Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Heute Morgen könnte ich ein bisschen über Mängelexemplare sprechen und auch über unprofessionelle Arbeit. Darauf komme ich vielleicht im Laufe der Woche noch einmal zurück. Ich spare mir dieses Kapitel heute Morgen und rede ein bisschen über Politik, in der es auch Mängelexemplare gibt.

Die Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit. Bei der Konstanzer Oberbürgermeister-Wahl sind sie mit Ausnahme der Grünen außen vor. Dass ein Oberbürgermeister-Wahlkampf nicht über sechs Monate geht, sondern über sechs Wochen ist normal. Zu erwarten gewesen wäre aber, dass sich die Parteien in Konstanz wenigstens rechtzeitig und ernsthaft bemühen, geeignete Bewerber zu finden.

Das haben nur die Grünen getan. Sie suchten zum Beispiel schon im Dezember 2011 auch mit einer Anzeige in der „taz“ nach Kandidatinnen und Kandidaten für den Job im Rathaus. 23 Bewerberinnen und Bewerber haben sich von sich aus bei den Grünen gemeldet, 17 weitere wurden den Grünen empfohlen, so Marco Walter, Mitglied der Findungskommission. Auf einige ging die Partei zu.

Immerhin acht Frauen und Männer hatten die Konstanzer Grünen zu einem Gespräch eingeladen. Zwei Konstanzerinnen machten am Ende das Rennen und stellten sich schließlich der Mitgliederversammlung vor. Die Mitglieder entschieden sich für Sabine Seeliger.

Die SPD-Mitglieder wissen bisher dagegen noch nicht, ob ihre Partei noch einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt. Der Konstanzer SPD-Ortsvereinsvorsitzende Uwe Herwig hatte den SPD-Mitgliedern bei einer Mitgliederversammlung noch vollmundig versprochen, der Ortsverein werde sie informieren. Angeblich soll es nun tatsächlich einen Kandidaten geben. Streng genommen ist es so – die Frage ist nur noch, wann er sich outet. Den Mitgliedern vorgestellt hat er sich bisher aber noch nicht.

Total versagt haben die sogenannten bürgerlichen Parteien. Die Freien Wähler, die FDP und die CDU eiern seit Wochen herum. Die lassen Bewerber zu Castings antreten. Die Kandidaten, unter ihnen Glücksritter, die kaum den Mindestanforderungen entsprechen dürften, stellen sich dann vor zehn bis maximal 40 Parteimitgliedern im zu zwei Dritteln leeren Quartierszentrum vor. Die bürgerlichen Parteien jazzen auch Bewerber hoch, die keinerlei Befähigung mitbringen dürften, das Amt eines Oberbürgermeisters oder einer Oberbürgermeisterin auszufüllen. In Vorstellungsrunden geben sich Konstanzer Kommunalpolitiker dem Vernehmen nach mit Phrasen und Floskeln zufrieden. Wie kann es passieren, dass gestandene Frauen und Männer auf Blender hereinfallen?

Mittlerweile sind bereits zwei CDU-Mitglieder am Start. Beide kamen, ohne von der Partei ermuntert worden zu sein. Die Partei hat sich nicht durchringen können, die wohl einigermaßen ernsthafte und aussichtsreiche Kandidatin Sabine Reiser, die als einzige Verwaltungs- und Führungserfahrung mitbringt, zu unterstützen. Sabine Reiser dürfte das eher nicht schaden.

Am Montag stellen sich bei Freien Wählern und der CDU mutmaßlich wieder mindestens ein neuer Bewerber oder sogar mehrere vor. Die FDP hat mittlerweile ebenfalls so viel Spaß am Kandidaten-Casting, dass auch die Liberalen zuletzt am vergangenen Freitag noch einmal einen neuen Bewerber angesehen haben. Toll, sagen wir da. Noch bis 4. Juni kann es so weitergehen. Vielleicht sollten die bürgerlichen Parteien dann die Zeit bis 1. Juli noch nutzen, um in die Verlängerung zu gehen und weitere Castings zu veranstalten. Das Motto könnte heißen: „Auch er/sie hätte unser neuer OB werden können!“.

In der Zwischenzeit ist Sabine Seeliger in Konstanz unterwegs. Bereits Ende April hatte sie angekündigt, ihre Wahlkampagne mit Gesprächen mit Vereinen, Verbänden, Interessensgruppen und Organisationen in der Stadt zu starten. Dasselbe macht übrigens auch Sabine Reiser. Und das ist auch gut so: Schließlich müssen die Konstanzer ja die Chance haben, die Bewerberinnen und Bewerber kennenzulernen und sich ein Urteil zu bilden. Ansonsten wählen die Konstanzer womöglich die Katze oder den Kater im Sack.

Die Parteien jedenfalls haben sich komplett überflüssig gemacht und aus der OB-Wahl verabschiedet. Sollte noch eine eine Wahlempfehlung aussprechen, dürfte das mittlerweile nur noch ein Schulterzucken auslösen.

Starten Sie gut in die neue Woche!

