Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir über den Südkurier, die Titanic, den Euro und einen unangenehmen Traum.

Der Konstanzer Lokalblogger und frühere Südkurier-Lokalredakteur Erich Gropper, der noch immer zu den best informierten Journalistenkollegen in Konstanz gehört, hat gestern auf dem Blog dornröschen.nu  die Verleihung des Journalisten-Preises der Konrad-Adenauer-Stiftung an den Südkurier hinreichend, auf eine sehr eigene  Art und auch ein bisschen hämisch gewürdigt. „Insider gehen davon aus, dass der Südkurier demnächst an die Augsburger Allgemeine Zeitung verkauft wird“, schrieb Gropper neben anderen Artigkeiten anlässlich der Preisvergabe. Konzernchef Stefan von Holtzbrinck habe zwar zum Preis gratuliert, vermied aber, wie Gropper protokollierte, jede konkrete Aussage zur Zukunft der Heimatzeitung.

Die Titanic war ein Passagierschiff der britischen Reederei White Star Line. Bei der Indienststellung am 2. April 1912 war sie das größte Schiff der Welt. Wallace Hartley, der Kapellmeister und seinen Orchester, spielten weiter und immer weiter bis zum Schluss.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was ein Journalisten-Preis mit dem Untergang der Titanic zu tun hat? Sagen wir es so: Das Durchschnittsalter der Abonnenten der Schwäbischen Zeitung liegt laut Medienmagazin „Journalist“ bereits heute bei bei 59 Jahren. Aktuelle Zahlen aus dem Medienhaus Südkurier kennen wir leider nicht.

Woran wir  anlässlich der Vergabe des Preises an den Südkurier am Montag dieser Woche unsererseits  noch einmal erinnern möchten, ist der Umstand, dass die 1945 gegründete spätere Holtzbrinck-Regionalzeitung ihren Mitarbeitern bis heute nicht einmal einen Haustarifvertrag zugesteht. So viel Wertschätzung bringt Geschäftsführer Rainer Wiesner also seiner Belegschaft entgegen. Da können, wie wir meinen, Wiesner und Chefredakteur Stefan Lutz den Journalisten-Preis drehen und wenden wie sie wollen: Der Makel bleibt.

Hinweisen möchten wir heute Morgen ansonsten noch auf einen spannenden Abend zum Thema Euro. Heute Abend laden die Konstanzer Liberalen zu einem Diskussionsabend über den EU-Rettungsschirm ein. Das Impulsreferat hält Prof. Dr. Friedrich Breyer. Los geht’s in der Gerstensack-Stube im Restaurant Barbarossa um 19 Uhr. Ob Griechenland womöglich bis dahin schon pleite ist?

Heute Morgen sind wir noch vor dem Wecker nach einem bösen Traum hochgeschreckt. Hätten wir unser Geld doch besser auf die Cayman Islands oder doch wenigstens nach Kreuzlingen bringen sollen, fragten wir uns bang? Dann ist uns zum Glück eingefallen, dass wir  ja gar kein Geld haben. Das dauernde Banken und Staaten retten macht uns noch ganz kirre.

Kommen Sie gut durch den Mittwoch!

4 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. antares
    12. Oktober 2011 at 12:15 #

    „…dass die 1945 gegründete spätere Holtzbrinck-Regionalzeitung ihren Mitarbeitern bis heute nicht einmal einen Haustarifvertrag zugesteht. So viel Wertschätzung bringt Geschäftsführer Rainer Wiesner also seiner Belegschaft entgegen. Da können, wie wir meinen, Wiesner und Chefredakteur Stefan Lutz den Journalisten-Preis drehen und wenden wie sie wollen: Der Makel bleibt.“

    Tja. Außen hui, innen pfui. Der Preis der Adenauer-Stiftung hat ja auch schon das G’schmäckle der Herkunft: stramm rechts. Angesichts der Zustände im Unternehmen – strikte Ablehnung einer „Einmischung“ durch Ver.di, der Betriebsrat soll die Drecksarbeit übernehmen und ansonsten kuschen – über Fundamente der Demokratie zu schwadronieren, zeugt von Chuzpe. So praktiziert von Wiesner in der Feierstunde im Konzil. Vermutet werden darf eine Vorliebe für so demokratische Einrichtungen wie Klassen- oder Ständewahlrecht. Oder doch das Motto „l’enterprise c’est moi!“, dem Sonnenkönig vom Oberlohn entsprechend.

  2. Stefan Wehmeier
    12. Oktober 2011 at 12:21 #

    Die größte anzunehmende Katastrophe der Weltkulturgeschichte (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) lässt sich vom „Euro-Rettungsschirm“ nur insofern beeindrucken, als dass sie damit etwas verzögert werden kann, aber der endgültige Zusammenbruch der Weltwirtschaft dafür umso schneller und heftiger erfolgt:

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/10/geldpolitik.html

  3. Bübi
    12. Oktober 2011 at 22:28 #

    Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass im SK-online zu diesen Berichten eine Kommentar-Möglichkeit “Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:” nicht vorhanden ist?

  4. antares
    12. Oktober 2011 at 22:58 #

    Bübi sagt: Mittwoch, 12. Oktober 2011 um 22:28
    Ist Euch eigentlich aufgefallen, dass im SK-online zu diesen Berichten eine Kommentar-Möglichkeit “Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung:” nicht vorhanden ist?

    Das ist vermutlich eine Facette von Wiesners Demokratieverständnis. SK-online von unten sozusagen.

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