Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute starten wir in einen möglicherweise gewittrigen Tag. Die To-Do-Liste ist sehr lang und wir sollten deswegen keine Zeit verschwenden.

Sprechen wir über das Gefühl offline zu sein. Ist es ein gutes Gefühl oder ein schlechtes? Heute Morgen könnten wir mit Neil Postman fragen, informieren wir uns an ganz normalen Tagen zu Tode? Mailen und twittern wir uns zu Tode? Wäre es vielleicht sogar nicht nur ratsam, sondern zwingend notwendig, sich ein Email Sabbatical zu gönnen?

Keine geringere als die Wochenzeitung „Die Zeit“ behauptete in der vergangenen Woche, dass Menschen Informationen mittlerweile gelegentlich ausknipsen, weil es viel zu viele gibt. Haben sie das nicht auch schon früher getan? Vor den Smartphones, Twitter und Facebook?

Tages- und Wochenzeitungen befänden sich weiter im „Sinkflug“ schrieb die Wochenzeitung „Die Zeit“, die wir am Wochenende aus Gründen der Entschleunigung gern  offline lesen. Widersprechen mag, was  den „Sinkflug“ angeht,  keiner. Doch auch das Internet leide gelegentlich unter der Enthaltsamkeit, sagt die „Die Zeit“.

Die Neugier des Publikums sei eventuell dahin, mutmaßt die Autorin so in etwa. Sie hatte sich zuvor anscheinend bei Freunden, Kollegen, in Sportvereinen und bei Parteiversammlungen umgehört, was wir für sehr repräsentativ halten. Ob wir womöglich für das Tempo, in dem uns aktuell Nachrichten um die Ohren fliegen oder vor den Augen flimmern, gar nicht geschaffen seien, fragte das Medium? Mag sein.

Vom Weglassen war denn auch die Rede. Auf unserem Blog versuchen wir das übrigens immer wieder. Manches lassen wir weg. Wir treffen eine sehr subjektive Auswahl und suchen aus, was wir berichtenswert, wichtig oder manchmal auch nur amüsant finden. Die neuesten Meldungen stehen immer oben und rutschen langsam nach unten, sobald neue Blogbeiträge hinzu kommen. Nur eine kleine Ausnahme gibt es: Was wir besonders wichtig finden, lassen wir eine Zeit lang als Aufmacher oben stehen.

Wir wollten aber eigentlich von unserem Email Sabbatical gestern, einem Tag sprechen, an dem wir komplett offline gewesen sind. Wegen eines PR-Auftrags waren wir in der Schweiz. Das Datenroaming auf unserem Smartphone haben wir aus Kostengründen sowieso ausgeschaltet. Zeit, das Netbook anzustöpseln und online zu gehen, war nicht. Wir konnten uns also bestens auf die Arbeit konzentrieren. Der Tag war sehr produktiv und er franste auch nicht aus, so wie es Tage sonst manchmal tun.

Die Hälfte der Mails, die wir am Abend in unserem Posteingang fanden, waren unwichtig und wir konnten sie sofort löschen. Hätten wir den Posteingang gestern mehrmals gecheckt, hätten wir mit der Sichtung der einzelnen Mails sicher mehr Zeit verschwendet.

An den Wochenenden sperren wir die Emails meistens sogar bewusst ganz aus. Das Smartphone bleibt zu Hause, wenn wir zum Beispiel an freien Tagen zum Biken gehen oder in Ruhe ein bisschen lesen möchten. Zum Einsatz kommt dann wieder das alte Nokia Outdoor Handy, mit dem wir eigentlich nur telefonieren können.

Um es mit einem mittlerweile viel zitierten und fast schon geflügelten Satz zu sagen, der ursprünglich einem amerikanischen Studenten zugeschrieben wird: Wenn eine Nachricht wichtig ist, wird sie uns schon erreichen.

Apropos wichtig. Wäre es für einen Bodensee Blog eigentlich wichtig, zu berichten, dass Birgit Homburger nicht mehr Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag ist? Der Parteivorsitzende Philipp Rösler und Rainer Brüderle haben sie, wie aussieht, raus gedrängt. Das war angesichts des Absturzes der FDP unter fünf Prozent zu erwarten.

Im Radio hieß es gestern, Birgit Homburger würde dafür vielleicht einen anderen Job bekommen. Das wollen wir nun nicht hoffen. Im richtigen Leben wäre das wahrscheinlich sowieso nicht so. Wer zum Beispiel ein Unternehmen in den Sand setzt, geht eigentlich nicht mehr über Los. Wir finden, Leistung muss sich lohnen, wer nichts leistet, soll weniger haben und wir halten auch gar nichts von „Spätrömischer Dekadenz“.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

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