Guten Morgen Bodensee!

Kolumne – Aus der Flachwasserzone

Heute Morgen ist das Wasser, in dem wir fischen, besonders flach. So wie es aussieht müssen wir uns schon wieder der Zukunft des Qualitätsjournalismus widmen. Anzubieten hätten wir zum Thema Zweierlei: Erstens der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung ist auf die Idee gekommen, dass Journalisten quasi im Nebenberuf als Berater arbeiten könnten. Dazu haben wir ein Video mit einer Ansprache von Kilz für Sie verlinkt. Und zweitens, Ebay Gründer Pierre Omidyar möchte – so wie wir – in den Lokaljournalismus einsteigen und Geld verdienen. Wer sich die schöne neue Website anschauen möchte, findet weiter unten einen Link…

Das Magazin Focus berichtet, wie Meedia gestern zitierte, dass die Süddeutsche Zeitung im vergangenen Jahr – in Zeiten des Niedergangs der Printmedien – fünf bis sechs Millionen Euro Verlust gemacht habe. Deshalb suche die Zeitung nach neuen Einnahmequellen und möchte Redakteure frei nach dem Motto „rent a journalist“ als Berater und Festredner ausleihen. Mehr dazu gibt’s im Video unter


Dieser neue mögliche Verwendungszeck von Journalisten wiederum empörte Robin Meyer-Lucht, der das Berlin Institute, ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den digitalen Medienwandel, und die Online-Publikation Carta geründet hat. Carta wurde 2009 sogar mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Meyer-Lucht ist außer sich über die „Servicepakete“ der Süddeutschen, die die Zeitung an Geschäftskunden zu verkaufen, plane. Ein Hoch auf die Freiheit des Journalismus! Dazu mehr unter http://carta.info/26678/kilz-die-sueddeutsche-zeitung-sollte-auch-beratung-anbieten/.

Gut, dass wir nach dem Exkurs über die Unabhängigkeit von Journalisten wenigstens doch noch eine erfreuliche Nachricht mitzuteilen haben, die uns ein freudlicher Kollege mailte und die uns heute morgen davor bewahrt, im Flachwasser unterzugehen. Sie handelt vom Lokaljournalismus im Netz und Ebay Gründer Pierre Omidyar. Er will eine Online-Zeitung gründen, deren besonderes Merkmal Diskussionsforen sein sollen. Die Kommentatoren äußern sich auf der neuen Online-Nachrichtenseite nicht anonym, so dass die Debatten weniger unsinnig sein sollen als in anderen Onlinemeiden. Abonnenten müssen fürs Produkt 20 Dollar im Monat bezahlen.

An den Start geht das Nachrichtenpotal für die Insel Hawaii heute, am 4. Mai. Chefredakteur ist John Temple, zuvor „Rocky Mountain News“. Offenbar ist Pierre Omidyar der Meinung, dass Demokratie nicht funktioniert, wenn Journalismus nicht funktioniert. Dieser Meinung sind wir grundsätzlich zwar auch und auch wir freuen uns über ernsthafte Kommentare und Debatten, die auf unserer Seite geführt werden. Größter Unterschied aber: Der Ebay Gründer ist bereits Milliardär, konnte sich Büros in der Nähe von Honolulu anmieten und er hat sich zudem eine ansprechende Seite designen lassen, während wir uns mit Surfstick herumdrücken, sehr glücklich mit unserer viel günstigeren WordPress Seite und nützlichen Tipps von netten Geeks sind.

Zur Lokalzeitung auf Hawaii (einer ähnlich schönen Location wie dem Bodensee) geht’s hier: http://www.civilbeat.com/

Einen schönen Tag noch!

Waltraud Kässer

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