Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Wer heute Zeit hat, sollte den Tag unbedingt nutzen, um ein paar Stunden am See zu verbringen. Könnte sein, dass der Mittwoch der schönste und schwül-heißeste Tag der ganzen Woche wird. Noch sieht es in Konstanz aber ziemlich neblig aus. Hier in der Stadt haben die Bewohner die Fenster weit aufgerissen. Von der Nachbarin zieht wunderbarer Kaffeeduft über den kleinen Innenhof an der Feuergasse herüber in unser Treppenhaus. 

Chillen heißt natürlich nicht, dass sich Menschen nicht nebenbei unterhalten könnten. Am vergangenen Wochenende haben sich unter der Junisonne am Bodensee wieder einmal Gespräche mit Freunden über die Finanzierung von unabhängigem Journalismus im Zeitalter des Web 2.0 ergeben. Vollkommen unklar ist es anscheinend, ob Menschen unabhängigen Journalismus überhaupt noch für nötig halten.

In der vergangenen Woche streikten, worüber wir berichtet haben, auch Südkurier-Mitarbeiter. Bei ihnen geht es mittlerweile nur noch um einen Haustarifvertrag – um eine Vereinbarung über die Bezahlung, die eher unter der von Verlagen im Verbund liegen dürfte. Sie traten sozusagen nur in eigener Sache in den Ausstand. Wofür andere Redakteurinnen und Redakteure streikten, illustrieren Fallbeispiele, die das Medienmagazin „journalist“ in seiner Juniausgabe veröffentlicht hat. Deutschlandweit geht es darum, eine dramatische Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung von Redakteuren erst einmal bei Printmedien abzuwenden. Sollten sich die Verleger durchsetzen, würde das bedeuten, dass Redakteure im 23. Berufsjahr statt bisher 4.692 Euro in Zukunft nur noch 3.800 Euro verdienen würden. Statt 33 Tage hätten sie noch 30 Tage Urlaub. Lokomotivführer und Einzelhändler hingegen streiken, weil sie mehr Geld verdienen möchten und keinesfalls um Verschlechterungen abzuwenden.

Nicht besser wie bei festangestellten Redakteuren sieht es bei der Bezahlung von Bloggern und freiberuflich arbeitenden Onlinejournalisten mit eigenen Blogs aus. Ob sich mit Schwarmfinanzierung (viele geben wenig) und Freiwilligen Sozialen Bezahlsystemen ausreichend Geld verdienen lässt, ist alles andere als sicher. Gestern haben wir einmal auf der See-Online Facebook Seite nachgefragt. Wir wollten wissen, wer kennt überhaupt ein Freiwilliges Soziales Bezahlsystem wie Flattr? Wer flattert wenigstens gelegentlich Beiträge, und wer flattert nicht und findet, dass kostenlose Inhalte auch kostenlos sein sollten und es keine Sozialen Bezahlsysteme braucht.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die größte Gruppe kennt Flattr zwar und nutzt es gelegentlich. Die zweitgrößte Gruppe kennt Flattr aber gar nicht und eine größere Minderheit, die dritte Gruppe, möchte für kostenlose Inhalte nichts bezahlen. Die Gruppe, die Flattr nicht kennt, und die Gruppe, die nichts bezahlen will, sind zusammengenommen die Mehrheit. Nur eine Minderheit ist bereit, freiwillig etwas zu zahlen. Einige konnten sich übrigens für keine Antwort entscheiden und haben persönliche Kommentare hinterlassen. Vielen Dank.

Ein ganz ähnliches Bild hat vor Pfingsten auch eine gezielte Email-Befragung von Nutzern ergeben. Einige mailten, dass sie bereits flattern oder damit anfangen möchten. Andere schrieben, sie würden lieber gern einen freiwilligen monatlichen Abo-Beitrag bezahlen und ein Befragter schlug vor, eine Testimonial-Kampagne auf See-Online zu starten. Bei einem weiteren Sozialen Netzwerk wolle er sich nicht anmelden, sagte der Nutzer. Auch all diese Rückmeldungen waren wertvoll.

