Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute erwartet uns noch einmal ein schöner Spätsommertag mit Temperaturen bis 25 Grad. Das Wasser im Bodensee und Seerhein hat „gefühlt“ noch knapp 19 Grad. Trotzdem sind wir empört, wenn auch nicht übers Badewetter.

Wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahlen wären, könnten es die Piraten ins Parlament schaffen. Und das wäre auch nötig und wir sagen auch gleich warum: Schuld ist das Denken von vorgestern  der alten Parteien. Urheberrechtsverstöße im Internet möchte Siegfried Kauder, Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestags, in Zukunft plötzlich mit einer Sperrung des Internetzugangs ahnden. Und das alles ganz ohne Gerichte.

Für die Piratenpartei ist so ein Vorschlag eine Steilvorlage. Siegfried Kauder, der anscheinend noch daran glaubt, dass Meinungsbildung im muffigen Hinterzimmer eines Wirtshauses stattfindet und Brieftauben Depeschen von einem Ort zum anderen transportieren, bereitet so einem Sechsparteiensystem den Weg.

Wer Politik an einer Generation vorbei macht, die mit dem Internet aufgewachsen ist und die sich dagegen wehrt, dass Unwissende ihre digitale Lebenswelt mit unsinnigen Maßnahmen regulieren, macht eine Politik  für die Piratenpartei. Das biologische Lebensalter dürfte allerdings noch nicht einmal so ganz entscheidend sein – auch Digital Immigrants empören sich.

Besser als Kauder gemacht haben es da in der vergangenen Woche übrigens die Konstanzer Kommunalpolitiker. Sie beschlossen einen Live-Stream auf Probe von Gemeinderatssitzungen, machen ihre Politik damit freiwillig transparenter und öffentlicher und sie nehmen den Piraten den Wind aus den Segeln.

Falls Sie der Meinung sein sollten, wir hängen die Piraten zu hoch, möchten wir nur am Rande darauf hinweisen. Dass die Grünen als ehemalige Protestpartei nur deswegen groß geworden sind, weil die damals etablierten Parteien und besonders die SPD verkannt hatten, dass ein ökologisches Bewusstsein entstanden war. Das ist jetzt 30 Jahre her.

Das Internet ist längst eine vielbefahrene Datenautobahn. Menschen arbeiten heute slebstverständlich mit dem Netz, schicken riesige Datenmengen auf Clouds zu ihren Kunden. Die Datenautobahn zu sperren, hätte für Blogger und Medienmenschen in etwa dieselbe Auswirkung wie ein Fahrverbot auf allen Autobahnen für eine Spedition. Siegfried Kauder versteht das anscheinend nicht.

Themenwechsel: Erfolgreich war offenbar der Trip des Konstanzer Theaters in den Irak. Auf Einladung des Ministeriums für Kultur und Jugend der Regionalregierung Kurdistan zeigte das Konstanzer Theater seine von Thorleifur Örn Arnarsson inszenierte „Mutter Courage und ihre Kinder“ beim Ersten internationalen Theaterfestival in Erbil Kurdistan/Irak. Am Montag vergangener Woche fand die Aufführung in der mit 700 Menschen gefüllten Media Hall statt.

Bertolt Brechts Klassiker über den verzweifelten Kampf der Menschlichkeit im Angesicht der eiskalten Mechanik des Krieges traf in Erbil auf ein Publikum, für das die Erfahrung von Krieg und Gewalt noch höchst gegenwärtig ist. Auch wenn die meisten Zuschauer die deutsche Sprache nicht sprachen, ließen die gewaltige Bildsprache der Inszenierung und das hochemotionale Spiel der Konstanzer Darsteller das Publikum anscheinend nicht unberührt. Bei der Abschlussveranstaltung am Samstag wurde die Konstanzer Inszenierung von der siebenköpfigen Jury mit gleich vier Auszeichnungen geehrt.

Suchen Sie gerade eine neue Stelle? Nach einer aktuellen Studie von Nielsen ist Monster.de die bekannteste Jobbörse Deutschlands. Damit ist das US-Portal aber noch nicht das beliebteste. Das Medienmagazin Meedia hat die Nutzerzahlen der größten Job-Portale und –Suchmaschinen verglichen. Das Ergebnis sieht so aus: Mit 1,8 Millionen Unique Visitors führt die Arbeitsagentur das Ranking deutlich an, gefolgt von Stepstone mit 1,1 Millionen Unique Visitors. Monster.de folgt mit 920.000 Unique Visitor erst auf Rang drei.

Falls Sie heute schon Ihr Wochenende planen sollten und Tatortfan sind: Auf den Spuren von „Tatort“-Kommissarin Klara Blum führt die Stadtführung der Tourist-Information Konstanz am Sonntag,  2. Oktober, um 10.30 Uhr wieder an verschiedene Drehorte des Bodensee-Tatorts in der Konstanzer Innenstadt. Die Tour dauert zwei Stunden und damit ein bisschen länger als der Fernsehtatort. Treffpunkt ist wie immer die Tourist-Information im Bahnhof. Den nächsten Tatort am Sonntagabend mit Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum gibt’s dann wieder am 16. Oktober. Titel des Bodensee-Tatorts „Das schwarze Haus“.

Kommen Sie gut durch den Donnerstag!

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Daisendorfer
    29. September 2011 at 08:43 #

    Kleine Brüder sind oft nervig. Das erfährt gerade wohl auch Volker Kauder am eigenen Leib. Was Siegfried da von sich gibt ist wirklich unglaublich – weltfremd und ein weiterer Beweis, dass er die Zeichen der Zeit nicht verstanden hat.Was ist, wenn ein Familienmitglied einen Song herunterzieht? Sippenhaft, da nur ein Internetanschluss im Haus? Da sollten andere Mechanismen greifen. Auf das Papierzeitalter übertragen: Herr (S) Kauder würde wohl auch einem Bücherdieb als sanktion die Lese-Brille wegnehmen….

  2. Papuga
    29. September 2011 at 09:21 #

    @Daisendorfer guter Vergleich! Aber seiner Meinung nach sollten der gesamten Familie alle Lesebrillen weggenommen werden.

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