Guten Morgen Bodensee

Von Waltraud Kässer

Sprechen wir heute Morgen über den gewesenen Oberbürgermeister Bruno Helmle, den nun der Konstanzer Gemeinderat und die Universität vom Hof gejagt haben, und über eine Oberbürgermeisterin, die es so eilig hat, dass sie in der Sitzung gar die Abstimmung vergisst.

Alles ist gut. Das Denkmal Bruno Helmles ist in Konstanz vom Sockel gestoßen worden. Indiskutabel war es, als der Konstanzer Stadtrat Wolfgang Müller-Fehrenbach (CDU) Helmles Verhalten vor wenigen Wochen noch gerechtfertigt hatte, als er in der öffentlichen Gemeinderatssitzung erklärt hatte, er könne und wolle den Stab über Helmle nicht brechen. Wir fragten uns damals spontan, ja über wenn den Stab denn dann brechen?

Die Wiederbeschaffung  des Hausrats –  Helmle kaufte jüdischen Hausrat auf –  hielt zwar auch Müller -Fehrenbach für  problematisch. Einem posthumen Entzug der Ehrenbürgerschaft wollte der CDU-Stadtrat nicht zustimmen. Heinrich Everke (FDP) hatte damals gesagt, das Gutachten selbst reiche ihm nicht aus, um für die Aberkennung der Ehrenbürgerwürde zu stimmen. Gut, dass das nicht alle so sehen und das Gutachten am Mittwoch dem Senat der Uni Konstanz ausgereicht hat, um Helmle die Ehren-Senator Würde posthum zu entziehen.

Sitzungsökonomie ist so eine Sache. Die Überlinger Oberbürgermeisterin Sabine Becker hatte es am Mittwochabend ziemlich eilig. Als es um die Ernennung von Feuerwehrchefs ging, trug sie zunächst vor, was in der Sitzungsunterlage geschrieben stand, und gratulierte dann dem neuen Kommandanten einer Teilortwehr. Wenigstens einem SPD-Stadtrat fiel dabei dann aber doch noch auf, dass es die Oberbürgermeisterin ganz vergessen hatte, den Gemeinderat zuvor zustimmen zu lassen.

So ist es halt, wenn eine Oberbürgermeisterin so richtig effizient sein möchte.

Erschwert hatte den Fortgang der Sitzung zeitweise auch, dass die Sitzungsunterlagen nicht in Schriftgröße 16 oder größer gedruckt waren. Sie könne das so nicht lesen, sagte die Oberbürgermeisterin. Der Optiker im Rat konnte da nicht mehr tatenlos zuschauen. Er sagte, er habe seinen Mann angerufen und ihn im Laden eine passende Brille holen lassen.  Ab da ging es mit dem Vortrag dann noch ein bisschen besser.

Apropos Überlingen. Überlingen ist eine wunderbare, mediterran anmutende  Gartenstadt. Eine halbe Stunde Auszeit im Badgarten ist mindestens so entspannend wie ein Hugo.

Etwa Dutzend Mal wurde mir gestern in Überlingen übrigens die Frage gestellt, wie es Sabine Reiser in ihrem Wahlkampf in Konstanz denn so ergehe. Leider erfahre man auf der anderen Seite des Sees nicht viel darüber, was sich bei der OB-Wahl in Konstanz tue.

So wie es aussieht, drücken die Überlinger Sabine Reiser die Daumen. Mehrmals hieß es gestern, es wäre für Überlingen gut gewesen, wenn die Stadt damals Sabine Reiser gewählt hätte. Haben die Überlinger aber nicht – und mussten zur Strafe acht Jahre lang mit einem Oberbürgermeister namens Weber leben.

Bei der letzten Wahl haben sie dann aber ganz anders gewählt und mehrheitlich das Kreuzchen bei Sabine gemacht.  Kandidiert hatte da aber nicht mehr Sabine Reiser, sondern Sabine Becker. Wie gesagt, Sabine Becker regiert mittlerweile ziemlich routiniert und der Gemeinderat muss nicht einmal mehr unbedingt zwingend abstimmen.

Starten Sie gut in den Donnerstag!

Ein Kommentar to “Guten Morgen Bodensee”

  1. dk
    24. Mai 2012 at 08:51 #

    … Sie könne das so nicht lesen …

    Das ist nicht ungewöhnlich beim Altersprozess. Anfangs ist es noch sehr beunruhigend. Wenn man auch noch nach dem offiziellen Rentenalter Geld verdienen möchte, hat man sich nach Monaten seelisch daran gewöhnt, dass die Augen nachlassen und die neue Brille immer wieder den neuen Sehwerten angepasst werden muss. Damals hatte man eher an Probleme beim Webdesign (Farben) und -programmierung (Schrift) gedacht; heute wäre wahrscheinlich See-Online.info auch ohne Brille mit Schriftgrösse 24/30 nicht zu lesen. Bei Regen und Hitze beschlägt meine Brille, was sich dann wie Halb-Blindheit anfühlt. Die Wege um KN herum sind aber häufig so breit, dass man eher schwer gegen Bäume laufen kann. Vielleicht haben Medien eher mit älteren Leuten als mit dem Internet ein Problem.

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