Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute starten wir sozusagen in die erste recht normale Arbeitswoche. Aber was heißt in diesem Jahr schon normal, wo wir tagelang nicht einmal mehr wussten, wem wir eher glauben sollten, der Bild-Zeitung oder dem Bundespräsidenten? Die dritte Möglichkeit wäre, keinem von beiden. Schauen wir aber erst einmal nicht nach Berlin, sondern auf unsere kleine Welt.

Wir haben nicht sehr viel Zeit in diesem Jahr. Denn am 21. Dezember endet der Maya-Kalender. Untergangspropheten rechnen deswegen an diesem Tag mit dem Weltuntergang. Das Magazin der Spiegel hat in seiner ersten Ausgabe in diesem Jahr ein hübsches Szenario entworfen, wie die Medien diesen Tag wohl begehen werden.

Auch wir sorgen uns ein bisschen, obwohl wir uns nicht zu den Weltuntergangspropheten zählen. Wir fragen uns bang, welche Männer und Frauen werden wohl noch eine anstrengende und kostspielige OB-Kandidatur in Konstanz anstreben, wenn ihre Amtszeit mutmaßlich nur sehr kurz währen könnte? Am 1. Juli 2012 wählen die Konstanzer einen neuen Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin. Die Grünen, die die strukturelle Mehrheit in der Stadt haben, suchen per Stellenanzeige nach einem Kandidaten. Einsendeschluss ist der 31. Januar.

Konstanz ist eine grüne Stadt. Und wenn sich Oberbürgermeister Horst Frank (Grüne) im September 2012 nach 16 Jahren aus dem Rathaus verabschiedet, möchten die Grünen mutmaßlich gern auch wieder den neuen Oberbürgermeister oder die neue Oberbürgermeisterin stellen. Am vierten Adventssamstag fahndeten sie in Zeitungsanzeigen nach einem geeigneten Kandidaten. Noch hat sich kein Bewerber öffentlich geoutet – außer der nach Sindelfingen verzogene Klaus Frank vielleicht. Er sammelt aber erst einmal Spenden und will sich dann entscheiden.

Dass es mit Kandidaten nicht ganz leicht werden könnte, zeigt der Blick ans andere östliche Ende des Sees. Am 12. Februar 2012 wählen die Lindauer einen Oberbürgermeister oder eine Oberbürgermeisterin. Wieder antreten wird in Lindau OB Petra Seidl. Die CSU hatte ihren Kandidaten zwischenzeitlich verloren und der Piratenkandidat schaffte es nicht, 150 Unterstützerunterschriften für ihren Kandidaten zu sammeln.

In Konstanz brauchen die Bewerber übrigens 100 Unterstützerunterschriften. Sollte Sie ein Bewerber um eine Unterschrift bitten, wären wir sehr daran interessiert, auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Konstanz ist übrigens eine schöne Stadt und die Verwaltung hat sozusagen in den vergangenen Jahren ihre Hausaufgaben im Großen und Ganzen gemacht. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt ein schneller Blick nach Überlingen. Dort hat es die Stadt in den vergangenen zehn bis 15 Jahren versäumt, die städtischen Gebäude instand zu halten. Die Einnahmen der Stadt sind bescheiden – angesichts des Investitionsstaus gar winzig. Auch bei der Lösung des Verkehrsproblems hat es seit vielen Jahren keinen Durchbruch gegeben. Um es kurz zu machen: Den schwarzen Peter hat jetzt OB Sabine Becker.

Aus der Ferne vermögen wir nicht zu beurteilen, ob die Oberbürgermeisterin einen guten Job macht. Nur so viel sehen wir aber klar: Sie kann es schier niemandem Recht machen – am wenigsten ihrer eigenen CDU, den vielen Bürgerinitiativen und der Lokalzeitung.

Bang fragen wir uns da: Wie attraktiv ist ein Job in einem Rathaus heutzutage eigentlich? Zeit für privates Leben bleibt auch kaum mehr. Hoffentlich finden sich für Konstanz da in den kommenden Monaten ein paar Bewerberpersönlichkeiten, die sich tatsächlich engagieren möchten, fachlich und sozial kompetent sind und die womöglich sogar noch ein bisschen humanistische Bildung mitbringen.

Wünschen dürfen wir uns ja was zum Jahresanfang, oder?

Starten Sie gut in die neue Woche!

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