Guten Morgen Bodensee!

Kolummne – Neues aus der Flachwasserzone

Dienstag, 9. März, minus 6,9 Grad. Gestern Abend auf dem Heimweg vom Restaurant Costa del Sol bitterlich gefroren. Der eiskalte Wind zog durch den warmen Mantel hindurch…

So wie es aussieht, wird es noch ein paar Tage dauern, bis sich unser aller Leben wieder draußen abspielen kann. Schade. Die ersten Vorboten der wärmeren Jahreszeit sind aber bereits im Konstanzer Stadtbild zu entdecken. Nein, wir reden hier nicht von den mickrigen Frühlingsblühern, die in städtischen Beeten vor sich hin bibbern. Sagen wir es einmal so, es geht wieder einmal um die Zerstörungswut und fehlenden Anstand.

Schuld sind, so wie es aussehen soll, wieder einmal die bösen Jugendlichen, wer sonst? Am 110.000 Euro teuren Toilettenhäuschen, dem Luxus-WCs im Herosépark, sind die Scheiben eingeworfen worden, der Grillplatz beim Europahaus zwischen Paradies und Schänzle wurde abgefackelt und die Heimatzeitung veranstaltete vor ein paar Tagen mit dem Jungen Theater zusammen ein Podiumsgespräch darüber, ob es genug Plätze für Jugendliche in Konstanz gibt. Die Situation spitzt sich, so wie es aussieht, voraussichtlich zu, sobald es wieder wärmer wird. Manche Stadtbewohner graut es anscheinend regelrecht vor dem Sommer. Bewohner der schönen neuen Stadt am Seerhein zum Beispiel haben ungute Erinnerungen an heiße Tage und noch mehr an laue Nächte, als ihnen Partys im öffentlichen Park nahe der Fahrradbrücke den Schlaf raubten. Offenbar verfolgen die Betroffene zwei unterschiedliche Strategien: Erstens sie engagieren vielleicht wieder einen privaten Sicherheitsdienst und hoffen auf ein Glas- und Alkoholverbot am Seerhein. Zweitens sie reden den Jugendlichen gut zu und appellieren an sie, dass sie sich anständig verhalten sollen.

Damit wären wir bei unserem eigentlichen Thema. Es geht uns heute um den Anstand und um den Respekt vor Menschen und Sachen in Konstanz und anderswo. So wie es aussieht, ist einigen Leuten der Anstand abhanden gekommen. Und es sind nicht nur die Jugendlichen, auf die die Stadt mit Fingern zeigen sollte. Viel zu viele Erwachsene, die Vorbild sein könnten, versagen kläglich. Machen wir ein Beispiel: Es war am Freitagabend vergangener Woche lange vor Mitternacht in Konstanz. Zwei erwachsenen Männer kamen aus der Salmannsweilergasse und bogen in die Hohenhausgasse ein. Vor einer Kneipe blieben sie kurz stehen, glotzten durch die Fenster. Dann gingen sie ein paar Schritte weiter, zerschlugen eine Bierflasche. Die Scherben lagen am Samstagmorgen noch in der gepflasterten Gasse. Beide Männer pissten noch gegen die Hauswand, bevor sie weiter Richtung Zollernstraße gingen. Vermutlich waren sie alkoholisiert.

So langsam sorgen wir uns ernsthaft um das Klima in unseren Städten und unserer Gesellschaft, die auseinander fällt. Nicht anständig war es auch, als der populistische Herr Westerwelle eine unsägliche Debatte anzettelte und Stimmung machte, indem er versuchte, die Schwächsten in der Gesellschaft gegen einander auszuspielen. Der ganz normale Wahnsinn ist das wohl. Vielleicht sollten wir uns ein bisschen ablenken, bevor wir noch irre werden. Schön, dass es heute Abend zum Beispiel im K9 in Konstanz Disco mit DJ Billy gibt. Djane Billy lässt Bands wie Fleetwood Mac, Barclay James Harvest, Harpo. Clouds, Alan Parsons Project und noch ein paar andere wieder auferstehen „als wäre gestern heute“, heißt es in der Ankündigung. Los geht’s um 21 Uhr. Oder wir schauen uns den Film „Männer, die auf Ziegen starren“ an. Er läuft heute Abend um 20.15 Uhr zum Beispiel in der Cine-Greth in Überlingen.

Kommen Sie gut durch den Tag.

Waltraud Kässer

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Fenedig
    9. März 2010 at 14:41 #

    Liebe Waltraud Kässer! War mal vergangenes Jahr spät abends spazieren vor der „schönen neuen Stadt am Seerhein“ (Ein Café fehlt hier übrigens – Sonnenuntergänge!). Ich war erstaunt und gleichzeitig erfreut, wie nett und informativ die privaten Sicherheitsleute auf die einzelnen Gruppen einsprachen. Dort ganzjährig Wohnenden mögen ein anderes Verhältnis zu bestimmten Gegebenheiten an der neuen Promenade oder im nahem Park haben. Was K9 betrifft, so hoffe ich, Sie werden bei Alan Parsons Project nicht in E.A. Poe’s Malstrom reingezogen. Sollte es nicht zu vermeiden sein, empfehle ich Ihnen Olivier Messiaen’s „Quartett auf das Ende der Zeit“ aus dem Jahr 1940 („Quatuor pour la Fin du Temps“). Als Konzertort schlage ich – nein, nicht Klein-Venedig! -die City-Kirche (Dreifaltigkeit) vor. Übrigens war meines Wissens K9 auch mal ein Kirchengebäude. Aber das ist eine andere Geschichte. Viel Spass!

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