Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute ist wieder so ein Tag. Wir sind aufgestanden und der Blick schweift über eine Schreibtisch, auf dem sich Papierstapel türmen, obwohl dieser Blog eine Online-Zeitung ist. Wird Zeit, dass sich was dreht – oder wenigstens, dass das lange Pfingstwochenende anfängt. Sprechen wir heute einmal über Schwarmintelligenz und das Herbert Grönemeyer-Konzert in Konstanz.

Ein Forscherteam von der ETH Zürich hat, wie Medien unlängst berichteten, über Schwarmverhalten geforscht und eine Entdeckung gemacht: Die Schwarmintelligenz funktioniert demnach anscheind nur, wenn die einzelnen Teilnehmer nicht wissen, was die anderen „denken“. Sonst schlägt Schwarmintelligenz schnell in „Schwarmdummheit“ um. Der Mensch ist nämlich ein Herdentier. Einzelne passen intuitiv ihre Antwort an die Antworten anderer an, auch wenn diese irren. Spiegel online titelte passenderweise: „Gemeinsam sind wir dümmer“.

Die taz wiederum hat eine Kampagne gestartet „Wir Wollen Wenig Aber Von Vielen“. Anders ausgedrückt: Es geht um Crowdfunding und um die Frage, ob sich aus den Forschungsergebnissen auch Rückschlüsse auf das Crowdfunding ziehen lassen. Während bei der Schwarmintelligenz „das Wissen der Community“ im Mittelpunkt steht, so kommt bei der „Schwarmfinanzierung, dem Crowdfunding, das Geld der Masse“.

Fakt sei, dass auf allen gängigen Crowdfunding-Plattformen, sehr wohl einsehbar ist, wie viel die Menschen bereits eingezahlt haben. Das sei sogar ein wesentlicher Bestandteil des Crowdfunding. Aus den Erkenntnissen der Züricher Forscher könnte nun, wie der tazblogger auch in etwa schreibt, Folgendes abgeleitet werden: Negativ wirkt es sich aus, wenn so gut wie kein Geld in ein Projekt gesteckt wurde. Und positiv, wenn die Menschen sehen, dass andere bereits beachtliche Summen eingezahlt haben.

Vermutlich ist es mit Flattr-Punkten ganz ähnlich. Wenn keiner eine Beitrag auf dem Blog flattrt, klickt auch sonst keiner auf den Bezahlbutton. Das ist natürlich schade. Im Mai hatte See-Online zum Beispiel 57.000 Seitenaufrufe, das heißt 57.000 Mal wurden entweder die Startseite oder aber ein Blogbeitrag von einem Seitenbesucher aufgerufen. Hätte jeder Nutzer pro Aufruf nur einen Cent bezahlt, hätten die Einnahmen im Mai 570 Euro betragen. Hätte jeder Nutzer zehn Cent pro Seitenaufruf bezahlt, wären es 5.700 Euro gewesen. Tatsächlich haben aber Nutzer nur sehr vereinzelt und wenige Beiträge geflattrt. Die tatsächlichen Einnahmen betrugen deswegen weniger als fünf Euro.

Aus privaten Gesprächen wissen wir, dass viele Besucher gar nicht wissen, was Flattr ist, das freiwillige soziale Bezahlsystem gar nicht kennen und deswegen  noch nicht einmal wenig bezahlen. Die Erkenntnis:  „ Wenig Aber Von Vielen“ klappt auf dem Blog nicht.

Zu Hilfe eilen möchten wir heute Morgen ansonsten noch dem Konstanzer Konzertveranstalter KOKO. „Wir werden immer wieder gefragt, ob es beim Konzert mit Herbert Grönemeyer am 24. Juni in Konstanz im Bodenseestadion auch Sitzgelegenheiten gibt“, schreibt KOKO. „Wir bitten Sie deshalb herzlich, die folgende Information zu veröffentlichen“, heißt weiter.

Wir machen es gern – ohne dass wir ein Honorar für diese Servicemeldung bekämen – und teilen mit, dass es beim Konzert mit Herbert Grönemeyer sowohl auf der Tribüne – zum Teil sogar überdachte – als auch auf den Rängen genügend Sitzgelegenheiten gibt. „Mit der gültigen Eintrittskarte haben die Zuschauer freie Platzwahl, das heißt Konzertbesucher können auch mit der Stehplatzkarte auf der Tribüne Platz nehmen.“ Ferner bieten, wie KOKO erläutert, die Ränge im Stadion Platz für etwa 12.000 Besucher. Das Mitbringen von Sitzkissen sei erlaubt. Nur der Innenraum auf dem Fußballfeld vor der Bühne sei ausschließlich für stehendes Publikum vorgesehen.

Was folgern wir daraus? So wie es aussieht, sind die Fans von Grönemeyer zusammen mit dem Star in die Jahre gekommen und möchten lieber nicht mehr ein ganzes Konzert lang stehen. Sie sind von Arbeit eben schon ganz grau.

httpv://www.youtube.com/watch?v=YgeEdveJUgY

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

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