Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Die Amphibien wandern wieder, und Wölkchen lösen sich nicht nur am Himmel, sondern blöderweise auch in der virtuellen Welt gelegentlich auf. Die Deutsche Gauklerpartei hat in Konstanz plakatiert, der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann koaliert vorübergehend mit Andreas Hoffmann (CDU) und Twitternutzer zwitschern Karl-Theodor zu Guttenberg „Guttbye“ hinterher.

Sprechen wir zuerst über das virtuelle Bereitstellen von Datenspeichern, das neudeutsch Cloud Computing heißt. Auch wir nutzen Cloud-Based-Services wie Googlemail. Unsere Mails liegen nicht auf unseren Festplatten, sondern auf einem fremden Server.

An jedem zweiten Stand bei der Cebit hängen dieses Mal angeblich Banner mit Wolkenbildern. 120.000 Gmail-Nutzer sollen allerdings nicht sehr amüsiert gewesen sein, als Google versehentlich die Nachrichten aus ihrem Postfach gelöscht hat. Die Wiederherstellung verzögerte sich.

Apropos Internet. Eine überregionale Zeitung stellte fest, dass die Netzgemeinde eine „Moorhuhn-Gesellschaft“ sei. Und die ballerte kräftig und aus allen Rohren auf zu Guttenberg. Bevor die „Moorhuhn-Gesellschaft“ dem zurück getretenen Verteidigungsminister noch „Guttbye“ hinterher zwitscherte, hatte sie den Minister sozusagen virtuell abgeschossen.

Die Meute suchte nach kopierten Stellen in der Doktorarbeit zu Guttenbergs. Crowdsourcing heißt so etwas, und ohne die Plattform Guttenplag Wiki wäre er zu Guttenberg wohl nicht überführt worden und noch immer Verteidigungsminister.

Nicht nur die Netzgemeinde, sondern auch die Wissenschaftler waren aber gewaltig sauer auf zu Guttenberg. Der Konstanzer Doktorand Tobias Bunde hatte online Zehntausende Unterschriften gesammelt und einen offenen Brief an Angela Merkel unterschrieben. Anfangs hatte der Politikwissenschaftler die Mail nur an seine Freunden geschickt. Sie wurde dann aber zu einem Selbstläufer. Der Ex-Minister hatte durch sein Plagiat die Wissenschaft verhöhnt – und das ist mindestens so schlimm wie von der virtuellen Meute gehetzt zu werden.

Nach seinem Rücktritt hat, was nicht anders zu erwarten war, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) seine Wahlkampftermine in Baden-Württemberg abgesagt. Gestrichen ist auch ein Auftritt in Singen am 23. März.

Während in Konstanz am Tag, an dem zu Guttenberg zurücktrat, die Gauklerpartei plakatierte, erklärte zeitgleich der Grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann, dass er sich zusammen mit seinem Kollegen Andreas Hoffmann (CDU) dafür einsetzen möchte, dass das Studententicket künftig auch in benachbarten Verkehrsverbünden gilt. Wegen des Andrangs von Studienanfängern dürfte der studentische Wohnraum in Konstanz noch knapper werden und viele Studenten werden sich wohl außerhalb der Stadt eine Bude suchen müssen.

Die baden-württembergischen Landesregierung kündigte derweil an, dass es in Zukunft bei Großprojekten eine frühzeitige und umfassende Bürgerbeteiligung geben soll. Die Piratenpartei fragte auf der Konstanzer Marktstätte zur selben Zeit schon einmal, was die Bürger so tun würden, wenn sie einen Tag lang Mappus wären.

Das Allerletzte: Aufmerksam machen möchten wir ansonsten heute Morgen noch darauf, dass die Hauptwanderzeit der Amphibien beginnt und deshalb verschiedene Straßen gesperrt sind. Betroffen sind zum Beispiel in Konstanz die Kreisstraße zwischen Dingelsdorf und Dettingen, der Ziegelhofweg sowie die Universitätsstraße. Dort heißt es jetzt wieder: Bremsen für Kröten.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

3 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Hinterwäldler
    2. März 2011 at 12:07 #

    Noch ein Argument und ein Gegenargument:
    „Wir müssen uns von niemandem erklären lassen, was Anstand und was Ehre in unserer Gesellschaft sind.“
    Angela Merkel am 01.03.2011 in Stuttgart

    „Die Gesellschaft, in welcher die Kanzlerin lebt ist offensichtlich eine andere, als die in welcher wir real leben.“
    hinterwäldler am 02.03.2011 im See-Online.info

  2. Lothar Herzog
    2. März 2011 at 12:14 #

    Das kommt davon wenn der Herr Pfarrer von Hamburg in das
    Arbeiter – und Bauernparadies auswandert und seine missratene
    Tochter, vorher IM Erika, zur CDU überläuft.
    Es ist doch klar das das Kind zwischen Kapitalismus und dem
    Kommunismus nicht unterscheiden kann.

  3. dk
    2. März 2011 at 22:26 #

    … die Netzgemeinde eine „Moorhuhn-Gesellschaft“ sei. … ballerte kräftig und aus allen Rohren … Die Meute suchte …

    Das Internet bzw. Web2.0 ist viel grösser, unpolitischer und sachlicher als vermutet: es geht eher um Wissenaustausch oder das Erlernen von Internet-Technologien. Bei Buch- oder Internet-Autoren liest man relativ häufig einen ganz kurzen Lebenslauf: berufliche Tätigkeit, Familie, Hobbys, u.a.

    Vielleicht wollten hier eher Jugendliche, den Nutzen des Internets mit seinen Möglichkeiten zeigen. Vor Jahren hat man zum Thema „Internet-Zensur“ doch sehr angriffslustige Verbalattacken lesen können; seitens der Politik hatte man im nachhinein auch lesen können, dass diese Reaktiion auch so beabsichtigt war.
    Ab einem gewissen Alter überdenkt man die Rolle als Weltverbesserer und entdeckt lieber die weltweiten Möglichkeiten des Internets ohne überflüssige Reibungsverluste.

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