Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute möchten wir uns vier Themen widmen, Zensus 2011, der Wohnraumsituation in Konstanz, dem Bildungssystem und S 21.

Gestern hat uns eine Freundin gesagt, sie habe keine Lust auf Zensus2011. Sie habe das Anschreiben weggeschmissen. Wir selbst haben gestern die Fragen zu unserer Wohnsituation beantwortet, nachdem wir ja vor ein paar Wochen schon einmal online etwas ausgefüllt hatten. Die vielen mitgeschickten Blätter mit den Hinweisen haben wir übersprungen. Den ausgefüllten Fragebogen haben in einen mitgeschickten DINA-4-Umschlag gesteckt. Zuerst hat es mit der Adresse und dem Fenster nicht geklappt. Bitte freimachen, stand übrigens auf dem Umschlag, was wir wiederum ziemlich unverschämt finden.

Noch krasser erscheint uns aber eine „Terminankündigung“, die ins Haus flatterte. Eine Interviewerin bat brieflich nicht etwa um einen Termin, sie kündigte ihren Besuch an. Sie teilte mit, sie wolle am kommenden Dienstag zwischen 16 Uhr und 19.30 Uhr kommen.

Sollen wir etwa dreieinhalb Stunden (!) zu Hause sitzen, um auf die Interviewerin zu warten? Das geht ja wohl gar nicht. Kennenlernen möchten wir die Interviewerin aber schon. Per Mail haben wir ihr deshalb vorgeschlagen, sie möge um 9 Uhr kommen. Da würde es besser passen. Sie mailte zurück, dass sie berufstätig sei und deswegen erst ab 16 Uhr könne. Ja, sind wir etwas nicht berufstätig? Müssten wir immer können? Jetzt haben wir uns auf 16 Uhr verabredet.

Ob wir Fragen nach Religion und Weltanschauung beantworten möchten, haben wir uns noch nicht überlegt. Vollkommen unverständlich ist es uns, abgesehen von den Glaubensfragen, allerdings, weshalb wir eine Interviewerin in unsere Wohnung lassen sollten.

Schließlich hat uns nach dem Baujahr unseres Wohngebäudes – wir haben 1476 eingetragen – und danach wie viele Zimmer wir bewohnen, ja auch keiner persönlich gefragt. Das mussten wir eigenständig ausfüllen. Siehe oben. Was unterscheidet unsere Wohnsituation von unserer Weltanschauung? Oder will die Interviewerin vielleicht auch gleich noch ein Video von unserer Wohnung machen? Im Zeitalter des Web 2.0 müsste es ja wohl möglich sein, ein paar Auskünfte online zu geben.

Wieder einmal müssen wir uns also die Frage stellen, in welcher Welt wir leben eigentlich?

Apropos wohnen. Die „Welt am Sonntag“ hat über das Thema „Bauland? Nein, danke!“ und eine neue Wohnungsnot berichtet. In Deutschland würden zugunsten der Natur immer weniger Baugrundstücke ausgewiesen. In vielen Städten werde deshalb bezahlbarer Wohnraum für Familien knapp. Auch Konstanz war Thema. Alexander Fecker, bis kürzlich Vorsitzender der CDU-Fraktion im Konstanzer Stadtparlament, blickte im Beitrag besorgt in die Zukunft: 724 neue Studienplätze wolle die Universität der bis zum nächsten Jahr einrichten. Doch wo die neuen Erstsemester wohnen sollen, könne derzeit niemand sagen.

Kurz streifen müssen wir heute Morgen noch die Bildungspolitik. Die neue baden-württembergische Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer von der SPD (hoffentlich haben wir den Namen richtig geschrieben) möchte die versprochene Gemeinschaftsschule nicht gegen den Willen von Eltern durchsetzen, sagt sie. Gymnasien blieben erhalten. Also können Kinder auch weiterhin von der Grundschule aufs Suso- oder Humboldt-Gynasium wechseln. Wie dürfen wir denn das nun verstehen? Wer soll denn dann die Gemeinschaftsschulen besuchen, in denen Kinder länger gemeinsam lernen?

Heute Morgen rief uns zu allem Überfluss auch noch ein Freund an, von dem wir längere Zeit nichts mehr gehört hatten. Er war gerade auf der Autobahn zu einem Kunden unterwegs. Er teilte uns schnell noch mit, dass sich mit Medien und Werbung kein Geld mehr verdienen lasse. Zum Glück sind wir gerade sehr gut ausgelastet. Allerdings wird es in unserer Branche tatsächlich immer schwieriger und das fast überall, womit wir beim Thema Stuttgart 21 wären. So wie es aussieht trifft der Baustopp auch die Werbeagentur, die unter anderem vier Baustellenzeitungen pro Jahr produzieren möchte. Wir sagen nur, vier Leute, vier Jobs. Und wir hoffen natürlich, dass die Wellnessbranche weiter wächst und gedeiht. Wir selbst produzieren ja auch Zeitungen mehrere und mehrmals im Jahr  – zum Glück aber nicht für einen Tiefenbahnhof.

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

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