Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen möchten wir in wenigen Sätzen dem SPD-Stadtrat Jürgen Leipold huldigen und über Elefanten im Wollmatinger Ried sprechen. Ausnahmsweise müssen wir auch noch Dorothee Jacobs-Krahnen erwähnen, sie aber keineswegs lobend erwähnen.

Jürgen Leipold, SPD-Fraktionsvorsitzender im Konstanzer Gemeinderat, gehört seit 40 (!) Jahren dem Kommunalparlament an. Gestern Abend ließ ihm die Stadt deswegen eine Ehrung zu Teil werden. Gekommen waren zur Würdigung viele grauen Panther, die früher einmal mit Jürgen Leipold zusammen mit Ratssaal saßen.

Wir möchten Jürgen Leipold heute auf unsere eigene Art würdigen. Vier Jahrzehnte sind eine sehr lange Zeit und der eine oder andere stellte denn auch schon die unbequeme Frage, ob das denn jetzt tatsächlich ein Grund sei, sich ehren zu lassen? Wir finden ja.

Jürgen Leipold ist ein blitzgescheiter Stadtrat, dessen Genialität aufblitzt, wenn er mit einem Redebeitrag plötzlich ein Thema aus einer vollkommen anderen Perspektive beleuchtet und es schafft, aus dem Stegreif eine Mehrheit zu organisieren.

Für Überraschungen ist Jürgen Leipold immer wieder gut. Am vergangenen Montag stellte er zum Beispiel in der Nachsitzung nach der Fraktionssitzung der SPD im Costa die Frage, wie sehr der Klimawandel wohl die Tierwelt am Bodensee beeinflusst. Wenn er sich die neue Grünbrücke über die B 33 anschaue, frage er sich, ob demnächst Elefanten die Straße überqueren wollten und bald Elefanten das Wollmatinger Ried besiedeln.

Streng genommen hat er Recht. Die Brücke wirkt selbst aus der Froschperspektive vom Auto aus gesehen tatsächlich etwas sehr überdimensioniert. Vielleicht hat Jürgen Leipold ja Recht mit den Elefanten. Afrikanische Elefantenbullen bringen es aber immerhin auf fünf Tonnen.

So, mehr würdigen möchten wir dann aber doch nicht. Demnächst tritt Jürgen Leipold übrigens als Fraktionsvorsitzender zurück. Die Fußstapfen, in die seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger treten, haben wahrlich Elefantengröße.

Gar nicht huldigen wollen wir hingegen Dorothee Jacobs-Krahnen. Zurecht empörte sich der Konstanzer Gemeinderat gestern über das Verhalten des Konzerns Takeda, der 700 Arbeitsplätze in Konstanz abschafft. Der Gemeinderat verabschiedete einstimmig eine Resolution, die den Menschen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, aber leider auch nicht mehr hilft.

Sehr betroffen zeigte sich auch Dorothee Jacobs-Krahnen, die an das Schicksal von 700 Familien erinnerte. Wir haben ihre Bekundung allerdings ein bisschen heuchlerisch empfunden. Immerhin ist Dorothee Jacobs-Krahnen die stellvertretende Vorsitzende der VHS. Freie Mitarbeiter hatten sich vor wenigen Wochen erst massiv über die soziale Kälte bei der VHS und besonders über Dorothee Jacobs-Krahnen beschwert. In Gesprächen hatte sie einigen Dozenten gesagt, dass sie die VHS in Zukunft wegen des Problems der Scheinselbständigkeit nur noch weniger Kurse leiten lassen könne. Geld gebe es, so eine weitere Neuerung, auch erst am Ende eines Semesters, also nach Monaten. Einige, die schon Jahre lang für die VHS arbeiten, sagten, sie seien auf die regelmäßigen Einnahmen angewiesen.

Wir möchten den Schauspieler Siegfried von Vegesack zitieren, der einmal sagte: „Am Anfang war das Wort, aber vor dem Wort war das Schweigen.“ Es wäre besser gewesen, die Stadträtin hätte bei dieser Debatte geschwiegen.

Kommen Sie gut durch den Freitag und ein schönes Wochenende!

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