Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir heute Morgen darüber, dass Qualitätsjournalismus seinen Preis hat und der Südkurier seine lokale Kulturberichtersttung schrumpft, über den Papstbesuch in Freiburg und darüber, dass Alkoholverbote keine Konstanzer Erfindung sind.

Beginnen wir mit dem Glasverbot. Machen wir es ein bisschen spannend und fragen: Was haben zum Beispiel die Stadt Hamm und die Stadt Konstanz gemeinsam? Wir verraten es Ihnen, das Wort hat zehn Buchstaben und beginnt mit einen „G“. Während in Konstanz gerade ein Student gegen das Glasverbot klagt, kann die Stadt Hamm anscheinend gar nicht genug vom Glasverbot bekommen.

Die Stadt Hamm plane eine Ausweitung des Glasverbotes. Wie der Oberbürgermeister der Stadt, Thomas Hunsteger-Petermann, unlängst gegenüber dem Westfälischer Anzeiger erläuterte, solle das Glasverbot auf weitere Orte in der Innenstadt und auf rund um die Uhr und an jedem Tag in der Woche ausgeweitet werden.

Davon ist der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank weit entfernt. Und die Innenstadt ist in Konstanz anders als im Westfälischen auch noch keine Verbotszone. Hier stören Scherben nicht.

Weiter möchten wir heute darauf hinweisen, dass die Tageszeitung Südkurier wieder einmal die Abopreise erhöhen und dabei keinesfalls die verbliebenen, geneigten Leser erschrecken möchte. Seit 66 Jahren stehe der Südkurier für Qualitätsjournalismus, lässt der Verlag wissen. Auch in Zukunft wolle die Zeitung eine „ausgewogene Mischung“ zwischen „schneller Information“ sowie „hintergründigen Reportagen und Berichten“ bieten, informierte die Zeitung. Wörtlich hieß es in der gedruckten Ausgabe vom Samstag: „Zur Wahrung Ihrer und unserer Qualitätsansprüche ist eine moderate Preisanpassung für das Abonnement notwendig.“

Ab dem 1. Oktober 2011 liege der monatliche Bezugspreis nun bei 29,80 Euro. Dies sei pro Exemplar gerade einmal eine Erhöhung um 3,6 Cent. Diese minimal Erhöhung könnte nun der begeisterte Zeitungsleser tatsächlich in die Tonne kicken und sich über seine Zeitung freuen.

Allerdings bedarf es möglicherweise erst einmal einer Verständigung darüber, was Verlag und Leser jeweils unter Qualitätsjournalismus verstehen. In Erinnerung rufen wir, dass der Südkurier nach Ansage aus dem Tarifverbund der Zeitungen ausgestiegen ist, um die Löhne seiner Mitarbeiter individuell anpassen zu können und um nicht mehr an Flächentarifverträge gebunden zu sein.

Trotz eines Streiks hat die Belegschaft zuletzt noch nicht einmal mehr einen Haustarifvertrag durchsetzen können. Die Löhne sollen nun zwischen dem Verlag und einzelnen Mitarbeitern individuell ausgehandelt werden. Wir wissen nun nicht, welche Auswirkungen das möglicherweise auf die Verdienstmöglichkeiten der Redakteure und den Qualitätsjournalismus in der Tageszeitung Südkurier haben könnte.

Was wir vernommen haben, ist aber, dass die Tageszeitung ihre Kulturberichterstattung schrumpft. Die tägliche lokale Kulturseite gibt es nun nicht mehr. Darüber empört hat sich das bildungsbürgerliche Konstanz, das wohl mit zu den treuen Abonnenten der Tageszeitung gehört und gerne über Chor- und Orchesterkonzerte, Aufführungen des Theaters oder auch Darbietungen von Komödianten sowie Vernissagen und Ausstellungen in den Museen lesen möchte. Mit zwei statt vormals fünf lokalen Kulturseiten dürfte sich der Hunger der Bildungsbürger kaum sättigen lassen.

Ein Konstanzer Kulturschaffender sagte uns bereits in diesem Sommer, dass freie Künstler auf die kostenlosen Hinweise im redaktionellen Teil der Tageszeitung angewiesen seien, besonders, wenn ein älteres Publikum angesprochen werde, das sich noch nicht so gut über das Internet erreichen lasse. Empört hat sich im Namen des Bildungsbürgertums auch Tobias Engelsing, heute Leiter der städtischen Museen in Konstanz und vormals selbst Lokalchef der Konstanzer Lokalzeitung.

Engelsing schrieb an die Redaktion: „Für die bedeutende Kulturszene mit ihren überaus zahlreichen Angeboten und Kulturinstitutionen, für Musikgruppen und Chöre, Autoren, Tanzkünstler, Kabarettisten und darstellende Künstler wird also weniger redaktioneller Platz zur Verfügung stehen und folglich werden auch weniger Anlässe redaktionell besetzt werden. Im Interesse von vielen Tausend kulturnutzenden Leserinnen und Lesern sollte der SÜDKURIER diesen Teilrückzug aus einem wichtigen, stark frequentierten Teil des lokalen Lebens noch einmal überdenken.“ Aus dem Hause Südkurier erhielt Engelsing eine schnöde, etwas überheblich klingende Absage. Für den Museumschef steht fest, dass die Nische in jedem Fall wieder besetzt werden müsse.

Sagen wir es so, der grüne Konstanzer Bundestagsabgeordnete Till Seiler möchte den Papst nicht hören – andere dagegen schon. Zum Papstbesuch in Freiburg rechnen die Veranstalter, wie die Deutsche Bahn mitteilte, am Wochenende 24. und 25. September mit mehr als 100.000 Besuchern.

Allein zwischen Offenburg und Freiburg (Brsg) Hbf sowie zwischen Basel Bad Bf und Freiburg (Brsg) Hbf verkehren am Samstag und Sonntag rund 55 zusätzliche Züge im Auftrag des Landes Baden-Württemberg. Zusätzliche Züge verkehren auch aus Stuttgart, Tübingen, Mannheim, dem Höllental und vom Hochrhein.

Alle Fahrplanangebote gibt es unter www.bahn.de.

Da die Stadt Freiburg für den Verkehr großräumig abgesperrt ist, müssen Besucher, die mit dem Auto anreisen, auf Parkplätze im Umland ausweichen. Hier werden rund 50.000 Menschen erwartet. Für den Transfer zwischen den Parkplätzen und dem Flugplatzgelände setzt die Bahntochter Südbadenbus am 25. September ab Mitternacht 140 Busse ein.

Weiter weist die Bahn darauf hin, dass aus Sicherheitsgründen mehrere Freiburger Bahnhöfe gesperrt sein werden.

Kommen Sie gut durch den Dienstag!

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