Von der Politik ist vorerst kaum Unterstützung zu erwarten. Auch die Internetpartei Piratenpartei, die sich für Freiheit im Internet stark macht, sieht es zum Beispiel nicht als Aufgabe des Staates oder der Gesellschaft an, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass Geschäftsmodelle, gemeint sind Onlinejournalismus und Blogs, funktionieren. Das sagten der Bundes- und der Landesvorsitzende der Piraten, Sebastian Nerz und André Martens, am vorletzten Wochenende am Rande des Landesparteitags in Kehl.

Wir werden also die Augen und Ohren einfach weiterhin offen halten und hätten da auch noch die eine oder andere Idee.

Nicht reagieren möchten wir auf Anwürfe von Neidern, die ihrerseits ein Blog betreiben und dem Vernehmen nach anscheinend auch noch falsche Zahlen und Angaben über See-Online verbreiten. Wir freuen uns auch weiterhin über mehr als 57.000 Seitenaufrufe im Monat Mai, und wir finden, das ist für ein lokales Blog eine Menge. Bis heute sind auf See-Online 3.400 Beiträge erschienen und dazu 2.056 Kommentare von Nutzern. Diskussionen über Themen, die Menschen bewegen – so wie über ein Glas- oder Alkoholverbot am Konstanzer Seerhein oder einen umstrittenen Vortrag über Männerrechte an der Uni – finden bei uns statt. Das spricht für See-Online. Auf besagtem, ideologisch eingefärbtem Blog, finden wir hingegen keine Debatten, die doch zum Web 2.0 gehören wie das Wasser in den Bodensee. Wer nur sein eigenes redaktionelles Konzept für richtig hält, wirkt auch sehr engstirnig.  Wahrheiten gibt es in postmodernen Zeiten nicht mehr.

Streng genommen waren das jetzt schon 143 Wörter oder 931 Zeichen zu viel.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

 

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    15. Juni 2011 at 13:00 #

    Ein Bsp. für „destruktive Eigenwerbung“ eines Ferienhauses aus S-Anhalt, das man regelmässig wegen Webcams zur Landschaft anklickt.
    Öfters überrascht der Wechsel des Layouts oder die inhaltliche Umgestaltung, aber vor kurzem war es eine „reisserische Überschrift“: eine gewisse Skepsis und Vermutung zu manchen Bereichen des Internets wurde in Worte gefasst. Man sollte sich nicht nur auf „Schwarm-Intelligenz“ verlassen.

    „// Anfang Zitat

    Geprüft und für schlecht befunden…

    Schon immer hatten wir ein ungutes Gefühl, wenn wir Ihnen unser Online – Gästebuch präsentierten.
    Wie sollten Sie sicher sein, dass all das dort Geschriebene auch stimmte?
    Und obwohl wir niemals auch nur ein einziges kritisches Wort gestrichen und auch kein gutes hinzugeschrieben haben, blieb immer die Frage, wie glaubhaft Ihnen all die guten Meinungen über uns erscheinen müssen?
    Einen Beitrag im heutigen “Stern” nehmen wir zum Anlass, unser Gästebuch zu schließen.
    Wenn es Ihnen bei uns gefallen hat, werden Sie Ihren Freunden von uns erzählen.
    Und wenn nicht, dann erst recht

    Wenn das Netz falsche Hoffnungen weckt.
    http://www.stern.de/tv/sterntv/das-geschaeft-mit-manipulierten-hotelbewertungen-wenn-das-netz-falsche-hoffnungen-weckt-1693069.html

    //Ende Zitat“

  2. Uli
    15. Juni 2011 at 13:47 #

    Das Blog und vor allem seine Macher sind doch schon immer unangenehm aufgefallen, weil die beiden „Herren“ dahinter sich noch nie wirklich benehmen können. Unsympathische, aggressive Zeitgenossen, die anscheinend gerne regelmässig schön tief (…) schauen, mehr nicht. Muss man nicht ernst nehmen – macht in der Stadt aber sowieso niemand :)

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