Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute sind wir spät dran und machen es kurz. Sprechen wir noch einmal über die Fastnacht und über unsere kleine Unterhaltung über Gauck in Facebook.

Wissen Sie, wie es sich anhört, wenn Autoräder über Glasscherben rollen? Heute nach bin ich um halb vier aufgewacht, weil die Ohrstöpsel unangenehm juckten. Da war es endlich ziemlich still in der Gasse.

Unsere Altstadt sah aus wie eine Müllkippe. Inzwischen war längst die Stadtreinigung da.

Gerade habe ich schnell ein Brot beim Vogelbeck in der Paradiesstraße geholt. Unterwegs waren noch viele Normalos aber auch schon wieder die ersten Verkleideten. An einem Rosenmontag ist Letzteres normal.

Jetzt sind es nur noch zwei beschissene Tage und Nächte, dann ist endlich wieder Schluss mit dieser Fastnacht, die in Konstanz viel länger dauert als in den meisten anderen Städten. Die Erfahrung lehrt, dass eine große Zahl Feiernder selbst nach der Fastnachtsverbrennung am Dienstagabend einfach weiter macht, als ob nichts geschehen wäre, und weiter grölen werden sie auch. Es wird wieder bis nach Mitternacht dauern. So viel zum Thema Brauchtum.

Solches Verhalten, wie wir es gerade wieder in Konstanz erleben, halte ich für nicht mehr tolerabel. Ich halte es mit Rosa Luxemburg, von der das Zitat stammt „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern“. Die Freiheit der einen endet meiner Meinung nach ganz praktisch da, wo sie die Freiheit anderer einschränkt.

Grenzen werden an der Fastnacht tagelang überschritten. Es mangelt an Respekt vor Sachen und an Rücksichtnahme auf Menschen.

Wer schlaflose Nächte hat, kommt auf irre Ideen:  Entweder schaffen wir das Glasverbot im Sommer am See wieder ab oder führen es an Fastnacht in der Altstadt ein. Wahrscheinlich bräuchte man da aber eine ganze Truppe Bereitschaftspolizei und mehr als nur einen bissigen Polizeihund, um es zu überwachen.

Sprechen wir noch über unseren mit hoher Wahrscheinlichkeit neuen Bundespräsidenten. Die Wahl finder ja erst noch statt. „Der Kandidat Joachim Gauck wurde und wird in den Himmel gehoben. Dort wird der Präsident Gauck nicht bleiben“, schreibt Heribert Prantl in der Süddeutschen Online.

Prantl hat uns zum Start in die neue Woche ein in bisschen Orientierung gegeben und die Ereignisse eingeordnet. Das erwarten wir auch von einer guten Zeitung. Prantl lobt Gauck, der gestern leicht verwirrt und ungewaschen aber dafür menschlich auftrat, also nicht in den Himmel. Das ist gut so.

Heute Morgen hätten wir sogar die Printausgabe der Süddeutschen gekauft, aber in der Ausgabe, die wir in Konstanz bekommen, dürfte dieser Kommentar noch nicht drin stehen. Deswegen haben wir sie wieder nur online gelesen, wie wir es regelmäßig tun, seit wir das Abo gekündigt haben, weil wir dauernd so viel im Web lesen.

Dass es Gauck ist, ist erst einmal in Ordnung, weil er ein Mensch mit Verstand und ein guter Redner ist. Wir haben Anlass anzunehmen, dass wir uns vielleicht mit ihm reiben müssen – aber uns wenigstens nicht für ihn fremdschämen zu brauchen. Bei Twitter haben wir heute Morgen schon wieder Tweets gelesen, wie „Für den #Gauck hat die #Piratenpartei schon genug Material gesammelt, dass es für einen #Rücktritt reicht“. Lasst es doch bleiben.

Solche Links habe ich nicht angeklickt. Auf Facebook gab es schon eine kleine Debatte über das Dauermäkeln. Zum Thema Kritik an Gauck schrieb ein Facebook Freund. „Das bleibt sicherlich nicht aus, schließlich haben sich nicht nur die (zu Recht) kritischen Medien, sondern auch die Universal-Mauler jetzt so richtig warm gelaufen.“

Ich finde, wir sollten Gauck eine Chance geben, erst einmal unabhängig davon, was er über die Occupy Bewegung oder über Sarrazin gesagt hat. Da war er schließlich noch nicht Präsident und Zitate werden auch gern einmal unzulässig verkürzt.

Starten wir gut in die neue Woche!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Horst Anstatt
    28. Februar 2012 at 01:38 #

    Quatsch ein Bundespräsident gehört in einer Demokratie vom Volk gewählt. Es ist daher für das Volk egal ob sein Name Wolff oder Gauck ist.
    Wir sollten uns besser fragen ob wir in einer Demokratie leben, wir könnten wieder eine Monarchie einführen die wird auch nicht vom Volk gewählt

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