Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir über Ferien von Freiberuflern, noch einmal über den Sommer und über ein starkes Buch und darüber, was geschieht, wenn Kinder und Jugendliche Theater machen.

Welch ein verlockender, forscher aber leider naiver Gedanke – eine Woche Ferien am Bodensee. Was für die abhängig beschäftigte arbeitende Bevölkerung noch immer normal ist, der Anspruch, ein paar unbeschwerte Urlaubstage am See zu verbringen, ist für Freelancer anscheinend nicht vorgesehen.

Niemals möchte ich im Sommer den Bodensee verlassen – und schon gar nicht bei hochsommerlichem Badewetter wie in der vergangenen Woche. Das ist so. Vielleicht werde ich trotzdem demnächst nicht mehr umhin können und die Flucht antreten müssen.

Es reicht nicht, den wichtigsten Auftraggebern mitzuteilen, eine Woche „out of order“ zu sein, den Abwesenheitsassistenten des E-Mail-Programms zu aktivieren und das Smartphone absichtlich zu Hause liegen zu lassen. Manche rufen trotzdem noch wegen eines PR-Auftrags an, wenn es sein muss, sogar am Sonntagnachmnittag, einem lässigen Restsommertag.

Müssen wir in Zukunft zwei Mobiltelefone besitzen, eines fürs Private und eines für den Job und am Ende wohnen und arbeiten ganz scharf von einander trennen? Müssen wir weit weg fahren, wenn wir den Kopf  wieder einmal frei bekommen wollen?

Apropos Sommer. In der vergangenen Woche ist er angekommen, ein verspäteter Gast am Bodensee. Der August war kein dummer Monat mehr und gönnte uns eine Woche Sommer satt. Das Wetter ist immer noch schön in dieser neuen Woche, nur nicht mehr so heiß und der See ist merklich abgekühlt. Die Badewassertemperatur ist auf gefühlt frostige unter 20 Grad gefallen.

Passend zum nahenden Ende des Sommers haben wir ein Buch mit an den Seerhein genommen, das uns noch mehr frieren lässt als die Wassertemperatur. Gerard Donovans „Winter in Maine“ macht uns bewusst, dass es noch viel einsamer und kälter um uns werden könnte. Ein großartiges Buch, irgendwie verstörend aber unbedingt empfehlenswert.

In Hamburg – leider ist das nicht sehr nah – gibt es spannendes Theater. Künstler, Kinder in Schwimmwesten und somalische Piraten auf einer Videoleinwand haben bei einem Theaterstück, das nicht zufällig „Parlez!“ heißt, ihren Auftritt. Kinder fragen Piraten wie man ein Frachtschiff überfällt oder wie viel Geld die echten Jack Sparrows und Blackbeards bei ihren Piratenüberfällen so erbeuten.

Wie wird man überhaupt Pirat? Die somalischen Piraten erzählen vom von internationalen Fischfangflotten leer gefischten Meer vor Afrika, von Giftmüllverklappung und ihrem armseligen Leben und dem Hunger in Somalia. Die Kinder fragen unbefangen und das Stück erzählt auch, was Nachrichtenagenturen nicht immer vermelden.

Die Inszenierung weckt Erinnerungen an ein großartiges Stück des Konstanzer Jugendtheaters, wo Felix Strasser mit Konstanzer Jugendlichen und jungen Erwachsenen „9/11“ inszeniert hatte. Auch die jungen Konstanzer hatten ein bisschen anders gefragt und die Ereignisse und ihre Folgen aus einer etwas anderen Perspektive und frei von Vorurteilen erzählt.

Schade, dass die junge Truppe, die jungen Schauspieler nicht mehr zusammen spielen – es wäre ein gutes Stück zum zehnten Jahrestag des 11. September in der übernächsten Woche.

Vielleicht sollten Kinder und Jugendliche überhaupt öfter und unvoreingenommen fragen und wir sollten ihnen zuhören in Hamburg und Konstanz.

Starten Sie gut in die neue Woche!

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