Guten Morgen Bodensee!

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir heute über Irreführung in Zusammenhang mit der Oberbürgermeisterwahl und wieder einmal über das Theater. In der Spiegelhalle steht am Sonntag eine Uraufführung auf dem Spielplan. Das Theater inszeniert das Stück der jungen Autorin Ivna Zic. Sie ist Preisträgerin des 1. Autorenwettbewerbs der Theater Konstanz und St. Gallen.

Wir wissen nicht so ganz genau, ob dieses Stück zu Konstanz passt. „Wir könnten im gleichen Haus wohnen oder auch nicht, die Türen, die Namensschilder, der Lift, all das sieht überall gleich aus, unser besonderes Einzelschicksal ist eigentlich nur eine Massentragödie der Einsamkeit“, heißt es bei Ivna Zic, „Die Vorläufigen“.

Premiere des Stückes ist am Sonntag, 20. Mai, um 20 Uhr in der Spiegelhalle. Die 26-jährige Autorin Ivna Zic thematisiert in „Die Vorläufigen“ die Vereinzelung moderner Stadtmenschen. Sie erzählt vom Leben in einem Mietshaus, das eine sonderbare Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz zulässt. „Man hört und sieht einiges voneinander, begegnet sich jedoch selten. Frau Wickert durchbricht diesen Zustand mit ihrem Tod. Sie entscheidet sich dagegen, hinter verschlossenen Türen zu Sterben und bringt die Hausbewohner dazu, sich miteinander auseinander zu setzen“, heißt es in der Vorankündigung des Theaters.

„Die Vorläufigen“ entstand beim Autorenwettbewerb der Theater St. Gallen und Konstanz, bei dem Ivna Zic 2011 den Hauptpreis der Jury gewann. Auch bei der Langen Nacht der neuen Dramatik an den Münchner Kammerspielen wurde ihr Stück präsentiert und ausgezeichnet.

Vielleicht sollten wir wieder einmal nicht nur von uns ausgehen und an spontane Begegnungen im Herosépark oder an unsere kleine Welt oben auf der Dachterrasse denken. Konstanz und Kreuzlingen zusammengenommen ergeben immerhin eine Stadt mit 100.000 Einwohnern. Dass es hier und da anonym zugehen könnte, wollen wir nicht ausschließen.

Wenden wir uns nun der sogenannten Sonntagsfrage zu. Ziemlich irreführend finden wir die Ergebnisse der sogenannten Sonntagsfrage des Südkurier. Es ist so: Im Bezahlbereich der Heimatzeitung können User darüber abstimmen, welchen Bewerber oder welche Bewerberin sie bei der Oberbürgermeisterwahl wählen würden, wenn am kommenden Sonntag schon Wahltag wäre.

Je nachdem, wer gerade seine Unterstützer am besten mobilisiert und zum Klicken ermuntert, ergattert einen Spitzenplatz. Am Dienstagmittag war es zufällig Uli Burchardt, der mit 30 Prozent vorn. Sabine Seeliger und Sabine Reiser folgten mit 19,29 Prozent. 150 Stimmen hätten ausgereicht, um vor Burchardt auf Platz eins zu kommen.

Was wir in einem Bezahlbereich einer seriösen Zeitung erwarten würden, wäre nicht das bloße Imitieren des Politbarometers, sondern eine repräsentative Umfrage. Zufällige Stimmungsbilder taugen nichts – und wenn sollten sie nicht ausgerechnet „Sonntagsfrage“ heißen, sondern besser Internet-Voting. Solche Meinungsbilder, wie sie die Heimatzeitung online stellt, sind in etwa so aussagekräftig wie Handlesen.

Spannender wird da schon die U-18-Wahl werden.

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