Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns wieder einmal ein Sommertag Anfang April. Wir könnten einen Blick in den Himmel und aufs Stimmungsbarometer werfen und schauen wie sich die Sympathien eineinhalb Wochen nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg so auf die Parteien verteilen. Wir sollten Sie außerdem darüber aufklären, dass Hunde im Notfall nur selten Hilfe holen. Und wir möchten Sie auf eine neue Onlinezeitung im Netz, die Kontext:Wochenzeitung, hinweisen.

Der stern-RTL-Wahltrend von dieser Woche zeigt, dass die Grünen auch bundesweit anscheinend immer beliebter werden. Sie schaffen es aktuell bei der Sonntagsfrage auf 28 Prozent der Stimmen. Das ist so viel Zustimmung wie noch nie zuvor. Die SPD verliert in dieser Woche dagegen zwei Prozentpunkte und landet bundesweit nur noch bei 23 Prozent. Die Union verliert drei Prozentpunkte und rutscht auf 30 Prozent. Noch schlimmer trifft es nur die FDP, die es mit nur noch drei Prozent nicht einmal mehr in den Bundestag schaffen würde. So wie es aussieht, hat die eine oder andere Partei nach Wenden und Halsen nicht nur am Bodensee anscheinend ein Glaubwürdigkeitsproblem.

Dass der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung gestern einen ,Stresstests‘ für Schweizer Atomkraftwerke gefordert hat, wäre heute auf den Tag genau vor einem Monat, also am 7. März, noch unvorstellbar gewesen. Damals – vor vier Wochen – war die Union stramm auf Atomkurs. Auch dass sich der Konstanzer CDU-Kreisverband in einem Antrag  für den schnellstmöglichen Verzicht auf die Kernenergie in Deutschland ausspricht, wäre vor dem 11. März nicht denkbar gewesen.

Um eine Illusion beraubt hat uns auch der kanadische Psychologe William Roberts. Er hat getestet, ob Hunde Hilfe holen, wenn ihre Herrchen oder Frauchen in Not geraten, weil sie ohnmächtig zusammenbrechen oder zum Beispiel weil die Wohnung brennt. Der Psychologe ließ Hundebesitzer einen Herzinfarkt vortäuschen oder ein schweres Regal auf sie fallen. Die Vierbeiner reagierten anscheinend nicht. So ähnlich stand es in der Online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung.

Wir halten Hunde zwar nicht unbedingt für schlauer als etwa Dreijährige, aber vielleicht ließen sie sich ja einfach von dem Wissenschaftler nicht hinters Licht führen. Sie haben die Versuchsanordnung womöglich durchschaut. Ehrlich gesagt schließen wir nicht aus, das Hunde so etwas wie einen sechsten Sinn haben und einfach keine Briefträger oder Psychologen mögen.

Wir kennen mehrere Labradore persönlich, denen wir meistens ein Leckerli mitbringen. Mit ihnen könnten wir ja demnächst einen Selbstversuch machen oder zumindest uns nahe stehende Hundebesitzer nach ihren persönlichen Erfahrungen mit ihren Hunden in Notfällen fragen. Vielleicht ist der eine oder andere ja schon einmal von seinem Tierchen gerettet worden. Roberts würde dann wahrscheinlichsagen, der Hund habe nur unabsichtlich Hilfe geholt und zufällig richtig reagiert. Vielleicht hat Roberts aber auch als Kind unabsichtlich nur zu wenig Lessie-Filme geschaut. Der tapfere Collie hat  Timmy immer gerettet.

Hinweisen möchten wir Sie ansonsten noch auf Kontext, eine neue Wochenzeitung im Netz: Die Wochenzeitung schreibt über sich, sie sei ein unabhängiges Onlineportal, das von hauptberuflichen Journalisten verantwortet werde. Der Anspruch ist gewaltig: Die Macher möchten in „guter journalistischer Tradition“ arbeiten, kündigen sie an. „Also gründlich statt schnell, hintergründig statt oberflächlich, mit langen Texten statt Häppchen, mit anspruchsvollen Bildern statt Beliebigkeitsoptik“, heißte es. Der Fokus liege zunächst auf Stuttgart und Baden-Württemberg, wobei Ausflüge über den „Kesselrand“ ebenfalls zum Programm gehörten.

Im Team arbeiten Josef-Otto Freudenreich, Chefreporter der „Stuttgarter Zeitung“ bis 2010, Meinrad Heck, Korrespondent der „Stuttgarter Zeitung“ bis 2010, Sandro Mattioli , Volontär der „Stuttgarter Zeitung“ bis 2008, freier Reporter bis 2010 in Rom, Rainer Nübel, Redakteur bei den „Stuttgarter Nachrichten“ bis 2000, seitdem Mitglied der Reportageagentur „Zeitenspiegel“ und Mitarbeiter des Magazins „Stern“, Martin Reinkowski, Redakteur der „Stuttgarter Zeitung“ bis 2009, zuletzt im Politikressort, seitdem Freier Journalist, und Susanne Stiefel, Chefreporterin von „Sonntag Aktuell“ bis 2010, Mitglied der Reportageagentur „Zeitenspiegel“. Viele sind mit wichtigen Journalistenpreisen ausgezeichnet worden und als Buchautoren bekannt.

Die Wochenzeitung sieht sich als „vierte Gewalt“ und nimmt für sich in Anspruch, für Qualitätsjournalismus zu stehen, der mittlerweile bekanntlich eine vom Aussterben bedrohte Gattung ist. Die Wochenzeitung erscheint in gedruckter Form jeden Samstag beim Kooperationspartner, der tageszeitung. Mittwochs gibt’s die Wochenzeitung im Netz, samstags erscheint Kontext gedruckt in der taz. Hier geht es zur ersten Ausgabe von Kontext online.

Für eine Blattkritik hat es heute Morgen leider noch nicht gereicht. Wie gefällt Ihnen das Projekt? Wir holen die Blattkritik – am liebsten mit Ihrer Hilfe – noch nach. Versprochen.

Übrigens Kontext:Wochenzeitung ist spendenfinanziert. Sie sei damit wirtschaftlich und politisch unabhängig, kündigen die Macher an. Herausgeber ist der Verein für Ganzheitlichen Journalismus i.G.. Wenn Sie See-Online, also uns, unterstützen möchten, könnten Sie diesen Beitrag flattrn. Oder schauen Sie sich doch wenigstens einmal an, wie Flattr funktioniert. Wir finanzieren uns ansonsten über Werbung.

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