß ich viel, doch möcht‘ ich alles wissen“, heißt es im „Faust“. Deswegen noch der Hinweis: Ab morgen Donnerstag, 24. Februar, finden die angekündigten Aufführungen wieder statt, Schauspieler Bernhard Leute übernimmt an Stelle von Odo Jergitsch die Rolle des Faust.

So langsam haben wir das Gefühl, dass die Stammtische in Konstanz überhand nehmen. Neben Rheinländern und anderen Landsmännern oder   Stämmen sowie den Piraten (Vorsicht Politik!) treffen sich demnächst auch groß gewachsene Menschen, also Riesen in Konstanz.  Jeden letzten Freitag eines Monats kommen sie zusammen. Nächster Termin ist am Freitag, 25. Februar, im Konstanzer Café Wessenberg. Los geht es ab 19.30 Uhr. Die Mindestgröße beträgt bei Frauen 1,80 Meter und bei Männern 1,90 Meter.

Ein bisschen bizarr, aber wahr.  Die Rheinländer kamen auf die Idee, zu einer rheinischen Karnevalsparty in der Hochzeit der alemannischen Fasnet einzuladen. Am Samstag, 26. Februar, um 19.30 Uhr geht es los. Partylocation ist das Restaurant Seerhein. Wirt Jochen Schulz, selbst Rheinländer, will dafür sorgen, dass es stilecht zugeht. Kostüme aller Art seien ausdrücklich erwünscht. Kommen dürfen aber auch „Nicht-Rheinländer“. Ho Narro!

Wir sagen dazu nur „Et kütt wie et kütt“ und „Et hätt noch immer jot jejange“.

Solch Karnevalsfeste seien in Konstanz übrigens gar nichts Neues, wie angeblich ein historisches Dokument aus dem Jahr 1927 belegen soll: Schon in den Vorkriegsjahren gab es demnach regelmäßige, von in Konstanz lebenden Rheinländern und Westfalen organisierte Karnevalsfeste in der Stadt. Na denn.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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