Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Das Leben ist kein Ponyhof und auch kein Piratenschiff. Und ein Montag ist erst Recht keines von beidem. Sprechen wir über über Flusen und Staubflocken in Konstanzer Klassenzimmern, trotzdem über die Piratenpartei und auch darüber, dass der grüne Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank die Arbeit des früheren CDU-Landtagsabgeordneten Andreas Hoffmann nachträglich öffentlich gerügt hat.

Der Bürger kann, sofern er ein berechtigtes Interesse hat, Einsicht in das Grundbuch nehmen. Ein berechtigtes Interesse besteht haben zum Beispiel Eigentümer oder Gläubiger. Möglicherweise oder sogar sehr wahrscheinlich werden Konstanzer bald aber keine Einsicht mehr im zentralen Grundbuchamt in der Rheingasse mehr nehmen können. Das Amt soll nach Villingen-Schwenningen verlagert werden.

Für den einzelnen Konstanzer Bürger mit berechtigtem Interesse ist das umständlich, vielleicht beschwerlich oder sogar ärgerlich, sofern er es nicht sowieso vorzieht, online ins Grundbuch zu schauen. So gesehen wäre der Verlust des Grundbuchamtes für uns, die wir nicht täglich ins Grundbuch schauen,  vielleicht nur eine kleine Verschlechterung – für die Stadt Konstanz hingegen wäre sie eine großer. Wieder einmal verliert das Oberzentrum Zentralitätsfunktionen. Reicht es nicht, dass der SWR längst aus Friedrichshafen sendet und  Konstanz auf der Wetterkarte im Dritten ausradiert ist?

Der Konstanzer Oberbürgermeister hat versucht, sich dagegen zu stemmen. Seine Interventionen blieben aber ohne Erfolg. Die schwarz-gelbe Landesregierung hatte vor ihrem Abgang noch vollendete Tatsachen geschaffen, so sagte es der grüne OB. Auch der damalige Wahlkreisabgeordnete Andreas Hoffmann (CDU) habe damals für das Aus für das Grundbuchamt gestimmt. Das sei nicht im Interesse der Stadt gewesen, rügte jetzt nachträglich Horst Frank.

Da wir gerade schon beim Rügen sind, sprechen wir nun also über die Staubflocken und Schlimmeres in Konstanzer Klassenzimmern. So wie es aussieht, ist es in den Schulgebäuden dreckiger geworden. Lehrer, Schüler und Eltern sind empört. Seit die Reinigungsarbeiten outgesourct seien, werde nur noch zweieinhalb Mal pro Woche gereinigt. Wenn wir in der vergangenen Woche einen Beschwerdeführer richtig verstanden haben, würde er für die Sauberkeit in Konstanzer Klassenzimmer nur noch die Note mangelhaft vergeben. Wir sagen nicht, dass Private grundsätzlich schlechter putzen als städtische Putzteufel – wer Kosten spart, muss aber mit mehr Flausen leben.

Bestens ist hingegen die Stimmung bei der Piratenpartei. In der vergangenen Woche kamen viel mehr Piraten und Interessierte als sonst zum Konstanzer Stammtisch. Die Piraten redeten sich die Köpfe so heiß, dass er nicht einmal zum Essen seiner Kässpätzle gekommen sei, sagte der Kreisvorsitzende Benno Buchczyk hinterher. Nicht nur in Berlin, sondern auch bundesweit segeln die Freibeuter aktuell auf  Halbwindkurs und so schnell wie noch nie in Umfragen nach oben und hinein in Talkshows. Beim Deutschland-Trend haben sie sogar einen eigenen Balken bekommen und erreichten 4 Prozent. Andererseits hatten Umfragen noch kurz vor der Berlin-Wahl ergeben, dass 55 Prozent die Piratenpartei für keine ernstzunehmende Partei halten. 30 Prozent wiederum waren gegenteiliger Meinung.

Wir fragen uns nun, was wäre wenn am kommenden Sonntag Oberbürgermeisterwahl in Konstanz wäre? In Bühl stellt sich am kommenden Wochenende ein Fachinformatiker bei der OB-Wahl für die Piraten zur Wahl.  Die Konstanzerin Ute Hauth, die Mitglied des Landesvorstands der Piraten ist, wahlkämpfte mit-  wie sie getwittert hat. Auch in Ludwigsburg gab es bereits einen piratigen Kandidaten. Nicht auszuschließen dürfte es sein, dass auch die Konstanzer Piraten bei der Oberbürgermeisterwahl einen Piraten ins Rennen schicken.

Immerhin wählte Konstanz vor noch nicht ganz 16 Jahren den ersten grünen Oberbürgermeister Deutschlands. Ein besseres Pflaster für die orangefarbenen als die grüne Unistadt, bei der die Piraten bei der letzten Bundestagswahl immerhin auf 3,6 Prozent der Stimmen kamen, dürfte es kaum geben.

Schon heute könnten wir uns für die Idee begeistern, dass das Oktoberfest auf Klein-Venedig 2012 womöglich schon von einem Piraten angezapft werden könnte, der dann nach mutmaßlich vier bis fünf Hammerschlägen und durchnässt ein freudiges „o zapft is“ ins Festzelt rufen würde. Der Münchner OB Christian Ude braucht mittlerweile nur noch zwei Schläge.

Andererseits hätten wir uns vor 16 Jahren auch Horst Frank nicht unbedingt als Festochsen, Oktoberfestbesucher, Städtetagsvizepräsident oder Regierungspäsidenten in Stuttgart vorstellen können, was er nun aber doch nicht werden kann, weil Johannes Schmalzl am Freitag (leider) nicht neuer Generalbundesanwalt geworden ist. Der Wind der Veränderung weht trotzdem auch im Südwesten weiter.

Starten Sie gut in die neue Woche!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. dk
    26. September 2011 at 10:35 #

    … die Piratenpartei für keine ernstzunehmende Partei …

    Das Problem für Politker dürfte sein, dass Hightech, IT und Internet auch mit den Begriffen „Zukunft, Inovation, Wettbewerbsfähigkeit usw.“ verbunden sind.

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