Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sommer 2006 reloaded. Gestern Abend hatten wir Freunde zum Grillen eingeladen. Zuvor haben wir vorsichtshalber nicht nur auf den Meteo geschaut, sondern auch den Spielplan der Fußballweltmeisterschaft der Frauen gecheckt. Die kolumbianischen Fußballerinnen gegen die Schwedinnen spielten schon am Nachmittag. England gegen Japan und Neuseeland gegen Mexiko waren mutmaßlich Paarungen, gegen die Würstchen und die Ausssicht auf die Dächer von Konstanz tatsächlich bestehen konnten. Das Grillen ist dann aus anderen Gründen doch ausgefallen.

Heute könnten wir um 15 Uhr Norwegen gegen Äquatorialguinea schauen und später Schweden gegen USA oder auch Nordkorea gegen Kolumbien oder Norwegen gegen Äquatorialguinea. Nicht verpassen möchten wir tatsächlich Brasilien gegen Australien wegen Marta um 18.15 Uhr. Dieser Termin kollidiert in Konstanz allerdings mit der Bürgerinitiative für ein kommunales Krankenhaus.

Wir selbst oder auch die deutsche Nationalmannschaft haben heute sozusagen noch einen Tag spielfrei. Morgen brauchen wir dann Schminke. Der Donnerstag wäre in jedem Fall, da sind wir sehr sicher,  schlecht für Freizeitaktivitäten abseits des Women’s World Cup. Um 20.45 Uhr geht’s gegen Nigeria. In der Konstanzer Hafenhalle wird es wieder ein Public Viewing geben. Ob dann endlich auch ein paar Fähnchen zu sehen sind?

Sprechen könnten wir ansonsten noch über Architektur für Astronauten. Wir dachten spontan an Außerirdische. Tatsächlich geht es aber um Menschen im Weltraum. Eine Autorin hat über das Leben und Arbeiten in außerirdischen Lebensräumen ein Buch geschrieben. Das Real Life im All bedeute „nicht nur umgebungsbedingt und technologisch“ eine Herausforderung, sondern auch in „sozialer und psychologischer Hinsicht“. Astronauten müssten sich auf eine „ganz besondere Wohn- und Arbeitssituation“ einstellen. Sehr überraschend klingt das nicht. Wir werden wohl auf ein Rezensionsexeplar großzügig verzichten. Höher als bis zur Dachterrasse hinauf steigen wir sowieso nur selten.

Erstaunt hat uns ansonsten die Karriere, die eine Nachricht machte. „Über 90 Prozent der in Kreuzlingen lebenden Deutschen fühlt sich dort nicht integriert. Über ein Drittel fühlt sich gar diskriminiert, so eine Studie“, titelte 20 minuten online. Ähnliche Schlagzeilen waren auch schon in vielen deutschen Zeitungen zu lesen, die eine dpa-Meldung weiterverbreiteten. Was nicht in großen Lettern da steht, ist: Die Meldung ist aus dem Zusammenhang gerissen.

Die Studie der Uni Konstanz ergab tatsächlich, dass das Verhältnis zwischen Einheimischen und Migranten in den Grenzstädten Konstanz und Kreuzlingen recht entspannt ist. Die Deutschen, die in Kreuzlingen wohnen, sind zwar schlechter integriert als Kreuzlinger Bürger anderer Nationalität. Viele Deutsche haben aber ihren Lebensmittelpunkt weiter in Konstanz. Die Interviewten wurden übrigens gar nicht gefragt, ob sie sich in Kreuzlingen als Deutsche, Frauen, Farbige, Schwule, Rothaarige, Kontaktlinsenträger, Fleischesser, Dicke oder Dünne diskriminiert fühlen.

Starten Sie gut in den Tag!

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