Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Der Montag beginnt grau, nass und gar nicht frühlingshaft. Wir eröffnen das Blog mit einer guten Nachricht für Kommunalpolitiker.

Wer twittert und postet, erhöht seine Wahlchancen. „Politiker, die Social Media aktiv nutzen, erhalten tendenziell mehr Stimmen als die digital Abstinenten“, berichtete die NZZ online und bezog sich auf eine Forschungsarbeit. Interessant sein dürfte der Beitrag auch für alle, die 2014 wieder bei der Kommunalwahl antreten möchten.

Am 20. März geht es bei einer Podiumsdiskussion im Konstanzer Konzil um den Konstanzer Alt-OB Bruno Helmle. Diskutieren werden an dem Abend Prof. Dr. Lothar Burchardt (Universität Konstanz), Prof. Dr. Wolfgang Seibel (Universität Konstanz) und Priv.-Doz. Dr. Jürgen Klöckler (Stadt Konstanz), die das Gutachten über Helmles NS-Vergangenheit erstellt haben. Moderieren wird der Historiker Prof. Dr. Rainer Wirtz. Wir fragen uns heute Morgen: Gibt es eigentlich keine Zeitzeugen mehr? Wie benahm sich Helmle als Oberbürgermeister? Worüber hat er gesprochen? Welche Haltungen nahm er ein?

Am 29. August 1970, einem Samstag, erschoss der Arbeiter Hans O. den damals 17 Jahre alten Lehrling Martin K. Das Mordopfer hatte sich am Nachmittag mit Freunden auf dem Blätzle-Platz nahe des heutigen Kaufhauses Karstadt getroffen. Die drei jungen Männer saßen auf der Rückenlehne einer Bank. Der Täter, der behauptet haben soll, der „Bürgerwehr“ anzugehören, forderte die jungen Männer auf zu verschwinden. Dann drückte er ab und erschoss Martin K. Mit einem Hasentöter. Der Schuss traf ihn mitten ins Herz. Zuvor war in der Stadt Stimmung gegen „Langhaarige“ und Hippies gemacht worden, heißt es. Der sogenannte „Gammlermord“ passierte, als Helmle Oberbürgermeister in Konstanz war.

Die Studentenproteste und der Ruf nach Aufklärung dürften ihm eher unangenehm gewesen sein. Trat Helmle bräunlicher Gesinnung womöglich nicht entschieden genug entgegen?

Jüngere Konstanzer hätten gern eine Antwort auch auf diese Frage.

Apropos Oberhäupter. Ex-Bundespräsident Christian Wulff verzichtet nicht. Zu tun scheint es hingegen dessen ebenfalls zurückgetretener Amtsvorgänger Horst Köhler. Er verzichtet Medienberichten zur Folge auf seinen Ehrensold.

Ansonsten müssen wir in dieser Woche noch einmal nach Überlingen schauen, wo ein mehr als zweijähriger Verkehrsdialog endet. Die Frage lautet: Kann Bürgerbeteiligung funktionieren, wenn am Ende der Gemeindeart die Entscheidung trifft?

Was passiert, wenn sich die gesamte bürgerliche Fraktion von Sprechern des Handels, dem Wirtschaftsverbund Überlingen (WVÜ) beugt? Wie verhält es sich mit direkter und repräsentativer Demokratie? Die Lokalzeitung möchte es ihren Anzeigenkunden, den Gewerbetreibenden, ebenfalls Recht machen. Anscheinend traut sich niemand zu fragen, ob der Handel seine Behauptung, dass in einer Fußgängerzone angeblich die Umsätze wegbrechen, überhaupt belegen kann. Hätten die Konstanzer so gehandelt, wäre die Marktstätte heute noch Parkplatz statt Piazza.

Wie klein manche Händler denken, zeigte sich übrigens in einer Sitzung des Ausschusses für Technik und Verkehr. Als der Überlinger Bürgermeister sagte, dass die heutige Christophstraße keine hohe Aufenthaltsqualität biete und auf ihn nicht einladend wirke, raunte eine Händlern einem anderen Zuhörer die Frage zu: „Hat der bei Euch schon mal was gekauft?“

Starten Sie gut in eine spannende Woche!

 

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