Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Auch nach Ostern suchen sie noch. Wir meinen die Parteien in Konstanz, die noch immer mit dem OB-Kandidaten-Casting beschäftigt sind. Wir legen ab heute wieder täglich unser Frühstücksei.

Bei dem Schmuddelwetter am Wochenende ist es an der Zeit gewesen, uns nach Monaten wieder einmal mit einem gedruckten „Stern“ auf das Sofa zu verziehen. Das Magazin stellt in seiner Ausgabe von der vergangenen Woche die Frage „Stadt oder Land?“ und gibt auch gleich die Antwort. Das urbane Leben macht so richtig etwas her.

Stadtluft, das wissen wir seither, macht nicht nur frei, sondern auch klug und glücklich. Das liegt zum Beispiel an der ganzen Kultur um uns rum. Wir meinen Museen, Theater, Musik und Galerien. Statt im Supermarkt kauft der urbane Mensch also Bioprodukte auf dem Wochenmarkt und die Wege sind kurz. Das kreative Milieu ist auch ganz schick.

Sehr aufschlussreich fanden wir eine Grafik, die zeigt, wie sich Einwohnerzahlen in Städten und Regionen verändert haben, was die Menschen so erwirtschaften und was ein Reihenhaus kostet. Wir werden mehr. Seit 1995 hat die Einwohnerzahl in Konstanz, wie die Grafik zeigt, um 7,9 Prozent zugenommen. Zum Vergleich: Freiburg sogar plus 12,5 Prozent und Stuttgart plus 3,6 Prozent. Und bitte mal kurz merken: Hagen minus 11,1 Prozent, Wuppertal minus 8,4 Prozent oder auch Goslar minus 11,5 Prozent.

Kommen wir jetzt zum Preis für ein Reihenhäuschen. In Konstanz müssen Käufer 400.000 Euro hinblättern. Das ist genauso teuer wie in Stuttgart. In Freiburg kostet das Reihenhaus hingegen nur 350.000 Euro.

Vielleicht sollten wir aber doch lieber nach Hagen, Wuppertal oder Goslar ziehen. Dort koste die Immobilie 180.000 Euro, 235.000 Euro und 135.000 Euro.

Vielleicht liegt der hohe Preis auch für Reihenhäuser daran, dass es bei uns nur wenig Bauplätze aber selbstverständlich auch so tolle urbane Dinge gibt wie Guerillagärten und nette Kneipen. Konstanz ist in Bewegung, dynamisch und lässig. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass wir uns als Teil der Metropolitan Region Zürich wähnen dürfen und der Zug direkt zum Airport fährt. Wir gehören zum Verein.

Die Kantone, Städte und Gemeinden im Lebens- und Wirtschaftsraum Zürich arbeiten seit der Gründung des Vereins Metropolitanraumes Zürich vor drei Jahren zunehmend enger zusammen und vertreten die Interessen der Region miteinander. Die Stadt Konstanz beteiligt sich seit ihrem Beitritt als assoziiertes Mitglied ihrerseits an den Veranstaltungen des Metropolitanraumes Zürich und bringt sich ein.

Aufgrund der wirtschaftlichen, kulturellen und infrastrukturellen Verflechtungen zwischen Konstanz und Zürich sei dies auch sinnvoll. Konstanz nehme eine Scharnierfunktion zwischen dem Metropolitanraum und der Vier Länder Region Bodensee wahr, entnehmen wir einer Sitzungsvorlage für den Haupt- und Finanzausschusss.

Apropos Finanzen: Das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner lag in Konstanz 2010 bei 28.679 Euro. Das ist in etwa in der Größenordnung von Wuppertal. Zum Vergleich: In Freiburg waren es 37.862 Euro und in Stuttgart 54.147 Euro.

Mögliche OB-Kandidaten könnten die Wirtschaft denn auch schon einmal auf ihre To-Do-Liste setzen.

Starten Sie gut in den ersten Montag nach den Osterferien!

2 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Max
    16. April 2012 at 14:22 #

    Das relativ niedrige BIP in Konstanz könnte auch daran liegen, dass hier relativ viele Studenten und Rentner wohnen – ich könnte mir vorstellen, dass das einen Großteil des Unterschieds zu Stuttgart erklärt, neben Porsche und Daimler-Benz natürlich.

    Kurze, ernstgemeinte Frage noch: Wo gibt’s in Konstanz Guerillagärten?

    • wak
      16. April 2012 at 14:30 #

      @Max Ich weiß nicht genau, ob es auch Guerillagärten sind – aber in jedem Fall gibt es interkulturelle Nachbarschaftsgärten im Bereich soziale Stadt Öhmdwiesen/Berchen. Außerdem hat im vorletzten oder letzten Frühjahr eine SPD-Stadträtin guerlillamäßig Blumenzwiebeln in öffentliches Grün gesteckt. Das habe ich großzügig auch mal dazu gezählt ;-)

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