7 Kommentare to “Guten Morgen Bodensee!”

  1. Wo.Becker
    14. Mai 2012 at 07:46 #

    nur wenn man nicht in die hintergrund Gespräche eingeweiht ist, sollte man nicht unterstellen, dass sich bei den sogenannten Großen nichts tue.

    So sah ich gestern Andreas Jung mit jemanden die Stadt besichtigen.

    Dann muss man gefundene Kandidaten auch die Möglichkeit des Rückziehers geben und das eventuell bevor die Kandidatur öffentlich wird.
    So ist, laut Frau Binder, eine mögliche Kandidatin abgesprungen.

    Warten wir doch einfach weiter ab und nutzen die Zeit uns die schon Bekannten anzusehen, denn zuhören/ lesen ist von ihnen ja doch auch noch nichts.

    Auch von mir eine schöne Woche den Lesern

    Dann gibt es ja auch noch den Masterplan Mobilität als Thema in Konstanz
    hier mal eine Zusammenstellung von Unterlagen:
    http://master2020mobili.suedblog.de/was-sagt-die-presse-von-kn-zum-moma/
    Stand 14.05.2012, also aktuell mit den Beiträgen des heutigen Südkuriers- Ausgabe KN

  2. wak
    14. Mai 2012 at 08:44 #

    @Wolfgang Becker Die Parteien haben noch immer keinen Kandidaten präsentiert. Vor allem, wer Hintergründe kennt, kann nur von Versagen sprechen.

  3. Stone
    14. Mai 2012 at 09:56 #

    Und wie hat man folgende Tatsachen zu werten?
    1. Sie plappern heute morgen nur nach, was Herr Sieber vom Südkurier schon am Samstag vom Stapel gelassen hat?
    2. Sie einen möglichen Bewerber eienr Partei, die ich ehrlich gesagt selbst noch nie gewählt habe, erst letztens zu einem der Favoriten erklärt, obwohl der noch gar nicht präsentiert wurde?
    und lust but not least
    3. Sie den Wahlkampf einer Kandidatin managen und deshalb hoch und heilig versprochen haben, im Wahlkampf erst gar nicht versuchen, den Anschein einer unabhängigen Berichterstattung zu erwecken?

    Würden Sie denn im Sinne der Transparenz, die Sie hier immer wieder gerne propagieren, offenlegen, wie viel Geld Sie an der Kandidatin Sabine Reiser verdienen?

    • wak
      14. Mai 2012 at 10:40 #

      Guten Morgen Herr Steiner (oder wie sie auch immer heißen mögen). Ich lese den Südkurier nicht und ich weiß auch nicht, wer Herr Sieber ist. Was die Parteien aufführen, ist peinlich. Normalerweise hätte die CDU mindestens zehn Wochen vor der Wahl einen Bewerber haben müssen und einen Wahlkampf planen. Dann wäre wahrscheinlich weder Sabine Reiser noch Uli Burchardt auf die Idee gekommen, in den Wahlkampf zu starten, da es einen Kandidaten gegeben hätte, der gesetzt gewesen wäre. Bei mehreren Interessenten wäre ein Vorwahl wie in Stuttgart (Turner oder Renner) demokratisch gewesen. Gern lege ich Ihnen offen, wie viel Geld ich von Sabine Reiser erhalten habe: Null Euro. Vielmehr engagiere ich mich hier persönlich, in dem ich sie freundschaftlich unterstütze. Richtig ist, dass das eigentlich ein Job wäre. Ich habe andere Aufträge, um die ich mich kümmmere, mit PR verdiene ich mein Geld, aber nicht hier in Konstanz. Meine Auftraggeber sitzen in der Schweiz und außerhalb der Stadt. Weitere Diskussionen bitte mit offenem Visier und nicht unter Pseudonym.Sie müssen mein Blog ja nicht lesen.

  4. Franz Sauerstein
    14. Mai 2012 at 13:10 #

    Wer ist eigentlich dieser Kanidat, der Konstanz zu einer autarken Stadt machen möchte? :D

  5. Hans Paul Lichtwald
    14. Mai 2012 at 16:31 #

    Wer ist denn dieser Uli Burchardt? Hat der die Werbeagentur im RIZ in Radolfzell gehabt? Die Frage nach der Qualifikation der Bewerber(innen) muss erlaubt sein. Scheinheilige braucht man in der Diskussion auch nicht. Ich kenne nach 40 Jahren Berufserfahrung eigentlich keinen Journalisten, der bei einer Bürgermeisterwahl keine eigene Meinung hat. Und letztlich wollen wir doch alle bei der Mehrheit sein! Parteiisch bei der Berichterstattung zu sein, ist eine andere Sache. Im Zweifelsfall leidet man selbst mit seinem Favoriten und ist ihm gegenüber deshalb besonders kritisch.

    • wak
      14. Mai 2012 at 16:40 #

      @hplichtwald So ähnlich geht es mir auch. Ich halte es nicht für besonders sinnvoll, wenn alle Kandidaten eine Zeitungsseite bekommen. Wir müssen den oder die Beste für Konstanz finden. Wie es geht, wenn ein OB acht Jahre lang einen schlechten Job gemacht hat, ist live in Überlingen zu erleben, wo das neue Verwaltungsteam kämpft und kämpft und kämpft.

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