Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Die Woche beginnt mit Gewittergrollen am frühen Morgen aber auch mit wahrscheinlich guten Nachrichten für die Gemüsebauern auf der Insel Reichenau.

Wenn es richtig ist, dass Sprossengemüse aus Niedersachsen Ursache für die Ehec-Epedemie ist, dann werden Verbraucher bald wieder Gurken, Tomaten und Blattsalate kaufen. Offenbar führt die Ehec-Spur in den Kreis Uelzen. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium scheint sich ziemlich sicher zu sein. Der Laborbeweis fehlte am Montagmorgen aber noch. Zuletzt war die Nachfrage auch nach Gemüse von der Reichenau eingebrochen und um 80 Prozent zurückgegangen.

Spätestens am Dienstag dürfte Lust auf knackige Gurken und aromatische Tomaten auch auf dem Konstanzer Wochenmarkt wieder größer sein. Ein Labor bescheinigte den Reichenauer Produkten bereits in der vergangenen Woche, dass sie frei von Erregern sind. Noch ist die Warnung vor Blattsalaten, Tomaten und Gurken insbesondere aus Norddeutschland aber nicht aufgehoben.

Am Samstagnachmittag ist Ute Hauth, die Kandidatin der Piratenpartei bei der Landtagswahl 2011 im Kreis Konstanz, in den Landesvorstand der Piratenpartei gewählt worden. Der neue Vorsitzende der Piratenpartei, André Martens, möchte, dass die Partei in Zukunft einen professionelleren Auftritt hat. Doppelfunktionen gibt es bei den Piraten nicht. Nach ihrer Wahl in den Landesvorstand ist Ute Hauth deswegen als stellvertretende Kreisvorsitzende zurückgetreten.

Später noch ein bisschen mehr über den Landesparteitag der Piratenpartei und auch darüber, was den Piraten (hoffentlich) zur Medienpolitik einfällt. Die Frage lautet: Wie wollen die Piraten Qualität und Unabhängigkeit des Journalismus angesichts der Kostenloskultur im Internet retten? Hat die neue Partei Antworten auf neue Fragen? Das haben wir den vor wenigen Wochen gewählten Bundesvorsitzenden der Partei, Sebastian Nerz, und den neuen Landesvorsitzenden, André Martens, gefragt. Sie setzen auf freiwillige Bezahlsysteme.

„Etwas bezahlen, das man kostenlos bekommen hat?“, fragte am Wochenende die taz. Bei der taz scheint es mit den freiwilligen Bezahlen zu funktionieren. Im April hatte die taz angekündigt, auf Bezahlschranken zu verzichten und einen „taz-zahl-ich“-Button auf die Startseite und unter jeden Artikel gesetzt. Knapp 10.000 Euro zahlten die taz-Leser in den ersten zwei Monaten nach taz-Angaben freiwillig. Damit seien war nicht einmal die Kosten gedeckt – aber ein Anfang immerhin.

See-Online setzt auf das freiwillige soziale Bezahlsystem Flattr. Die Einnahmen sind aber so gering, dass sie nicht einmal der Erwähnung wert sind. Noch klappt die Schwarmfinanzierung – viele geben wenig – nicht. Wir werden noch einmal auf das Thema zurückkommen.

Vor gut einer Woche hatten wir über ein anderes Experiment berichtet. Die Kontextwochenzeitung aus Stuttgart, die im Internet und als Best of am Wochenende gedruckt als Beilage der Sonntaz erscheint, ist spendenfinanziert. Das ist ganz neu. Die Redaktion nimmt für sich in Anspruch, unabhängig und auch niemandem verpflichtet zu sein. Der Herausgeber ist kein Wirtschaftsunternehmen, kein Interessenverband, sondern ein Verein. Hinter der Kontextwochenzeitung steht der „Verein ganzheitlicher Journalismus“.

In Konstanz hatte sich am Freitag der SPD-Kreisvorsitzende und neue Landeseuropaminister Peter Friedrich erst einmal für beim Südkurier fest angestellte Redakteure ins Zeug geworfen. Er hatte gesagt, die SPD im Kreis Konstanz appelliere an die Geschäftsleitung des Südkurier-Medienhauses, Gespräche mit den Gewerkschaften über einen Haustarifvertrag aufzunehmen. „Nur wer Mitarbeiter fair behandelt, hat einen Anspruch auf hohe Leistung und Motivation.“ Das ist schön für die Redakteure der Printzeitung, aber, wenn der unabhängige Journalismus überleben soll, braucht es neue Antworten und auch andere Geschäftsmodelle.

Starten Sie gut in die neue Woche!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Winfried Kropp
    6. Juni 2011 at 09:52 #

    Zur Tarifauseinandersetzung beim Südkurier:
    Medienhäuser waren schon immer äußerst kreativ, durch Tarifflucht die Rechte ihrer Mitarbeiter auszuhebeln und die Bezahlung zu drücken. Vor langer Zeit sprach man bei Druckern und Setzern von der Arbeiteraristokratie, weil es diesen Berufsgruppen gelang, besonders vorteilhafte Tarifverträge auszuhandeln. Das war einmal. Nicht nur die Strategie der Verlagshäuser, sondern vor allem die technische Entwicklung, die ganze Berufsgruppen überflüssig machte, ist dafür verantwortlich.

    Drei Ebenen gibt es zu unterscheiden:

    die tarifpolitische Ebene: Wenn Unternehmen nicht einmal mehr Haustarife aushandeln wollen, sondern nur noch Einzelverträge anbieten, verfolgen sie das Ziel, ihre Mitarbeiter gegeneinander auszuspielen. Aus ihrem eigenen Interesse sollten sich alle Mitarbeiter dagegen wehren. Und hierbei erhalten sie politische Unterstützung, unter anderem durch die SPD.

    die verlegerische Ebene: Regionale Zeitungsverlage wie Musikkonzerne hatten früher die Gelegenheit, Geld zu drucken. Der technologische Wandel bedroht nicht nur dieses Geschäftsmodell, er entzieht ihm zunehmend die Grundlage. Es kann und darf nicht Aufgabe der Politik sein, neue, profitable Geschäftsmodelle zu entwickeln.

    die medienpolitische Ebene: Demokratie braucht unabhängige Medien. Die Antwort auf ehemals begrenzte analoge TV-Frequenzen war der öffentlich-rechtlich organisierte und finanzierte Rundfunk. Medienpolitik 2.0 sucht noch. Das ist ist für das Tempo, in dem sich Technologie und damit die Strukturen von Öffentlichkeit verändern, jedoch zu langsam.

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